Die Spur - die Einzeldokus - Böller als Bomben – tödliche Pyrotechnik
- Gesellschaft
- Reportage
- hintergründig
- 17.12.2025
- ZDF
Kugelbomben, die nur für Profis zugelassen sind, haben in der vergangenen Silvesternacht mehrere Menschen getötet. Solche Böller werden inzwischen auch von Kriminellen als Waffe genutzt.
Mit einem lizensierten Pyrotechniker testet er die Sprengkraft solcher Böller: Die Explosion zerstört einen Kleintransporter komplett. "Das ist so, wie wenn ich eine Handgranate in der Hand hätte. Das überlebe ich nicht", sagt der Fachmann.
Recherchen von ZDF-"Die Spur"-Reporterin Silja Thoms zeigen: Die Sprengkraft solcher Böller wird zunehmend auch bewusst von Kriminellen eingesetzt. Sie nutzen Pyrotechnik als Waffe – etwa bei Geldautomaten-Sprengungen, aber auch bei gezielten Anschlägen auf Menschen. Besonders häufig kommt das in den Niederlanden vor. Über 1.500 Sprengstoff-Angriffe gab es dort allein im vergangenen Jahr – im Schnitt vier Explosionen pro Nacht.
Der deutsche Kriminologe Robin Hofmann von der Universität Maastricht spricht von "violence as a service", Gewalt als Dienstleistung. "Wir haben es da mit Jugendlichen, zum Teil sogar Kindern zu tun. 13, 14, 15 Jahre alt", sagt er. Diese Jugendlichen werden demnach von organisierten Kriminellen über soziale Medien oder Gaming Plattformen rekrutiert, um mit Böller-Sprengsätzen Anschläge zu begehen – auch in Deutschland.
In Frankfurt etwa wurden im August 2025 zwei niederländische Teenager festgenommen, die Pyro-Anschläge begangen haben sollen. Und in Solingen starb im Juni 2024 ein junger Niederländer, als ein mitgebrachter Sprengsatz vor einem Fitnessstudio explodierte.
Die niederländische Politik hat deshalb die Gesetze zur Pyrotechnik verschärft. Auch der deutsche Bundestag hat kürzlich härtere Strafen für Geldautomaten-Sprenger beschlossen. Doch unsere niederländischen Nachbarn drängen auf mehr – denn momentan haben es die Kriminellen noch viel zu leicht, wie "Die Spur"-Recherche zeigt.
Stab
- Kamera - Ralf Pein