aspekte - Die Sachbuch-Bestenliste für März 2026
- 25.02.2026
Eine Jury aus 30 Kritikerinnen und Kritikern von ZDF, Deutschlandfunk Kultur und DIE ZEIT empfiehlt monatlich zehn herausragende Bücher.
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- 25.02.2026
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Eine Jury aus 30 Kritikerinnen und Kritikern von ZDF, Deutschlandfunk Kultur und DIE ZEIT empfiehlt monatlich zehn herausragende Bücher.
TOP TEN März 2026
1. (-) Norbert Sachser & Niklas Kästner, Tierwelt am Limit, Die erstaunlichen Anpassungsstrategien der Wild- und Haustiere und ihr Scheitern im Anthropozän, Rowohlt
Kakadus knacken Mülltonnen, Schweine befreien Artgenossen, Fische trotzen Umweltgiften: Tiere passen sich erstaunlich gut an eine verändernde Umwelt an. Die Verhaltensforscher Norbert Sachser und Niklas Kästner stellen ihre verblüffendsten Strategien vor – und benennen Grenzen der Flexibilität. Ein Plädoyer, unseren Umgang mit der Natur so zu verändern, dass Vielfalt erhalten bleibt. 65 Punkte
2. (-) Andrea Böhm, Fighting Like a Woman. Die Geschichte der Frauen, die zurückschlagen, Rowohlt
Was heißt es in Zeiten des feministischen Backlashs für Frauen, sich zu verteidigen? Ob Boxerinnen des frühen 18. Jahrhunderts, kurdische Kämpferinnen oder Ringerinnen in Mexiko – die Journalistin Andrea Böhm erzählt von kampfbereiten Frauen weltweit. Ein Plädoyer für einen physischen Feminismus. 58 Punkte
3. (-) Mariah Blake, Die Vergiftung der Welt. Der globale PFAS-Skandal und wie er vertuscht wird, oekom Verlag
Nach dem Krebstod mehrerer Freunde beginnt ein Versicherungsmakler 2014 zu recherchieren – und deckt einen globalen Skandal auf. Die Investigativjournalistin Mariah Blake erzählt, wie sogenannte PFAS-Chemikalien weltweit in die Leitungen geraten konnten – und wie Konzerne ihre Gefahren systematisch herunterspielten. 46 Punkte
4. (-) Thomas Arnold & Thomas Fuchs, Das unersättliche Selbst. Phänomenologie des Narzissmus, Suhrkamp
Narzissmus ist allgegenwärtig – als klinischer Befund wie als Gesellschaftsdiagnose. Von Therapie bis Social Media scheint die spätmoderne Seele nach Bestätigung zu hungern. Doch warum? Die Philosophen Thomas Arnold und Thomas Fuchs deuten ihn als Ausdruck existenzieller Leere – und als Schlüssel zum Verständnis politischer Verwerfungen der Gegenwart. 36 Punkte
5. (-) Hans Ulrich Gumbrecht, Sepp. Mein Leben auf Halbdistanz, Suhrkamp
Weder fürs Lesen noch fürs Schreiben habe er eine Leidenschaft, sagt er. Und trotzdem wurde er zu einem der prägendsten Geisteswissenschaftler unserer Zeit. Hans Ulrich Gumbrecht blickt auf ein Leben zwischen Würzburg, Paris und Stanford zurück, erzählt von Begegnungen mit Foucault, Neymar oder einem Puma in den Anden. Ein humorvoller Blick auf ein halbes Jahrhundert Geistesgeschichte. 35 Punkte
6. (9) Ece Temelkuran, Nation of Strangers. Unsere Heimat sind wir, Rowohlt
Während des Putsches 2016 verlässt Ece Temelkuran die Türkei, um einer Verhaftung zu entgehen. Von nun an gehört sie der "Nation der Fremden" an, all jener also, die ihre Heimat zurücklassen mussten. Die Schriftstellerin sucht andere von ihnen auf, um der Orientierungslosigkeit zu trotzen. Über die Suche nach Geborgenheit in einer ruhelosen Zeit. 34 Punkte
7. (2) Jana Hensel, Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet, Aufbau
Was ist bloß schiefgelaufen? Vor 35 Jahren erlebte Jana Hensel den demokratischen Aufbruch in Ostdeutschland mit. Heute sieht die Journalistin, wie sich die Region zunehmend von der Demokratie abwendet. Eine scharfsinnige und persönliche Rekonstruktion des langen Weges nach rechts, die mit gängigen Klischees bricht. 30 Punkte
7. (-) Christoph Ribbat, In den Tag. Eine kurze Geschichte des Aufwachens, Insel Verlag
Ob Fünf-Uhr-Gurus oder Influencer mit Morgenritualen – das Erwachen erscheint als Modethema. Dabei wird es seit jeher optimiert, meint Christoph Ribbat. Von Mark Aurel über das mittelalterliche Klosterleben bis zu den Beatles erzählt der Amerikanist die Kulturgeschichte der Morgenstunden. Sein Fazit: Früh aufstehen kann die Kreativität fördern – aber auch erschöpfen. 30 Punkte
9. (-) Christine Koschmieder, Ein Haus für mich, Kanon Verlag
Nach der Entlassung aus der Suchtklinik wagt die Schriftstellerin Christine Koschmieder den Umbau eines heruntergekommenen Hauses – und damit ihres Lebens. Zwischen Nüchternheit, Erinnerungen und Bauarbeiten fragt sie sich, wie man sich ein Zuhause schafft. Nach dem Erfolg von „Dry“ die Fortsetzung ihres Memoirs über die Selbstbehauptung nach der Sucht. 25 Punkte
9. (-) Dietmar Pieper, Trümmertänze: Deutschland 1946-1955, Piper Verlag
Wie konnte aus Trümmern die deutsche Erfolgsgeschichte erwachsen? Der Journalist Dietmar Pieper erzählt den Alltag der ersten zehn Nachkriegsjahre anhand verschiedener Biografien, von Wolfgang Borchert über Josef Neckermann bis zur ersten Miss Germany. Ein eindrucksvolles Panorama zwischen Entnazifizierung, deutscher Teilung und beginnendem Wirtschaftswunder. 25 Punkte
9. (4) Hartmut Rosa, Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums, Suhrkamp
Ob im Beruf oder im Alltag: Unser Leben wird von Richtlinien, Algorithmen und Apps bestimmt. Eine problematische Entwicklung, findet der Soziologe Hartmut Rosa: Wo menschliches Urteilen verschwindet, gehen auch Handlungsspielräume verloren – und mit ihnen der Bezug zur Welt. Ein Plädoyer, "Augenmaß und Fingerspitzengefühl" technokratischen Prinzipien entgegenzusetzen. 25 Punkte
9. (-) Peter Sloterdijk, Der Fürst und seine Erben. Über große Männer im Zeitalter der gewöhnlichen Leute, edition suhrkamp
Ob Achill oder Alexander: Starke Männer suchten stets historische Vorbilder. Doch woran orientieren sich die Autokraten der Gegenwart? Der Philosoph Peter Sloterdijk analysiert den neuen Typus des „Fürsten“ – von Trump über Xi bis Putin. Ein Essay über Macht, Charisma und die Frage, ob die Moderne die Personalisierung von Herrschaft je überwunden hat. 25 Punkte
9. (-) Eva Umlauf, Genau so fängt es an. Ein Appell, Hoffmann und Campe
Was ist vom „Nie wieder“ geblieben? Die Auschwitz-Überlebende Eva Umlauf ist entsetzt über den Aufstieg der AfD und die Zunahme antisemitischer Gewalt – während zeitgleich das Gedenken an den Holocaust schwindet. Ein Appell gegen das Vergessen, getragen von persönlicher Erinnerung, politischer Dringlichkeit und der Hoffnung, dass jüdisches Leben in Deutschland ohne Angst möglich bleibt. 25 Punkte
*Bei Punktgleichheit entscheidet die Anzahl der Nominierungen durch die Jurymitglieder. Mehr Nominierungen wiegen stärker als einzelne hohe Bewertungen.
Jedes Jury-Mitglied der Sachbuch-Bestenliste vergibt monatlich an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.
Die Jury der Sachbuch-Bestenliste: René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur), Peter Arens (ZDF), Maja Beckers (DIE ZEIT) Susanne Billig (Deutschlandfunk Kultur), Ralph Bollmann (F.A.S.), Stefan Brauburger (ZDF), Alexander Cammann (DIE ZEIT), Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Heike Faller (DIE ZEIT), Daniel Fiedler (ZDF), Anja Fix (3sat), Jenny Friedrich-Freksa (Kulturaustausch), Manuel J. Hartung (ZEIT-Stiftung), Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur), Kim Kindermann (Deutschlandfunk Kultur), Hannah Lühmann (DIE WELT), Tania Martini (FAZ), Susanne Mayer (DIE ZEIT), Peter Neumann (DIE ZEIT), Catherine Newmark (Deutschlandfunk Kultur), Jutta Person (freie Literaturkritikerin), Jens-Christian Rabe (Süddeutsche Zeitung), Christian Rabhansl (Deutschlandfunk Kultur), Anne Reidt (ZDF), Anna Riek (ZDF), Stephan Schlak (Zeitschrift für Ideengeschichte), Katharina Schmitz (freie Autorin), Hilal Sezgin (freie Autorin), Catrin Stövesand (Deutschlandfunk), Elisabeth von Thadden (DIE ZEIT)