Proteste im Iran: Wofür die kurdische Bevölkerung kämpft

    Proteste im Iran:Für was die kurdische Bevölkerung kämpft

    von Narin Sevin Dogan
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    Seit dem Tod der Kurdin Jina Mahsa Amini halten die Proteste in der Provinz Kurdistan im Iran an. Die Menschen im Nordwesten kämpfen für ihre Rechte und gegen das Mullah-Regime.

    Die Rufe nach einem Regimewechsel im Iran werden immer lauter. Anders als international wahrgenommen, richten sich die aktuellen Proteste aber nicht nur gegen die Missachtung von Frauenrechten unter der Regierung der Islamischen Republik.
    Auch ethnische Gruppen im Land kämpfen gegen das Regime. So auch die Kurdinnen und Kurden, die im Iran um die zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Und doch gehören etwa die Hälfte der politischen Gefangenen und Hingerichteten der kurdischen Bevölkerung an.
    Seit Jahrzehnten leiden sie unter Verfolgung und Diskriminierung im Iran. Tausende Menschen protestieren im Nordwesten des Landes, der Provinz Kurdistan, nun wieder gegen die systematische Unterdrückung der rund zehn Millionen Kurdinnen und Kurden im Land.

    Jina Aminis Tod löste Protest aus

    Am 16. September 2022 wurde Jina Amini von der iranischen Sittenpolizei in Teheran verhaftet, nachdem sie ihren Hidschab in der Öffentlichkeit nicht vorschriftsgemäß getragen hatte. Sie starb am gleichen Tag im Polizeigewahrsam.
    In ihrer kurdischen Heimatstadt Saqqez gab es die ersten Proteste am Tag danach bei ihrer Beerdigung. Die Proteste breiteten sich von dort schnell im ganzen Iran aus. Über 14.000 Menschen sind inzwischen verhaftet und mehr als 300 Menschen getötet worden, berichten Menschenrechtsorganisationen.
    Den verhafteten Regierungsgegnerinnen und -gegnern droht zum Teil die Todesstrafe. So wurde zuletzt der 27-jährige kurdische Rapper Saman Yasin nach wochenlanger Folter zum Tode verurteilt, nachdem er die Proteste unterstützt hatte, meldet die kurdische Menschenrechtsorganisation Hengaw mit Sitz in Oslo.

    Iran: Kurdische Namen sind verboten

    Das Bild von Jina Amini geht seit ihrem Tod um die Welt. Bekannt wurde sie unter ihrem iranischen Name Mahsa, weil kurdische Namen von den staatlichen Behörden im Iran nicht anerkannt werden. Jina ist kurdisch und der Name, den ihr ihre Eltern gegeben haben.
    Für die Wissenschaftlerin und kurdisch-US-amerikanische Menschenrechtsaktivistin Narin Briar ist es besonders wichtig, ihren kurdischen Namen zu sagen und darüber zu sprechen, dass Jina Amini Kurdin war:

    Es stimmt zwar, dass sie als Frau ins Visier genommen wurde, aber das gibt uns nur ein unvollständiges Bild davon, was es wirklich bedeutet, eine Frau und Kurdin im Iran zu sein.

    Narin Briar, Wissenschaftlerin und kurdisch-US-amerikanische Menschenrechtsaktivistin

    Briar ruft deshalb global zur Solidarität mit kurdischen Frauen auf.

    Motto der Proteste: "Jin, Jiyan, Azadi"

    Auf Plakaten der Protestbewegung sind die kurdischen Worte "Jin, Jiyan, Azadi" zu lesen, übersetzt "Frau, Leben, Freiheit", die zum Sinnbild der Proteste geworden sind.
    Der Ausruf hat Wurzeln im kurdischen Feminismus und ist stark mit den Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurdinnen und Kurden verwoben. Als sich der Protest im Iran ausbreitete, wurde der Ausruf auch ins Persische übersetzt.

    Teheran mit großer Militärpräsenz in Kurdistan

    Gegen die Proteste in den kurdische Städten geht das Militär besonders hart vor, weil die iranische Regierung Angst vor kurdischen Unabhängigkeitsbestrebungen hat. Die Demokratische Partei des Iranischen Kurdistans versichert dagegen, dass sie nicht für einen unabhängigen, kurdischen Staat, sondern für ein "freies und demokratisches", aber auch föderales Land Iran kämpfe.
    Die Menschenrechtsorganisation Hengaw berichtet indes über Verhaftungen und Tötungen in Kurdistan. Die Gebiete seien hochmilitarisiert und täglich werden schwer bewaffnete Kräfte der iranischen Revolutionsgarden in die Kerngebiete der Protestbewegung entsandt, berichtet Narin A. von Hengaw.

    Wir stehen in direktem Kontakt mit den Personen und erhalten alle Informationen von den Betroffenen oder ihren Angehörigen über Telefonate und die sozialen Netzwerke.

    Narîn A., Menschenrechtsorganisation Hengaw

    Die Situation der Kurdinnen und Kurden im Iran verschärft sich weiterhin.
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