Precht - Zerrissene Welt – Zwischen Werten und Interessen
- Gesellschaft
- Talk
- aufschlussreich
- 10.12.2023
- ZDF
Die Weltordnung befindet sich im Umbruch. Wie soll sich Europa in dieser neuen Konstellation verhalten? Richard David Precht diskutiert mit dem Politikberater Ivan Krastev.
Angetrieben von ökonomischen Interessen
Besonders Europa müsse sich bewusst machen, so der Politologe Ivan Krastev, dass sich die Welt gerade massiv verändert. All die Werte und Ideale, die lange Zeit Wohlstand und Sicherheit bescherten, verlieren an Bedeutung. Proklamierten die 68er noch, "wir wollen nicht so leben wie unsere Eltern", fordert die heutige Jugend, weiter so leben zu können wie die Eltern. Während sich also die jüngeren Generationen hierzulande um ihre Zukunft sorgen, macht sich in China, in Indien, aber auch im globalen Süden ein Pragmatismus breit, der sich weniger an Werten als an Interessen orientiert. Statt von Idealismus sind diese Staaten angetrieben von ökonomischen Interessen. Man will nicht länger nur ein Spielball der Systeme oder bestimmter Hegemonialmächte sein, sondern eine eigene Rolle im Weltmonopoly spielen.
Rasante Veränderungen
Früher sicherte der technische Fortschritt eines Landes den Wohlstand für Jahrzehnte. Heute aber wird Technologie rasch repliziert und überall auf der Welt verfügbar gemacht. Die Verhältnisse in der Welt sind daher möglicherweise nicht chaotischer geworden, sondern verändern sich nur viel rasanter. Durch die Digitalisierung verbreiten sich Informationen heute nahezu in Echtzeit. Im gleichen Maße wie Nationen sich einerseits deutlicher und zum Teil aggressiver voneinander abgrenzen, rücken sie gleichzeitig aber auch dichter zusammen.
Handfeste Machtinteressen
Das egoistische Interesse im Privaten, habe sich, so Krastev, auch auf der Weltbühne etabliert. Während der Westen immer manövrierunfähiger werde, liefern sich andere Staaten ein immer schnelleres Rennen um mehr Einfluss, Macht und am Ende natürlich um mehr Profit. Während die Werte des alten Europas zum Ladenhüter mutieren, wittern andere Regionen ihre Chance und werden dabei immer unberechenbarer.
Wie aber sollen die westlichen Nationen darauf reagieren? Und wie wird der Widerspruch zwischen Wertvorstellungen und handfesten Machtinteressen am Ende zu lösen sein?