Vielfalt und Behinderung - Bilal Kir: Ich passe in keine Schublade
Aufgewachsen ist Bilal Kir rund um das Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg. Bis heute fühlt er sich dem Stadtteil verbunden. "Hier trifft sich die Community und ich habe noch viele Freunde und Verwandte", sagt er. Seinen persönlichen Erfahrungen hat er zum Beruf gemacht: Seit mehr als zwanzig Jahren berät er als Peer-Berater Menschen mit Behinderung und Migrationsgeschichte. "Ich komme aus der gleichen Kultur und weiß, welche Knöpfe ich wann drücken muss und welche nicht."
Auch über schwierige Themen spricht der 46-jährige Berliner offen. Lange beschäftigte ihn die Frage, wo er dazugehört. "Ich hatte mehrere Identitätskrisen", erzählt er. In Teilen der muslimischen Community erlebt er bis heute Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung. Manche Familien schämen sich aus Angst vor dem Urteil anderer. Bilal Kir hält dagegen. Für ihn sind Behinderung, Glaube, Herkunft und gesellschaftliche Teilhabe kein Widerspruch.
So kam er auch zu seinem Pflegesohn Ali. Bilal Kir sollte ursprünglich dessen Familie beraten und verhindern, dass der schwerbehinderte Junge in einer Einrichtung untergebracht wird. Der Junge kann weder sprechen noch alleine essen und benötigt rund um die Uhr Unterstützung. Als sich keine Lösung fand, traf Bilal Kir eine ungewöhnliche Entscheidung. "Dann habe ich zu den Eltern gesagt: Wir finden eh nichts, dann nehme ich ihn auf." Seitdem lebt Ali bei ihm, unterstützt von wechselnden Assistenzen. Und vielleicht wird aus Pflegevater und Pflegesohn bald auch ganz offiziell Vater und Sohn. "Mein Plan für die Zukunft: Ich möchte Ali adoptieren", sagt Bilal Kir.