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Artenschutz extrem - Erhalt um jeden Preis?

Weltweit sind eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Im Kampf um die Artenvielfalt entwickeln Naturschützer immer ausgefallenere Methoden. Mit Erfolg?

28 min
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23.02.2020
23.02.2020
UT
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Video verfügbar bis 23.02.2021

Ein Taxi für Aale oder Nashorn-Nachwuchs aus der Petrischale – was seltsam klingt, könnte die letzte Rettung für akut gefährdete Arten sein. Doch wie stark dürfen Artenschutzprojekte in natürliche Abläufe eingreifen? Und wie nachhaltig sind solche Methoden?

Ein kahler Schopf, ein krummer Schnabel, schwarzes Gefieder, das aussieht, als wäre es in Öl getränkt: Der Waldrapp bietet nicht nur einen ungewöhnlichen Anblick, er ist auch einer der seltensten Vögel der Welt. Einst war der Ibisvogel in Mitteleuropa weit verbreitet – bis er im 17. Jahrhundert so stark gejagt wurde, dass er verschwand. Er ist damit eine von vielen Tierarten, die durch den Einfluss des Menschen fast ausgerottet wurden. Doch jetzt gibt es wieder Hoffnung: In Zoos ausgebrütete Waldrappe sollen ausgewildert werden.

Flugbegleitung für Waldrappe

Die Herausforderung: Waldrappe sind Zugvögel und lernen normalerweise von ihren Eltern, wie sie in ihr Wintergebiet kommen. Diese Aufgabe müssen nun menschliche Ziehmütter übernehmen. In Ultraleichtflugzeugen wollen sie die jungen Waldrappe über die Alpen nach Italien führen. Wird bei der knapp zweiwöchigen Migration alles gut gehen?

Für Ziehmutter Anne-Gabriela Schmalstieg ist ihr Einsatz selbstverständlich. "Wir Menschen sind schuld daran, dass der Waldrapp fast ausgestorben wäre, darum liegt es in unserer Verantwortung, ihn zu retten", erklärt die 30-Jährige. Doch wie groß kann der Nutzen einer Schutzmaßnahme sein, die sich auf eine einzelne Art konzentriert, wenn weltweit über eine Million Arten gefährdet sind?

Katrin Böhning-Gaese ist Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Einfluss der Artenvielfalt auf Ökosysteme. "Die Bedeutung der Biodiversität für uns Menschen wurde viel zu lange unterschätzt", stellt die Forscherin fest, "dabei ist sie nichts Geringeres als unsere Lebensgrundlage." Angesichts der dramatischen Lage braucht es laut Katrin Böhning-Gaese so viele Maßnahmen wie möglich – solange die Nachhaltigkeit der Projekte gegeben ist.

Ein Taxi für Aale

Für den Europäischen Aal gibt es bislang nur eine Übergangslösung: Das sogenannte Aal-Taxi sorgt dafür, dass diese Fische in Saar und Mosel nicht aussterben. Weil der Wanderweg der Aale durch Wasserkraftwerke versperrt ist, werden die Tiere eingefangen und per Lkw zum Rhein transportiert. "Wir hoffen, dass man in Zukunft die Kraftwerke so baut, dass die Aale wieder selbstständig wandern können. Aber im Moment ist das Aal-Taxi die einzige Möglichkeit, um diese Art, die seit 90 Millionen Jahren auf der Erde lebt, vor dem Aussterben zu retten", sagt Biologe Sebastian Hoffmann, der für den Fischereiverband Saar seit vier Jahren Aale vor dem Tod durch Turbinen bewahrt.

Wie weit darf man bei der Rettung von Arten gehen? Mit dieser Frage sieht sich Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung regelmäßig konfrontiert. Zusammen mit seinem Team will er das Überleben des Nördlichen Breitmaulnashorns sichern. Da von dieser Art nur noch zwei Weibchen existieren, kann das nur mithilfe künstlicher Befruchtung und Stammzellenforschung gelingen. Werden die Wissenschaftler bei ihrem Vorhaben erfolgreich sein? Und was bedeutet es für den Naturschutz, wenn man in Zukunft Arten im Labor nachzüchten kann?

Dreharbeiten zur Doku

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