Ein Tag in ... - Ein Tag in New York 1882
Ein Tag im Leben des angehenden Anwalts Georg Schmidt. Er ist einer von rund 400.000 deutschen Auswanderern in New York. Wie wäre es gewesen, wenn man als Deutscher im Jahr 1882 dort gelebt hätte?
Hoffen auf neue Chancen
Bedingungen alles andere als luxuriös
Zwei Tage Quarantäne
Die "Königin der Diebe"
"Die meisten Migranten denken an die Zukunft ihrer Kinder" - Vier Fragen an Dr. Simone Blaschka
Der Film zeigt Castle Garden als zentrale Ankunftsstelle für Migranten in New York. Über 35 Jahre lang wurden dort etwa sieben Millionen Einwanderer registriert, bis 1892 Ellis Island diese Rolle übernahm. Wie kam es zu dem Ortswechsel?
Castle Garden war spätestens in den frühen 1880er Jahren zu klein geworden: Es reisten teilweise tausende Einwanderinnen und Einwanderer täglich in New York ein, die alle ärztlich untersucht und behördlich erfasst werden sollten. Hinzu kam, dass die Insellage von Ellis Island eine bessere Unterbringung in Quarantäne von erkrankten Menschen ermöglichte.
Wenn es um New York und Migranten geht, denkt man schnell an Stadtteile wie "Little Italy" oder "China Town". Warum ist "Little Germany" und die Geschichte der Deutschen in der Stadt heute fast vergessen?
Das liegt vor allem an den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert, in denen die Deutschen Kriegsgegner der USA waren. Auch der Holocaust verhinderte und verhindert, dass deutsche Kultur in den USA so unbeschwert wahrgenommen und genossen werden kann, wie beispielsweise die italienische.
Der "American Dream", also der Traum, es vom Tellerwäsche zum Millionär zu schaffen, zieht bis heute Menschen in die USA. Hatten die deutschen Einwanderer im 19. Jahrhundert auch diesen Traum?
Die meisten Migranten heute denken, wie auch die Deutschen im 19. Jahrhundert, nicht nur an sich selbst, sondern auch an die Zukunft ihrer Kinder. Viele sichern durch ihre Arbeit ihren Kindern eine bessere Ausbildung, die dann zu einem gesellschaftlichen Aufstieg führen kann. Die wenigsten Migranten denken darüber nach, Millionäre zu werden: Es geht ihnen um eine nachhaltige Existenzsicherung. Die deutschen Einwanderinnen und Einwanderer suchten diese im 19. Jahrhundert in der Landwirtschaft oder im Gewerbe. Für viele war es schon ein Traum, vom Kleinbauern zum mittelständischen Farmer oder vom Dienstmädchen zur Büroangestellten aufzusteigen.
1882 waren die USA gerade einmal 100 Jahre lang eine Nation. Das Ende des amerikanischen Bürgerkriegs lag gerade einmal 15 Jahre zurück. Inwiefern ist das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts eine besondere Epoche für die Vereinigten Staaten und besonders für die Stadt New York?
In dieser Zeit erlebten die USA eine rasante und fulminante Hochindustrialisierung inklusive enormer technischer Innovationen, der Entstehung einer großen Freizeitkultur und der neuen Rolle als globale politische Macht. In New York konnten alle diese Entwicklungen wie durch ein Brennglas besonders scharf gesehen werden. Aber nicht nur dort, im ganzen Land wurde alles schneller, höher und weiter, als es je zuvor gewesen war. Davon profitierten vor allem die europäischen Einwanderinnen und Einwanderer enorm. Für die Natives und die ehemaligen Sklaven hingegen war es genau die Zeit, in der ihre sehr viel schlechtere gesellschaftliche Stellung zementiert wurde – durch die politischen, sozialen und ökonomische Handlungen der Weißen.
Die Fragen stellten Arne Peisker und Claudia Moroni.
Ein Tag in New York 1882
Erstausstrahlung ZDF: 2. Januar 2022
Film von Elin Carlsson, Arne Peisker und Sigrun Laste
Redaktion TV Claudia Moroni
Redaktion Online Michael Büsselberg
Fachberatung
Dr. Simone Blaschka. Historikerin und Migrationsforscherin. Direktorin des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven. Forscht zur deutschen Überseeauswanderung in die USA sowie zur Emotionsgeschichte in der Migration.
Zusätzliche Experten im Film
Dr. David Huyssen: Historiker für amerikanische Geschichte an der University of York. Forscht zur Geschichte des städtischen Lebens mit besonderem Schwerpunkt auf New York City. Seit 2015 lehrt er an der University of York, USA.
Prof. Daniel Czitrom: Professor em. für amerikanische Kultur- und Politikgeschichte, Geschichte von New York City und amerikanische Mediengeschichte
Prof. Dr. Gunther Hirschfelder: Kulturanthropologe, Volkskundler und Autor, Forschungsschwerpunkt: vergleichende Kulturgeschichte
Susan Gail Johnson: Kulturwissenschaftlerin und freie Kuratorin, u.a. am “Museum of the City of New York”
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