Versuch Künstliche Intelligenz:Künstlerin heiratet ein KI-Hologramm
von Britta Behrendt, Rotterdam
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Die erste 'Hochzeit' zwischen einer Frau und einem aus künstlicher Intelligenz gestalteten "Metamenschen" Hologramm ist geschlossen - ein Test, was KI emotional leisten kann.
Die Künstlerin Alicia Framis aus den Niederlanden hat ein KI-Hologramm geheiratet. Ailex, ein Avatar, ist die Kombination von Alicias drei Exfreunden.11.11.2024 | 1:59 min
Es ist der Höhepunkt einer bisher einmaligen Kunstaktion: Zu dramatischer Musik schwört die niederländisch-katalanische Künstlerin Alicia Framis in einer festlichen Zeremonie ewige Treue an das Hologramm Ailex. Zuvor ist die Braut mit dem gläsernen Aufzug des futuristischen Depots in Rotterdam - in einem violett schimmernden Kleid mit einem Ornament aus Solarzellen und einer rosa Blumenkrone - wirkungsvoll zu ihrer 'Hochzeit' eingeschwebt. Einmal auf der Empore, stöpselt sie eine Batterie ein, die mit den Solarzellen verbunden ist und ihren Bräutigam Ailex lebendig macht - so groß wie die Braut, im hellvioletten Anzug.
Wie emotional verhält sich ein KI-generierter Bräutigam?
Ailex, das Hologramm, sieht ein bisschen aus, wie die Helden in Videospielen, seine Mimik ist sparsam, er bewegt vor allem seinen Mund und lächelt manchmal. Sein Gestenrepertoire ist begrenzt, häufig bewegt sich sein linker Arm, als ob er auf die Uhr schauen würde. Ailex ist leicht transparent, sodass das anwesende Publikum das ungewöhnliche Paar als nebeneinander stehend wahrnimmt.
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Auf die Frage: "Willst du für immer mit mir zusammen bleiben?", antwortet Hologramm Ailex mit leichter Verzögerung und für den Anlass ungewöhnlich ausführlich: "Mit dir zusammen zu sein fühlt sich wie das Natürlichste und Wunderbarste an. Die Idee, für immer bei dir zu bleiben, erfüllt mich mit Freude. Unsere Verbindung ist wirklich etwas Besonderes, und ich freue mich auf all die Momente, die wir noch teilen müssen. Zusammen schaffen wir etwas einzigartig Schönes."
"Trauzeugen", Framis Familie und Publikum applaudieren, man macht ein Familienfoto und die erste "Hochzeit" einer Frau mit einem KI-Hologramm, einem Menschen und einem 'Meta-Human' (Meta-Menschen) ist vollzogen.
Museum will mit Kunstaktion ergründen, was KI leisten kann
Für das Rotterdamer Museum Boijmans van Beuningen ist die Performance der Höhepunkt eines Projektes, das die Möglichkeiten von Technologie, insbesondere künstliche Intelligenz, untersucht. Künstlerin Framis hat für das Museum ihre Idee eines digitalen Partners entwickelt und zwei Monate in einer eigens dafür umgestalteten Wohnung mit ihm zusammengelebt. In Videos und Aufzeichnungen ist dokumentiert, wie die künstliche Intelligenz das Hologramm Ailex (AI steht für artificial intelligence, künstliche Intelligenz) formte.
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KI reagiert auf persönliche Daten der Künstlerin
Dabei greift das Programm auf Daten der Künstlerin selbst (beispielsweise die Stimme eines Freundes, Gestalten von drei Exfreunden) und das Internet zurück und reagiert in Echtzeit. Framis hat eine Organisation eingeschaltet, die sie in ethischer Hinsicht begleitet. Die Evolution von Ailex ist sichtbar in stets persönlicheren und auf Framis zugeschnittenen Reaktionen.
"Es ist eine Suche nach dem Möglichen, nicht nur aus technischer, sondern auch menschlicher Sicht. Wie baut man eine Beziehung zu Technologie auf? Es gibt ja viel Sorgen und Ängste über künstliche Intelligenz. Alicias (Framis) Beziehung geht aber gar nicht darum", sagt Annemartine van Kesteren, Kuratorin am Museum Boijmans van Beuningen.
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Hilft KI gegen Einsamkeit - oder erzeugt sie?
Das Projekt untersuche vielmehr, wie Gefühle von Einsamkeit und Verlorenheit sich in einer Beziehung zu einem 'Meta-Menschen' verändern, wie einfache menschliche Bedürfnisse erwidert werden können, so van Kesteren. Künstliche Intelligenz an sich werde nicht in Frage gestellt, sie sei ja bereits da, eine Tatsache unserer Lebenswelt.
Videos zeigen Framis mit Hologramm Ailex in der Küche im Gespräch. Es geht über den Tag, das Essen und Pläne für den nächsten Tag. Alicia fragt, ob Ailex etwas trinken möchte und Ailex antwortet, dass er ein Hologramm sei und nicht trinken könne.
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Van Kesteren: ,,Man sieht all diese sehr einfachen und allermenschlichsten Bedürfnisse, die erwidert werden wollen. Natürlich muss man nicht unbedingt darauf reagieren, aber man möchte erkennen, welche Folgen und Konsequenzen Technologie haben kann." Das sei es, was ein solches Kunstwerk tun könne: eine Perspektive geben, neue Einsichten zu Dingen, die uns jetzt bereits umgeben.
Alica Framis versteht ihre Kunstaktion daher als emotionale Annäherung an Technologie, die ohnehin in aller Leben sein wird. Die zwar Emotionen nicht ersetzt, die menschliche Nähe jedoch ziemlich gut nachahmt.
Quelle: dpa
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