Zwei Männer blicken in die Kamera. Im Hintergrund ist eine Wand zu sehen, diese ist mit Graffiti besprüht.
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Rund 5,6 Millionen Menschen in Deutschland sind verschuldet. Arbeitslosigkeit und Inflation sind nur zwei Gründe, warum viele Menschen keinen Ausweg aus der Schuldenfalle finden.

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Rund 5,6 Millionen Menschen in Deutschland sind verschuldet. Arbeitslosigkeit und Inflation sind nur zwei Gründe, warum viele Menschen keinen Ausweg aus der Schuldenfalle finden.

Alleine in Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover sind rund 84.000 Menschen armutsgefährdet und beziehen Sozialleistungen. Viele sind zudem verschuldet. Manche werden zum Fall für einen der rund 35 Gerichtsvollzieher der Stadt.

2.500 Fälle im Jahr

Alexander Glatzel und Lars Hübner bearbeiten im Jahr als Gerichtsvollzieher rund 2.500 Fälle. Ausgestattet mit einem richterlichen Beschluss machen sie sich auf die Suche nach den Schuldnern. Werden sie fündig, ziehen sie entweder direkt Geld von ihnen ein oder lassen den Schuldner eine Vermögensauskunft abgeben, wenn er nicht zahlen kann. Oft kommt erst durch die Gerichtsvollzieher wieder Bewegung in einen festgefahrenen Streit zwischen Schuldnern und Gläubigern.

Krankenhauskosten nicht gezahlt

In einem Fall hat ein Mann über Jahre die Krankenhauskosten der Geburt seiner Tochter nicht bezahlt. Die Klinik hat geklagt und recht bekommen, doch der Mann kann wieder nicht zahlen. Glatzel und Hübner finden heraus, er hat noch weitere Schulden in Höhe von 48.000 Euro für den Unterhalt seiner vier Kinder und stottert das Geld in kleinen Raten von seinem Gehalt ab. Der Gebäudereiniger kann keine weitere Rate stemmen, die einzige Möglichkeit ist die Vermögensauskunft. Der Gläubiger, das Geburtskrankenhaus, muss weiter auf Geld warten und kann frühestens in zwei Jahren die Gerichtsvollzieher deswegen erneut beauftragen.

Mit Polizeischutz auf der Hannover Messe

Vollstreckungsmaßnahmen können aber auch Firmen betreffen. Auf dem Messegelände in Hannover soll Alexander Glatztel mit Hilfe einer Dolmetscherin gegen eine Firma wegen des Verdachts der Produktpiraterie vorgehen. Dazu konfrontiert der Gerichtsvollzieher die Betreiber des Standes mit dem richterlichen Beschluss: sämtliche ausgestellte Produkte und Kataloge, in denen diese beworben werden, soll er konfiszieren. Doch die asiatischen Aussteller weigern sich seinen Auftrag anzuerkennen. Als letztes Mittel bleibt Glatzel nur ein Anruf bei der Polizei, sie soll ihm Amtshilfe gewähren und helfen, das Gerichtsurteil durchzusetzen.
Eine ZDF.reportage aus dem Berufsalltag von Gerichtsvollziehern.