Katty Salié auf der Biennale in Venedig
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Kampfplatz Kunst: Biennale Venedig

Die Biennale von Venedig ist in diesem Jahr zum Kampfplatz für die ungelösten politischen Konflikte unserer Zeit geworden. Katty Salié ist unterwegs auf der wichtigsten Kunstausstellung der Welt.

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Kampfplatz Kunst: Biennale Venedig

Die Biennale von Venedig ist in diesem Jahr zum Kampfplatz für die ungelösten politischen Konflikte unserer Zeit geworden. Katty Salié ist unterwegs auf der wichtigsten Kunstausstellung der Welt.

Sie besucht den umstrittenen russischen Pavillon, fragt, wie die rechte Meloni-Regierung die Ausstellung verändert hat, erkundet den deutschen Pavillon und den österreichischen Beitrag: die radikale Nackt-Performance von Florentina Holzinger.

Das künstlerische Konzept: Ruhe und Reflexion

Die Hauptausstellung „Minor Keys“ - in Moll-Tonarten - will einen Kontrapunkt zu den politischen Konflikten der Gegenwart setzen und einen Ort des kollektiven Aufatmens schaffen. Das ist das Motto, das die im vergangenen Mai überraschend verstorbene Kuratorin Koyo Kouoh ihrem Team mit auf den Weg gab. Kunst soll in Zeiten multipler Krisen zur Oase der Ruhe und des Nachdenkens werden.

Doch die geopolitischen Konflikte holen die Biennale ein. Um die Teilnahme Russlands und um den Beitrag Israels sind heftige Diskussionen entbrannt, die Ausstellung ist in ihren Grundfesten erschüttert. Eine offizielle Eröffnungsfeier wurde abgesagt, die Jury ist geschlossen zurückgetreten, der „Goldene Löwe“, der Kunstpreis der Biennale, wird nun am Ende der Ausstellung als Publikumspreis vergeben. Zur Eröffnung des Russischen Pavillons gab es eine große Protestaktion der Gruppen „Pussy Riot“ und „Femen“. Der Präsident der Kunstbiennale Pietrangelo Buttafuoco steht unter massivem Druck. Selten schien das "Geschäftsmodell" der Biennale so fragwürdig wie bei dieser 61. Ausgabe.

Die politische Realität: Proteste und Rücktritte

Von einer Diplomatie der Schönheit spricht Pietrangelo Buttafuoco, der von der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni eingesetzte Biennale Präsident. Meloni arbeitet seit ihrem Amtsantritt 2022 am konsequenten Umbau der italienischen Kulturlandschaft: Kritische Stimmen werden marginalisiert, öffentliche Medien wie die RAI werden zunehmend auf Regierungslinie gebracht und zentrale Kulturpositionen politisch neu besetzt. Wie wirkt sich das auf den italienischen Pavillon und die Hauptausstellung aus? Katty Salie spricht mit Chiara Camoni, Künstlerin des italienischen Pavillons, der Schriftstellerin Beatrice Salvioni und dem Kunsthistoriker Tomaso Montanari.

Dass Kunst die Betrachter*innen verändern kann, hat die gefeierte Performerin Florentina Holzinger schon oft unter Beweis gestellt. Sie bespielt den österreichischen Pavillon mit einer radikal performativen Live-Installation „Seaworld Venice“, die mit Aktionen in Stadt und Lagune erweitert wird, wobei Wasser als zentraler Schauplatz körperlicher Grenzerfahrungen fungiert. Typisch für Holzinger verbinden sich extreme Körperlichkeit und feministische Selbstermächtigung zu einem vielschichtigen Erlebnis zwischen Theater, Tanz und Bildender Kunst.

Der kritische Rundgang: Wie die Kunst zu uns spricht

Im Deutschen Pavillon erwartet die Besucher*innen die Ausstellung "Ruin" von den beiden ostdeutschen Künstlerinnen Henrike Naumann und Sung Tieu, die sich mit Brüchen deutscher Geschichte, insbesondere der DDR, Wiedervereinigung und der belasteten Architektur des Pavillons, auseinandersetzt. Überschattet wird der Beitrag vom Tod Henrike Naumanns wenige Wochen vor der Eröffnung – ihre konzeptuell abgeschlossene Arbeit wird dennoch posthum realisiert und prägt den Pavillon als künstlerisches Vermächtnis.

Stab

  • Moderation - Katty Salié