Julia und ihre Zwillingsschwester Eva stehen nebeneinander, Arm in Arm und lächeln in die Kamera.
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Zwillinge: Eine Diagnose verändert alles
  • 02.06.2026

Mit Anfang 30 bekommt Julia die Diagnose Brustkrebs. Der Krebs ist genetisch bedingt. Deshalb ist auch ihre Zwillingsschwester Eva betroffen. Plötzlich stehen beide vor einer doppelten Mastektomie.

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Zwillinge: Eine Diagnose verändert alles

Mit Anfang 30 bekommt Julia die Diagnose Brustkrebs. Der Krebs ist genetisch bedingt. Deshalb ist auch ihre Zwillingsschwester Eva betroffen. Plötzlich stehen beide vor einer doppelten Mastektomie.

Als Julia (32) einen Knubbel an ihrer Brust findet, ist ihr sofort klar: Das ist Brustkrebs. Schnell wird klar, dass der Krebs genetisch bedingt ist und auch ihre Zwillingsschwester jederzeit erkranken könnte. Denn auch wenn nur Julia akut krank ist, stehen beide Schwestern vor einer beidseitigen Mastektomie und der Entscheidung ihre Eierstöcke entfernen zu lassen.
Julia und ihre Zwillingsschwester, Eva wachsen gemeinsam mit einer weiteren Schwester bei ihrem Vater auf, teilen sich ein Zimmer und haben schon immer ein sehr inniges Verhältnis. Weil Julia in der Schule kaum Freundinnen hat, ist ihre Schwester ihre beste Freundin. Erst als Eva aufs Gymnasium geht und Julia auf die Realschule, trennen sich ihre Wege zeitweise. “Eva ist schon immer die von uns, die leichter durchs Leben geht. In der Schule, in Beziehungen, ich habe sie immer ein bisschen beneidet.”
2022 bemerkt Julia dann eine komische Stelle an ihrer Brust, die unter Druck einen dumpfen Schmerz auslöst, denkt sich aber zunächst nicht viel dabei und vergisst das Ganze auch wieder, weil es ihr nicht weiter auffällt. Erst einige Monate später spricht ihr Freund sie darauf an, dass er einen Knubbel an ihrer Brust bemerkt hat. “Das ist komisch”, sagt er und plötzlich fällt es Julia wie Schuppen von den Augen - eine Cousine hatte vor einigen Jahren Brustkrebs. Obwohl ihr Freund zunächst versucht, sie zu beruhigen und erstmal abzuwarten, ist Julia sich direkt sicher, dass auch sie Brustkrebs hat.
Da ihr Freund den Knubbel an einem Freitag findet, muss Julia das Wochenende über abwarten: “Das war wirklich das Schlimmste, weil ich mir so sicher war und einfach anfangen wollte, etwas dagegen zu machen.” Als sie dann wenige Tage später die Diagnose bekommt, ist sie fast erleichtert, dass es endlich losgehen kann. “Ich war voll im Fokus auf die Behandlungen, so, das ist jetzt meine Aufgabe, das muss ich jetzt machen.”
Zusätzlich muss Julia dann zur Genetikberatung, da Brustkrebs auch erblich bedingt sein kann. Der Arzt macht Julia direkt klar: Eineiige Zwillinge haben identische Genbausteine. Wenn sie die Mutation hat, hat ihre Schwester sie auch. Für Julia eine viel schlimmere Nachricht, als herauszufinden, dass sie selbst Krebs hat: “Mir sind direkt die Tränen in die Augen gelaufen.” Die beiden Schwestern machen einen Gentest. Als das Ergebnis kommt, ist Julia bereits im Krankenhaus. Der Moment, in dem klar wird, dass beide Schwestern die BRCA1 Genmutation haben, verändert das Leben der beiden nachhaltig. Doch Eva macht ihr sofort deutlich: “Julia, jetzt im Moment ist das alles egal, jetzt geht es erstmal darum, dass du wieder gesund wirst.”
Vor der Chemotherapie steht für Julia die Mastektomie an. Ein Eingriff, vor dem Julia große Angst hat und dessen Ergebnis - der Verlust ihrer Brüste - ihr große Angst macht. Danach folgen 7 Monate Chemotherapie. Seit September 2024 ist Julia jetzt krebsfrei. Doch das heißt für sie und ihre Familie nicht, dass jetzt alles wieder gut ist. Für Eva steht dieses Jahr eine prophylaktische Mastektomie an, die Eva emotional sehr belastet. Ein so großer und folgenschwerer Eingriff, ohne wirklich krank zu sein? Außerdem wird beiden Schwestern nahegelegt, sich in drei Jahren ihre Eierstöcke rausnehmen zu lassen, da die Genmutation auch ein erhöhtes Eierstockkrebsrisiko auslöst. Und selbst dann bleibt immer ein Restrisiko für die Zwillinge, wenn auch ein geringes. Mit dem Krebs werden die beiden wohl ihr Leben lang verbunden bleiben. Und auch bei ihrem Vater, von dem die beiden das Gen vererbt bekommen haben, liegt doch die Mutation ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko vor.
Aktuell ist Julia einfach froh, die Chemotherapie und den Krebs gut überstanden zu haben. Nachdem sie eine Weile reisen war, steht nun die Eingliederung in ihren Job als Zollbeamtin wieder an. Sie merkt, wie sehr die Zeit ihre Familie zusammengeschweißt hat und auch, dass sie sich verändert hat. “Ich war früher absolut kein emotionaler Mensch und sehr distanziert und das ist jetzt ganz anders.” Auch das Verhältnis zu ihrer Schwester ist noch viel enger geworden. Die Zeit mit dem Krebs hat sie und ihre Familie für immer geprägt, aber nicht nur negativ.