TOP TEN Oktober 2026
1. (-) Julia Ebner, Von Fitness zu Faschismus. Gefahren extremer Männlichkeit, Suhrkamp
Ob Manosphere-Influencer oder Käfigkämpfe vor dem Weißen Haus: Weltweit sind destruktive Männlichkeitsbilder auf dem Vormarsch, zivilisatorische Errungenschaften werden infrage gestellt. Anhand ihrer investigativen Recherchen zeigt die Extremismusforscherin Julia Ebner, wie Fitness und Kampfsport zur Radikalisierung junger Männer beitragen – und zugleich zum Gegenmittel werden könnten. 85 Punkte
2. (6) Roger de Weck, Glanz und Elend der Konservativen, edition Suhrkamp
Von der europäischen Einigung bis zur sozialen Marktwirtschaft: Konservative waren oft dann erfolgreich, wenn sie Neues wagten. Heute geraten Mitte-rechts-Parteien unter Druck von rechts – und verstricken sich zunehmend in destruktive Kulturkämpfe. Der Journalist Roger de Weck plädiert für einen Konservatismus von Maß und Mitte. 52 Punkte
3. (-) Robert Habeck, Arctic Meltdown. Die Neuvermessung der Welt. KiWi
Wo das Eis schmilzt, beginnt ein neuer Kampf um Macht. Robert Habeck reist in die Arktis und zeigt, wie die USA, Russland und China um Rohstoffe und Handelswege ringen. Doch was bedeutet dieser Wettlauf für die Menschen vor Ort? Ein eindringlicher Blick auf eine faszinierende Region, in der sich die Zukunft der Weltordnung entscheiden könnte. 48 Punkte
4. (2) Justus Bender, Deutschland 2033. Ein Szenario, C.H. Beck
Deutschland 2033, hundert Jahre nach der NS-Machtergreifung: Die AfD gewinnt die Bundestagswahl, die Union lässt die Brandmauer fallen – und binnen eines Jahres wird der liberale Verfassungsstaat ausgehöhlt. Der FAZ-Journalist Justus Bender entwirft ein Szenario, in dem die Demokratie nicht durch Gewalt, sondern durch Verwaltung, Paragraphen und eine politisierte Justiz stirbt. Aufrüttelnd. 42 Punkte
5. (-) Paula Fürstenberg, Niewiedervereinigung. 100 Zwischenrufe zur deutschen Einheit, KiWi
Einst versprach die deutsche Einheit blühende Landschaften. Es folgten Arbeitslosigkeit, Abwanderung und rechte Gewalt, beklagt Paula Fürstenberg, selbst Nachwendekind. Entlang ihrer Biografie erkundet die Schriftstellerin die Leerstellen der gesamtdeutschen Erzählung – und plädiert für eine Vision der Vielfalt anstelle der Einheit. 30 Punkte
5. (-) Géraldine Schwarz, Wer wir waren, wer wir sind. Eine Geschichte Europas, Rowohlt Berlin
Wie sind wir Europäer zu dem geworden, was wir sind? In Zeiten der globalen Neuordnung stellt sich diese Frage drängender denn je. Die Journalistin Géraldine Schwarz erzählt die zweitausendjährige Geschichte des Kontinents, von der antiken Demokratie bis in die Gegenwart. Ein weitgespanntes Panorama, das uns daran erinnert: Europa ist keine abstrakte Idee, sondern gelebte Realität. 30 Punkte
5. (-) Franz Walter, Joachim Fest. Ein Leben im 20. Jahrhundert, dtv
Hitler-Biograf, FAZ-Herausgeber und streitbarer Konservativer: Wenige Intellektuelle waren so debattenprägend wie der 2006 verstorbene Joachim Fest. Nun wäre er hundert geworden. Auf Basis seines Nachlasses zeichnet der Historiker Franz Walter seinen Werdegang vom Nonkonformisten zum Gegner der 68er nach. Eine Biografie, die zugleich ein bundesrepublikanisches Porträt ist. 30 Punkte
8. (-) Sibylle Anderl, Bequeme neue Welt. Was wir gewinnen, wenn wir uns etwas zumuten, Piper
Wenn Maschinen und KI uns alle Arbeit abnehmen, verlieren wir wichtige Fähigkeiten, warnt die ZEIT-Journalistin Sibylle Anderl. Mit Rückgriff auf Psychologie, Philosophie und Naturwissenschaften zeigt sie, warum sich menschliche Anstrengung auch in Zukunft lohnt. Ein Plädoyer für Rückbesinnung auf das, was uns als Menschen ausmacht. 22 Punkte
9. (-) Svenja Flaßpöhler, Zusammenbleiben. Von der Freiheit fester Bindungen, Klett-Cotta
Warum bleiben, wenn man jederzeit gehen kann? Die Philosophin Svenja Flaßpöhler verteidigt die feste Zweierbeziehung gegen den Zeitgeist permanenter Optionen. Anhand von Kierkegaard und ihrer eigenen Ehe zeigt sie: Freiheit kann auch darin liegen, sich bewusst zu binden – und immer wieder füreinander zu entscheiden. 21 Punkte
10. (-) Philipp Ther, Der Schatz. Eine böhmische Familiengeschichte, Suhrkamp
Eine vergrabene Schatzkiste führt den Historiker Philipp Ther zurück in die böhmische Heimat seiner Familie. Statt Gold findet er Fotos und Dokumente – und stößt auf Verstrickungen in Nationalsozialismus, Vertreibung und Krieg. Eine persönliche Familiengeschichte, die zugleich vom Untergang einer mitteleuropäischen Welt erzählt. 20 Punkte
*Bei Punktgleichheit entscheidet die Anzahl der Nominierungen durch die Jurymitglieder. Mehr Nominierungen wiegen stärker als einzelne hohe Bewertungen.
Jedes Jury-Mitglied der Sachbuch-Bestenliste vergibt monatlich an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.
Die Jury der Sachbuch-Bestenliste: Peter Arens (ZDF), Maja Beckers (DIE ZEIT) Susanne Billig (Deutschlandfunk Kultur), Ralph Bollmann (F.A.S.), Stefan Brauburger (ZDF), Alexander Cammann (DIE ZEIT), Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Heike Faller (DIE ZEIT), Daniel Fiedler (ZDF), Anja Fix (3sat), Jenny Friedrich-Freksa (freie Journalistin), Manuel J. Hartung (ZEIT-Stiftung), Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur), Kim Kindermann (Deutschlandfunk Kultur), Hannah Lühmann (DIE WELT), Tania Martini (FAZ), Susanne Mayer (DIE ZEIT), Peter Neumann (DIE ZEIT), Catherine Newmark (Deutschlandfunk Kultur), Jutta Person (freie Literaturkritikerin), Jens-Christian Rabe (Süddeutsche Zeitung), Christian Rabhansl (Deutschlandfunk Kultur), Anne Reidt (ZDF), Anna Riek (ZDF), Stephan Schlak (Zeitschrift für Ideengeschichte), Nils Schniederjann, (Deutschlandfunk Kultur), Katharina Schmitz (freie Autorin), Hilal Sezgin (freie Autorin), Catrin Stövesand (Deutschlandfunk), Elisabeth von Thadden (DIE ZEIT)
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