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Die ägyptische Königin Kleopatra war nicht nur eine Meisterin der Selbstinszenierung. Mit Intelligenz und Willensstärke verstand sie es, die mächtigsten Römer ihrer Zeit für sich zu gewinnen.
Die ägyptische Königin Kleopatra war nicht nur eine Meisterin der Selbstinszenierung. Mit Intelligenz und Willensstärke verstand sie es, die mächtigsten Römer ihrer Zeit für sich zu gewinnen.
Bei "ZDF goes Schule" steht für diese Folge Unterrichtsmaterial zum Download zur Verfügung.
Sie befehligte Heere und ließ Kriegsschiffe bauen. Sie witterte Verrat und schaltete Rivalen aus, sprach mindestens neun Sprachen, empfing Diplomaten und verhandelte mit Königen. Doch zur Legende wurde Ägyptens letzte Pharaonin, weil sie angeblich die größte Verführerin der Antike war.
Ihre Geschichte liefert Stoff für unzählige Romane und Filme, sie ist Heldin von Comics und Hauptfigur von Videospielen. Mythos Kleopatra – ihr Aussehen ist in der Vorstellung der Welt verschmolzen mit jenem der jungen Elizabeth Taylor, die im gleichnamigen Monumentalfilm von 1963 die ägyptische Königin einzigartig verkörperte. Eine betörende Schönheit von exotischer Undurchschaubarkeit. Tatsächlich war sie wohl gar nicht so außergewöhnlich anmutig. Ihre Attraktivität beruhte vielmehr auf ihrer Intelligenz und Willensstärke. Sie setzte sie ein, um die mächtigsten Römer ihrer Zeit für sich zu gewinnen.
48 v. Chr. begann ihre Liebesbeziehung mit Julius Caesar. Die Verbindung mit dem gefeierten Feldherrn, dem sie einen Sohn schenkte, bewahrte Ägypten vor der totalen Vereinnahmung durch das römische Reich. Im Juni 46 v. Chr. folgte Kleopatra mitsamt Kind ihrem Geliebten nach Rom – es muss damals gegenüber Alexandria wie ein Provinznest angemutet haben. Der Wechsel von ihrer prächtigen Heimatstadt an den Tiber kam dem Umzug in eine kulturelle Einöde gleich. Doch die kämpferische Königin verstand es, aus dem Mangel an gesellschaftlichem Esprit Vorteile zu schöpfen. Sie lud Roms Schickeria in ihr Haus ein, führte ihr vor Augen, wie opulent man in ihrer Welt zu leben verstand. Die Römerinnen bestaunten ihren Schick und schauten bei ihr Frisur und Mode ab. In wenigen Monaten avancierte Kleopatra zur Trendsetterin der römischen Gesellschaft. Beachtet war sie – aber sicher nicht beliebt und vor allem mit Neid und Missgunst bedacht.
Politik und Leidenschaft
Für eine römische „matrona“ musste Kleopatras Lebensstil eine pure Provokation darstellen. Sie führte ein selbstbestimmtes Leben, wie es für eine Römerin kaum denkbar schien. Sie nahm sich, was sie wollte, und das bedeutete – zumindest aus der Sicht ihrer Zeit – Macht und Sex. Dass sich hinter der lasziven Verführerin eine klar kalkulierende Politikerin verbarg, der es immerhin gelungen war, die Eigenständigkeit ihres Landes zu behaupten, erschloss sich nur wenigen Zeitgenossen. Im März 44 v. Chr. musste Kleopatra miterleben, wie Julius Caesar von seinen politischen Gegnern im Senat ermordet wurde. Wie die ägyptische Königin auf die Todesnachricht reagierte, ist nicht überliefert. Die Tragweite des Geschehenen ging weit über die persönliche Tragödie hinaus. Sie hatte keinen Schutzherrn mehr und ihr Sohn verlor seinen Vater, schwebte selbst in akuter Gefahr. Kleopatra musste mit ihm nach Alexandria zurückkehren. Ihr Traum von einer römisch-ägyptischen Dynastie war zerplatzt.
Im Ringen um die Nachfolge Caesars wurde Feldherr Marcus Antonius der Osten des Römischen Reiches zugesprochen. Hier traf er auf Kleopatra. Und wie Caesar erlag er ihrem Charme. Antonius war nicht nur ein erfahrener Militär und selbstbewusster Soldat, er wusste auch die angenehmen Seiten des Lebens zu schätzen. Die Liebesgeschichte der beiden, aus der drei Kinder hervorgingen, bietet seither Stoff für Dramen und Romane. Den Feldherrn und die Pharaonin verbanden aufrichtige Leidenschaft, aber auch politische Ziele. Rom und Ägypten waren Schwergewichte, wie diese im Verhältnis zueinander standen, war von weitreichender Bedeutung. Antonius baute mit Unterstützung des Reiches am Nil seine Machtstellung im Osten aus. Kleopatra kehrte zurück auf die Bühne der großen Politik.
Ende nach Jahrtausenden
Es drohte Krieg um die Macht im Römischen Imperium. Cäsars Adoptivsohn Octavian (später Kaiser Augustus) eröffnete den Schlagabtausch mit wenig schmeichelhafter Propaganda, nannte Kleopatra verächtlich die "Hure vom Nil", die nichts anderes im Sinn habe als römische Feldherren gegen ihre Heimat aufzuhetzen. Sie hingegen fürchtete den Würgegriff Roms nach dem eigenen Land, sah in der Macht am Tiber die Gefahr für ihr Königreich. In der Schlacht von Actium 31 v. Chr. sollte die Entscheidung fallen. Zwar gelang es Antonius und Kleopatra einen Großteil ihrer Streitkräfte und die Kriegskasse zu retten, doch ließen die Octavianer den offenen Ausgang des Seegefechts als ihren Sieg verkünden.
In den folgenden Monaten kehrten Truppen des Antonius ihrem Befehlshaber den Rücken und liefen größtenteils zu den Gegnern über. Die Propaganda gegen die „böse Pharaonin“ hatte Wirkung gezeigt. Antonius sah keinen Ausweg mehr, beging schließlich Selbstmord. Auch Kleopatra setzte ihrem Leben ein Ende. Wie dramatisch sich der Schlussakt wirklich abspielte, ist umstritten. Ihr symbolträchtiger Tod durch den Biss einer Kobra ist wohl Legende. Wahrscheinlich kam sie durch einen Gifttrunk ums Leben. Als die Pharaonin mit 39 Jahren starb, endete ein Leben voller Triumphe und Niederlagen, voller Leidenschaften und Brüche. Mit ihr ging ein Reich unter, das Jahrtausende Bestand gehabt hatte.
Bei "ZDF goes Schule" stehen für den Unterricht geeignete Formate, Beiträge mit Creative-Commons-Rechten (OER) sowie für ausgewählte Terra-X-Folgen, Unterrichtsmaterialien zum Download zur Verfügung.