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Frau.Macht.Kirche.

Eine Institution gerät ins Wanken

Es sind vor allem Frauen, die aktuell die Machtfrage in der katholischen Kirche stellen. Sie sind die Säulen des kirchlichen Lebens. Wenn sie gehen, ist die Kirche am Ende.

43 min
43 min
05.04.2021
05.04.2021
UT
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.04.2026

Der Film porträtiert vier Frauen und ihren Kampf um eine gerechtere und menschlichere Kirche: Antonia Papenfuhs will Priesterin werden, Doris Bauer ist ausgetreten, Angelika Pohlers Kampf geht über die Kunst, und Schwester Maria Stadler diskutiert mit Bischöfen.

Frauen drängen auf Veränderung

Die katholische Kirche steht an einem Scheidepunkt. Ihr laufen die Mitglieder davon, 272.000 Kirchenaustritte gab es allein im Jahr 2019: ein neuer Rekord. Debatten um den richtigen Umgang mit den Missbrauchsfällen bestimmen die Schlagzeilen. Hinzu kommt Druck von Netzwerken wie "Maria 2.0", die umfassende Reformen einfordern: Aufklärung der Missbrauchsfälle, Schluss mit dem Pflichtzölibat, Zugang von Frauen zu allen Ämtern und Diensten. Die Deutsche Bischofskonferenz hat auf den massiven Druck reagiert und mit dem "Synodalen Weg" einen Reformprozess ins Leben gerufen. Doch Corona wirbelt den Zeitplan durcheinander.

Erst müssen das die Frauen verstehen und dann noch die Männer, das dauert ein bisschen.
Schwester Maria Stadler

In den vergangenen zwei Jahren haben sich vor allem die Frauen in der katholischen Kirche organisiert und fordern Veränderungen. Frauen, die seit Langem unter den diskriminierenden Strukturen der Männerkirche leiden. Frauen, die sich zu Priesterinnen berufen fühlen – und ihre Berufung nicht leben dürfen. Frauen, die ihre Kirche auf Augenhöhe mitgestalten wollen – und von Priestern und Bischöfen ausgebremst werden. Wer sind die Frauen, die sich auf unterschiedlichen Ebenen für Veränderung engagieren?

Die Skandale nehmen kein Ende

Eine Frau steht vor einer Kirchentür.
Neun Monate nach ihrem Kirchenaustritt zieht Doris Bauer aus Köln Zwischenbilanz.
Quelle: ZDF/Denis Lüthi

Doris Bauer aus Köln war jahrzehntelang fest in der Institution verwurzelt, will bereits als junges Mädchen Ministrantin werden, was ihr der damalige Pfarrer weder zutraut noch zugesteht. Sie leitet Firmgruppen, engagiert sich als Lektorin und Kommunionhelferin - bis zur Veröffentlichung der großen Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche im Jahr 2018. Ihr Glaube an die Institution Kirche wird stark erschüttert – doch sie bleibt. Auch wegen "Maria 2.0", jenem bundesweiten Bündnis von Frauen, die sich 2019 zum ersten Kirchenstreik verabreden. Mit "Maria 2.0" erhält Doris Bauer ihre Stimme zurück: Sie spürt, dass die Ohnmacht ein Ende haben könnte.

Doch die Skandale nehmen gerade in ihrem Erzbistum Köln kein Ende – im Sommer 2020 tritt sie nach monatelanger Überlegung aus der Kirche aus. "Wenn ich austrete, trete ich laut aus", sagt Doris Bauer. Sie veröffentlicht ihre Beweggründe, und gerade weil sie als langjähriges Mitglied zwar aus der Institution, aber nicht aus dem Glauben austritt, ist sie für viele Menschen ein Vorbild. "Frau.Macht.Kirche." begleitet Doris Bauer im ersten halben Jahr nach ihrer für sie so schwierigen Entscheidung.

Zur Priesterin berufen

Antonia Papenfuhs in Nahaufnahme.
"Mir liegt die katholische Kirche am Herzen – aber liege ich ihr am Herzen?" Antonia Papenfuhs will Priesterin werden.
Quelle: ZDF/Johannes Rosenstein

Antonia Papenfuhs, genannt Toni, fühlt sich zur Priesterin berufen. Die 22-Jährige aus Obertshausen ist eine von 150 Frauen, die im frisch erschienenen Buch "Weil Gott es so will" von ihrer ganz persönlichen Berufungserfahrung zur Priesterin oder Diakonin berichten. Toni ist hin- und hergerissen, die katholische Kirche ist ihre Heimat: "Sie liegt mir am Herzen – aber ich frage mich, ob ich ihr am Herzen liege."

Toni absolviert ein einjähriges Kirchenpraktikum in einer anglikanischen Gemeine in Cambridge. Dort darf sie das allererste Mal auf die Kanzel und selbst predigen. Diese Erfahrung prägt sie – zurück in Deutschland fühlt sie sich wieder auf dem Boden der katholischen Tatsachen. Die Reportage begleitet Antonia Papenfuhs auf ihrer Suche: Sie entschließt sich, evangelische Theologie zu studieren, und macht ein Praktikum bei einer evangelischen Pfarrerin. Sie erlebt Frauengruppen, die den Gottesdienst zum "Weltgebetstag der Frauen" vorbereiten – und sie ist neben ihrem Studium immer wieder für "Maria 2.0" unterwegs. Überzeugt, dass Gott für sie einen Weg vorgesehen hat. Ob dieser Weg auf die Kanzel einer katholischen Kirche führt, ist allerdings höchst ungewiss.

"Wir sind da - und wir sind viele!"

Angelika Pohler malt "Junia", Apostelin des Urchristentums.
Angelika Pohler arbeitet an "Junia", einer Apostelin des Urchristentums. "Ich will Frauen in der Kirche sichtbar machen", sagt die Leipziger Künstlerin.
Quelle: ZDF/Denis Lüthi

Angelika Pohler (75) hat schon viele Kämpfe ausgefochten. Während der DDR-Zeit konnten die Künstlerin aus Leipzig und ihr Mann Konrad in der Nische der katholischen Kirche die Revolution mitgestalten, im wahrsten Sinne des Wortes: Angelika Pohler entwirft Flugblätter, Postkarten und Plakate. Die friedliche Revolution läutet das Ende des DDR-Regimes ein. Hilft diese Erfahrung, um auch Veränderungen für die Kirche zu erwarten? "Wir brauchen einen langen Atem", meint Angelika Pohler, aber die Hoffnung gibt sie nicht auf. Ihr ist es wichtig, Frauen sichtbar zu machen.

Sie organisiert Ausstellungen über Frauen, die in Sachsen aktives kirchliches Leben getragen und gestaltet haben, setzt sich künstlerisch mit den Missbrauchsfällen auseinander. Angelika Pohler malt biblische Frauengestalten wie Maria Magdalena oder Junia, um deutlich zu machen: Wir sind da - und wir sind viele! Als Vertreterin der "Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands" ist sie auch kirchenpolitisch Teil des Veränderungsprozesses. Die Reportage begleitet Angelika Pohler bei ihrem künstlerischen Schaffen, in dem es eigentlich um eine Selbstverständlichkeit geht: Frauen in der katholischen Kirche endlich als gleichberechtigt wahrzunehmen.

Der Weg ist beschritten

Sr. Maria Stadler in Nahaufnahme.
Sr. Maria Stadler stellt die Macht der Männer-Kirche infrage: "Das sind die letzten Zuckungen, wie beim Ende der DDR."
Quelle: ZDF/Johannes Rosenstein

Und schließlich ist da Schwester Maria Stadler. Die 50-Jährige ist Ordensschwester bei den "Missionarinnen Christi" in München. 16 Jahre verbrachte sie in einer Gemeinde in Sibirien. Dort lernt sie: Es sind während 70 Jahre kommunistischer Herrschaft gerade die Frauen, die christliche Traditionen am Leben halten. Nicht nur diese Erfahrung ist es, die sie, zurück in Deutschland, beim "Synodalen Weg" mitarbeiten lässt. Als eine von zehn Ordensleuten engagiert sie sich bei diesem auf zweieinhalb Jahre angelegten Diskussionsprozess um eine Neuausrichtung der katholischen Kirche in Deutschland.

Insgesamt sind 230 Synodale aus allen Lebens- und Gesellschaftsbereichen vertreten. Anfangs ist sie skeptisch, ob der "Synodale Weg" überhaupt etwas bewegen wird, doch während der Debatten erlebt sie eine offene und grundsätzlich veränderungsbereite Gesprächskultur, sodass sie überzeugt ist: Das Ende der Männerkirche kommt. "Erst müssen das die Frauen verstehen und dann noch die Männer, das dauert ein bisschen." Doch der Weg ist beschritten. Schwester Maria freut sich auf die nächste Synodal-Versammlung – hoffentlich live und nicht nur coronakonform am Rechner.

Vier Frauen, ein Ziel: Veränderungen in der katholischen Kirche anzustoßen, voranzutreiben, durchzusetzen. Toni Papenfuhs, Doris Bauer, Schwester Maria Stadler und Angelika Pohler stehen stellvertretend für eine zunehmende Zahl von Frauen (und Männern!), die von West bis Ost, von Alt bis Jung, aus Stadt und Land ihre Unzufriedenheit und ihren Frust über die katholische Kirche zum Ausdruck bringen. Sie resignieren nicht, sie agieren, sie kämpfen, rebellieren, protestieren. Wann endlich nimmt die Amtskirche ihre Verantwortung bei den Missbrauchsfällen wahr? Warum dürfen Frauen nicht Priesterinnen werden? Wann verabschiedet sich die Kirche vom Zwangszölibat? Wie kann eine geschlechtergerechte katholische Kirche der Zukunft aussehen?

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