Ein Tag in ... - Ein Tag in Nürnberg 1593 – Der Scharfrichter Frantz Schmidt
Frantz Schmidt ist Scharfrichter von Nürnberg und gehört zu den Topverdienern der Stadt. Gesellschaftlich aber sind er und seine Familie geächtet, denn sein Beruf gilt als unehrlich.
Gesellschaftliche Repressalien
Kampf aus der "Unehrlichkeit"
Expertenstatements zur Doku
... zu Strafprozessen in Nürnberg um 1593
"Städte wie Nürnberg legten sehr großen Wert auf ihr eigenes Recht, eigene Gerichte und eigene Zuständigkeiten, auch und gerade in Strafsachen, denn Strafprozesse waren immer auch ein Zeichen von Unabhängigkeit und Macht – Unabhängigkeit nach außen und Macht nach innen. Im Prinzip glich ein Rechtstag einem "Theater des Schreckens", weil jemand vom Leben zum Tod geschickt wurde, und alle gesehen haben, wie er erhängt, gerädert, enthauptet oder verbrannt wurde. Gleichzeitig hat der Rat von Nürnberg gezeigt: Ein Verbrecher, der sich gegen Gott und die Menschen und das Opfer vergeht, wird gerichtet. Er bekommt seine Strafe. Man muss sich die Bestrafung damals aber immer in Verbindung mit Gott, mit einem Glauben an das Leben nach dem Tod, mit Himmel und Hölle vorstellen. Ein reumütiger Sünder, der sein Todesurteil demütig entgegengenommen hat, konnte noch ins Paradies kommen."
... zur Folter in der frühen Neuzeit
"Es ist eine Fehlvorstellung, dass man folterte, um Unrecht zu tun. Vielmehr betrachtete man seinerzeit die Folter als justizförmiges Verfahren, um Recht zu finden. Es gab immer die Schreiber, die anwesenden Schöffen, und auch der Große Rat der Stadt musste informiert werden. Die Folter wurde in einem Protokoll festgehalten, um gegebenenfalls erklären zu können, dass der Verdächtige gestanden hatte. Es ging immerhin um ein späteres Urteil auf Leben und Tod. Aus diesem Folterprotokoll wurde dann ein förmliches Protokoll erstellt, was der Verdächtige dann noch mal bestätigen musste. Und das war die Grundlage des Urteils. Auf dieser Grundlage wurde das Urteil geschrieben, der Bevölkerung vorgelesen, dann wurde zur Tat geschritten."
... zur "Unehrlichkeit" des Henkers
"Die Ehre war die zentrale Kategorie des Zusammenlebens. Heute ist es das Geld oder der Status, früher war es die Ehre. Man konnte arm sein, aber ehrbar, und das war viel mehr wert als reich und unehrlich. Diese so alt klingenden Ehrbegriffe waren ganz zentral für die Menschen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation – über 1.000 Jahre lang. Als 'Unehrlicher', wie Frantz Schmidt es als Scharfrichter war, hatte er zunächst und oft keine Bürgerrechte und war sozial geächtet. Und der Status hat sich von einer Generation auf die nächste übertragen. Das heißt, sein Sohn hätte gar keinen Lehrberuf ergreifen oder gar studieren können."
Sendungsinformationen
Erstausstrahlung ZDF: 13. Oktober 2024
Buch Arne Peisker, Vivien Schwarzenberg
Szenenregie Sigrun Laste
Redaktion TV Claudia Moroni
Redaktion Online Michael Büsselberg
Fachberatung
Prof. Dr. Jutta Nowosadtko. Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Helmut-Schmidt-Universität, Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften
Zusätzliche Experten im Film
-Prof. Joel Harrington: Professor für Europäische Geschichte an der Vanderbilt University, USA. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Sozialgeschichte, vor allem zur Zeit der Reformation und der Frühen Neuzeit in Deutschland. 2014 publizierte er seine Forschung zum Nürnberger Henker Frantz Schmidt.
-Prof. Dr. Markus Hirte, LL.M.: Direktor des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg ob der Tauber. Prof. für Ältere und Neuere Strafrechtsgeschichte an der Rechtwissenschaftlichen Fakultät der Universität Jena
-Prof. Dr. Robert Jütte: Medizinhistoriker mit Forschungsschwerpunkten u.a. auf der Sozialgeschichte der Medizin, Wissenschaftsgeschichte, Alltags- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit und jüdische Geschichte. Er hat zahlreiche Aufsätze und Bücher über Medizingeschichte veröffentlicht
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