Harald Lesch vor Wüstenlandschaft (Collage)
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Wege des Wissens - Von Babylon nach Kairo

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Von Babylon nach Kairo

Auf seiner Reise auf den Spuren der klügsten Denker und Forscher öffnet Harald Lesch Türen zu dem schillernden Kosmos der Wissenschaft – angefangen von den Babyloniern über die Griechen bis zu den arabischen Gelehrten.

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Von Babylon nach Kairo

Auf seiner Reise auf den Spuren der klügsten Denker und Forscher öffnet Harald Lesch Türen zu dem schillernden Kosmos der Wissenschaft – angefangen von den Babyloniern über die Griechen bis zu den arabischen Gelehrten.

Die Geschichte der Wissenschaft beginnt vor etwa 5000 Jahren mit den Sumerern und ihren systematischen Beobachtungen des Nachthimmels: Auf Basis ihrer Erkenntnisse entwickeln die Babylonier einen Kalender, mit dem sie Sonnen- und Mondfinsternisse genau berechnen können. Das ist die Geburtsstunde der Astronomie, der ersten Wissenschaft der Menschheit. Über Jahrtausende werden Himmelszeichen vor allem religiös gedeutet. Aber im 6. Jahrhundert vor Christus setzt sich in Griechenland eine neue Denkschule durch. Ihre Anhänger wie Thales, Heraklit, Platon und Aristoteles wollen nicht nur glauben, sondern vor allem verstehen: Sie beobachten und versuchen, Zusammenhänge in der Natur nach dem Prinzip "Ursache und Wirkung" theoretisch zu erklären.

Technische Meisterwerke entstehen

Archimedes hingegen gehört zu den genialen Erfindern, die Wissenschaft in praktische Erfindungen umsetzen; zu seinen technischen Meisterwerken zählt die "Archimedische Schraube". In diese Blütezeit fällt auch der weltberühmte "Mechanismus von Antikythera", der seit Jahrzehnten erforscht wird. Harald Lesch besucht den britischen Mathematiker Tony Freeth, der mit seinem Team wesentlich zur Entschlüsselung des Mechanismus beigetragen hat. 

Als Weltwunder geht  der Leuchtturm von Alexandria in die Geschichte ein, doch viel bedeutender ist das sogenannte Museion, eine Hochschule für Supergelehrte aus Griechenland, Ägypten, Persien und vielen weiteren Ländern. In der riesigen Bibliothek steht fast das gesamte Wissen der damaligen Welt über Astronomie, Medizin, Mathematik, Physik und Philosophie bereit. Heute ersetzt ein moderner Bau den längst zerstörten "Tempel des Wissens". Die Bibliotheca Alexandrina versteht sich als Plattform für Dialog, Offenheit, Toleranz und Akzeptanz, wie Dr. Mawra El-Wakil, die Leiterin der Forschungsabteilung, erklärt.

Gelehrte verlassen den europäischen Kontinent

Mit dem Christentum ändert sich das Verhältnis zur Wissenschaft grundlegend. Unter Kaiser Justinian gilt: Wahres Wissen kommt nur von Gott, der Glaube zählt mehr als jede Vernunft. Er schließt die Akademien in Athen, lässt Lehrer vertreiben und Bücher vernichten. Zahlreiche Gelehrte verlassen den europäischen Kontinent. Vom persischen König in Gondishapur werden sie mit offenen Armen empfangen. An seiner Akademie unterhält er ein Krankenhaus, in dem Jungärzte nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch ausgebildet werden.

Im 9. Jahrhundert wird Bagdad zum Forschungs-Hotspot. Die Kalifen von Bagdad machen Wissenschaft zur Chefsache und fördern sie mit großzügigen Mitteln. Sie gründen das "Haus der Weisheit", das bedeutendste Forschungsinstitut seiner Zeit, das zahlreiche Erfindungen hervorbringt. Im Gegensatz zum Christentum sieht der Islam Wissenschaft damals nicht als Bedrohung, sondern als Weg zu Gott. Für einen islamischen Gelehrten ist das Studium von Aristoteles, Platon und Co. eine fromme Pflicht. Denn nur wer die Naturgesetze versteht, begreift auch die Werke Gottes. Von Bagdad aus verbreitet sich die arabische Wissenschaft im ganzen Orient.

Glaube und moderne Naturwissenschaft

Männer der Weisheit bringen ihre Ideen, Schriften und Erkenntnisse auch in die Stadt Fès im heutigen Marokko. Seit 859 gibt es dort eine Universität, die aus der al-Qarawīyīn-Moschee und einer Koranschule hervorgegangen ist. Sie gilt als die älteste Hochschule der Welt – und wurde von einer Frau gegründet. Am Ende seiner Reise trifft sich Harald Lesch in Kairo mit drei Studentinnen der al-Azhar-Universität. Basama, Rahma und Asmaa studieren dort Mathematik, Chemie und Physik und erzählen Harald Lesch, wie Glaube und moderne Naturwissenschaft zusammengehen.