WISO-Dokus - Null Verkehrstote in Helsinki – sind die Finnen ein Vorbild?
- Neues Video
- Gesellschaft
- Dokumentation
- erkenntnisreich
- 23.02.2026
- ZDF
Null Verkehrstote in Helsinki. Die finnische Hauptstadt hat ein striktes Verkehrssicherheitskonzept. Unter anderem Tempo 30 und hohe Bußgelder für Raser. Kann man das in unseren Städten umsetzen?
Mehr als sieben Menschen sterben jeden Tag auf deutschen Straßen. Die Opfer sind meist die Schwächsten: Fußgänger:innen, Radfahrende und Kinder. Doch dass Tote und Verletzte nicht der Preis für moderne Mobilität sein müssen, beweist Helsinki.
Die finnische Hauptstadt verzeichnete ein komplettes Jahr ohne einen einzigen Verkehrstoten. Sie gilt international als Vorbild für konsequente Verkehrssicherheit.
Verkehrssicherheit in Helsinki mit Tempo 30
Helsinkis Strategie bricht mit dem alten Dogma der autogerechten Stadt. Sie teilt den öffentlichen Raum fair unter allen Verkehrsteilnehmenden auf. Auf mehr als 60 Prozent der Straßen gilt Tempo 30. Schneller gefahren werden darf nur, wo die Autos baulich klar von Fuß- und Radverkehr getrennt sind.
Entscheidend ist auch die Überwachung. Sie soll Unfallschwerpunkte ausmachen, aber auch Verkehrsverstöße erkennen. Diese werden streng verfolgt. Wer rast, zahlt, und zwar schmerzhaft: Da sich Bußgelder am Einkommen orientieren, kostete eine Tempoüberschreitung von 30 km/h einen Unternehmer kürzlich 121.000 Euro. Ein deutlich spürbarer Anreiz, sich an Regeln zu halten.
Sichere Infrastruktur und Bürgerbeteiligung
Ein weiterer Schlüssel ist Kommunikation. Sicherheit entsteht nicht nur durch Verbote, sondern durch Überzeugung. Durch Bürgerbeteiligung, Social-Media-Kampagnen und Aufklärung gelang es den Behörden, Akzeptanz für die Veränderungen zu schaffen.
Gleichzeitig investierte die Stadt massiv in sichere Infrastruktur. Vier Meter breite Radspuren, übersichtliche Kreuzungen, geräumige Fußwege und ein zuverlässiger Nahverkehr führten dazu, dass heute rund 75 Prozent aller Wege in Helsinki ohne Auto zurückgelegt werden.
Größere Unfallrisiken in Deutschland?
Wie weit Deutschland von diesen Standards entfernt ist, zeigt das Beispiel Hürth bei Köln. Hier starben in den vergangenen Jahren mehrere Menschen an einer Schnellstraße. Die führt durch ein Wohngebiet und kreuzt Schulwege.
Anwohner:innen forderten mit einer Petition mehr Verkehrssicherheit und Tempo 30 für diese Straße. Mehr als 10 000 Unterschriften kamen zusammen. Nach langem Hin und Her beschloss die Stadt Tempo 50. Ein kleiner Fortschritt.
Verkehrswende in deutschen Städten?
Was hält uns davon ab, das finnische Modell zu kopieren? Laut einer ADAC-Umfrage lehnt rund die Hälfte der Deutschen ein generelles Tempo 30 in Innenstädten ab. Das Auto gilt vielen Menschen hierzulande als Symbol persönlicher Freiheit; die Automobilindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Demzufolge hängen an der Verkehrspolitik entscheidende Wählerstimmen.
Doch es kann sich auch bei uns etwas ändern. Jüngere Generationen verzichten häufiger auf ein eigenes Fahrzeug und fordern lebenswertere, sichere Stadträume. Erste deutsche Kommunen beginnen bereits, dem finnischen Vorbild zu folgen - mit Erfolg.