Ein Tag in ... - Ein Tag in Berlin 1943 – Der Passfälscher Cioma Schönhaus
1943 soll Berlin nach dem Willen Adolf Hitlers "judenrein" werden. Cioma Schönhaus ist einer der Zehntausenden Juden, die nicht rechtzeitig ausgereist sind und nun von der Deportation in den Osten bedroht sind.
1943 soll Berlin nach dem Willen Adolf Hitlers "judenrein" werden. Cioma Schönhaus ist einer der Zehntausenden Juden, die nicht rechtzeitig ausgereist sind und nun von der Deportation in den Osten bedroht sind.
Rechtlos, verfehmt und todgeweiht
Seine Eltern, seine Großmutter, Onkel und Tanten – sie alle sind bereits verschleppt worden. Jeden Tag könnte die Gestapo auch vor Ciomas Tür stehen. Er verlässt die elterliche Wohnung und taucht wie Tausende andere Verfolgte in der Stadt unter. Doch sich verstecken und sich zum Opfer der Nazis machen, will er nicht: Er tarnt sich als sogenannter "arischer" Deutscher – mit einem falschen Namen und einem ausgedachten Lebenslauf.
Teil des Widerstandsnetzes
Ein Tag in Berlin 1926 - Der Kriminalkommissar
Ein Tag in der Kaiserzeit in Berlin - Die Dienstmagd
Expertenstatements zur Doku
... zum Deportationsbescheid an die Familie Schönhaus
"Als Absender auf dem Deportationsbescheid stand die jüdische Kultus-Vereinigung zu Berlin. In dem Bescheid stand, dass sich alle Mitglieder auf behördliche Anordnung ab Freitag, dem 27. Mai 1942, in der Sammelunterkunft Levetzowstraße einfinden und zur Teilnahme am Transport bereit sein müssten. Das galt auch für Cioma und seine Eltern. Das wurde perfiderweise von der jüdischen Kultus-Vereinigung verschickt, die man dazu missbraucht hat, um die eigenen Leute dann in den Synagogen einzusammeln."
... zur Hoffnung der Familie Schönhaus
"Ciomas Eltern haben sich eingeredet, dass wenn man nichts Verkehrtes tut, dann wird einem auch nichts passieren. Ich glaube, es war eine Mischung von Naivität und Zweckoptimismus, weil sie eigentlich gar keine andere Wahl hatten, als zu hoffen, dass alles gut wird. Als sie aufgefordert wurden, sich in der Sammelstelle einzufinden, sind sie davon ausgegangen, dass sie zur Zwangsarbeit irgendwo im Osten verpflichtet werden. Zur Zwangsarbeit wurde man ja auch vorher schon in Deutschland verpflichtet. Und daran haben sie geglaubt."
... zum Leben im Untergrund unter der Naziherrschaft
"In Berlin 1943 unterzutauchen, war ein enormes Risiko. Viele untergetauchte Juden sind nach wenigen Wochen entdeckt worden. Nachbarn haben Geräusche gehört und haben sie verraten, andere wurden auf dem Schwarzmarkt erwischt, als sie Lebensmittel besorgt haben. Es war ein täglicher Kampf ums Überleben."
... zum Lebensgefühl von Cioma Schönhaus
"Cioma konnte sich für jeden Tag irgendetwas Kleines aussuchen, was für ihn den Tag zu einem lebenswerten Tag gemacht hat. Und er hat das kombiniert mit einem Lebensgefühl, von seinen Eltern getragen zu sein und das Anrecht auf etwas Gutes im Leben zu haben. Er hatte die Fähigkeit, das Gefühl der Angst auszublenden. Er hat fest daran geglaubt, dass das Risiko entdeckt zu werden, in der Öffentlichkeit viel kleiner war, als wenn er sich irgendwo versteckt hätte. Er hat gesagt: So funktioniere ich, ich lebe diesen Plan, bis ich merke, hier kommt die Einbahnstraße. Dann muss ich den Plan eben ändern."
... zum Verlust der Eltern
"Cioma hat sich vorgestellt, mit seinen Eltern zu kommunizieren. Das hat er gemacht, bis er gestorben ist. Das hat ihn sein Leben lang begleitet. Diese Zwiegespräche zu halten mit seinen Eltern, mit dem Vater und der Mutter, das war seine Art, mit dem Verlust umzugehen."
... zum Leben nach dem Holocaust
"Cioma hat sehr viel Positives, Verzeihendes über Deutschland gesagt, andererseits aber auch den Satz: 'Es gibt Dinge, über die wächst nie Gras.' Alles in allem ist es ihm gelungen, sich aus der Opferrolle heraus zu bewegen. Und er hat es uns ermöglicht, dass wir diesen Spirit weiterleben konnten und auch diese Geschichte, so schwierig und schmerzhaft sie sein mochte, irgendwo auch hinter uns zu lassen und nach vorne zu schauen."
Sendungsinformationen
Erstausstrahlung ZDF: 27. Oktober 2024
Buch Arne Peisker, Elin Carlsson
Szenenregie Sigrun Laste
Redaktion TV Claudia Moroni
Redaktion Online Michael Büsselberg
Fachberatung
Martina Voigt: Historikerin. Forscht seit vielen Jahren zur Geschichte des Nationalsozialismus, arbeitet u.a. für die „Gedenkstätte Stille Helden“ in der Stiftung „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ und für Erinnerungsprojekte der evangelischen Kirche. Veröffentlichungen zur nationalsozialistischen Judenverfolgung, zu Flucht und Hilfe für Verfolgte sowie zur Geschichte von SS und Polizei unter dem NS-Regime
Zusätzliche Experten im Film
-Prof. Regine Buchheim: Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Forscht u.a. zum Steuer(un)recht im Nationalsozialismus
-Prof. Wolf Gruner: Historiker. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte des Nationalsozialismus, speziell der NS-Judenverfolgung in Europa sowie der Zwangsarbeit im NS-Staat
-Hildegard Homburger: Restauratorin und Dozentin für Materialkunde, Konservierung und Drucktechniken
-Sascha Schönhaus: Klezmermusiker und Sohn des jüdischen Autors und Grafikers Cioma Schönhaus. Cioma Schönhaus veröffentlichte seine Lebensgeschichte in „Der Passfälscher“
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