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Über Suizid spricht man nicht? Familie Kelter will aufklären und erzählt Leon Windscheid über den Verlust ihres Sohnes. In der Wissenschaft findet Leon Hinweise zu Warnsignalen und Suizidprävention.
Über Suizid spricht man nicht? Familie Kelter will aufklären und erzählt Leon Windscheid über den Verlust ihres Sohnes. In der Wissenschaft findet Leon Hinweise zu Warnsignalen und Suizidprävention.
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Vom Tabuthema zur Suizidprävention
Das Sprechen über Suizid gilt als gesellschaftliches Tabu. Familie Kelter will damit brechen und spricht mit Psychologe Leon Windscheid über den Verlust ihres Sohnes. Vor zehn Jahren verliert sie den damals 19-jährigen Nico. Die Folgen des Suizids sind bis heute für die Hinterbliebenen im Alltag spürbar.
Sandra und Mario Kelter setzen sich seitdem für mehr Aufklärung ein: Sie wollen Suizid und Depressionen das gesellschaftliche Stigma nehmen, um anderen Familien das Erlebte zu ersparen. Auch ihr jüngerer Sohn Emil hofft, dass sich mehr Menschen trauen, über ihre Suizidgedanken offen zu sprechen.
Wichtig: Suizidgedanken ansprechen
In Deutschland sterben laut statistischem Bundesamt jährlich mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und illegale Drogen zusammen. Der Suizid und seine Folgen betreffen also viele und bleiben dennoch Tabuthema. Doch wie kann man aus wissenschaftlicher Sicht mit diesem Thema verantwortungsvoll umgehen? Auf der Suche nach Antworten trifft Leon Windscheid Dr. Ute Lewitzka, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Dr. Lewitzka weiß: „Das Ansprechen suizidaler Gedanken kann Leben retten.“ Auch die umstrittenen Begriffe Selbstmord und Freitod ordnet Dr. Lewitzka für Leon ein.
Pubertät und Mobbing sind Risikofaktoren
Von der Expertin erfährt Leon auch, welche Warnsignale es bei Menschen mit suizidalen Gedanken gibt, und welche Risikofaktoren bekannt sind. Dabei macht Dr. Lewitzka klar: Wer an Depressionen leidet, gilt nicht gleich als suizidal. Denn den einen Grund, sich das Leben nehmen zu wollen, gibt es nicht.
Nicht nur die Zahl der Suizide wiegt schwer: Laut Schätzungen hinterlässt jeder Verstorbene nach einem Suizid etwa fünf bis zehn Angehörige, die von Trauer, dem Schmerz des fehlenden Abschieds und oft auch Gefühlen von Schuld betroffen sind. Leon trifft weitere Menschen, die zum ersten Mal öffentlich über ihre Trauer sprechen und dabei merken, wie gut der Austausch untereinander tut. Denn auch sie leiden unter der anhaltenden Tabuisierung von Suizid.