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Beide Beine amputiert
  • 06.10.2026

Nach einem schweren Straßenbahnunfall verliert Alex beide Beine. Er kämpft sich durch Schmerz, Rückschläge und Depressionen hin zu neuer Lebensfreude.

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Nach einem schweren Straßenbahnunfall verliert Alex beide Beine. Er kämpft sich durch Schmerz, Rückschläge und Depressionen hin zu neuer Lebensfreude.

Junger Mann im Rollstuhl
Am 23. Februar 2024 verändert sich Alex' Leben von einer Sekunde auf die andere. Er  verliert beide Beine. Vor dem Unfall fühlt sich Alex (31) oft verloren, leidet unter einer damals noch undiagnostizierten ADHS.
Eine Therapie bringt ihn nicht weiter. Am 23. Februar 2024 kommt der Tag, an dem er nach eigener Aussage besser zu Hause geblieben wäre. Alex besucht mit Freunden ein Fußballspiel von Eintracht Frankfurt. Es geht ihm nicht gut, er verlässt das Stadion früher und wartet an der Straßenbahnhaltestelle am Hauptbahnhof auf seine Freunde. Als die Nachricht kommt, dass sie gleich da sind, trifft Alex eine folgenschwere Entscheidung. Sein Weg wird von einer Straßenbahn blockiert. Ein Blick auf die Anzeigetafel verrät ihm, dass die Tram erst in zwei Minuten weiterfahren soll. Um den Weg abzukürzen, will Alex über das Verbindungsstück zwischen zwei Waggons steigen. Genau in diesem Moment setzt sich die Bahn in Bewegung. Ab da hat Alex einen Blackout. Er gerät unter die Tram und verliert das Bewusstsein. Passanten leisten Erste Hilfe.
Erst 17 Stunden später erwacht Alex auf der Intensivstation im Krankenhaus auf. Er hat extreme Schmerzen. Doch als er an sich herab schaut, begreift er: Es sind Phantomschmerzen. Ein großer Teil seiner Beine fehlt. Knapp drei Wochen nach dem Unfall kommt Alex auf die Normalstation: Beim Abendessen spürt er ein Kribbeln in den Armen, bekommt Atemnot und verliert das Gefühl in den Gliedmaßen. Er erleidet einen "Grenzzoneninfarkt", das ist ein leichter Schlaganfall, der epileptische Anfälle auslöst. Zeitweise verliert er seine Sprache und motorische Kontrolle. „Dieser Moment war für mich eigentlich schlimmer als der Unfall. Da dachte ich mir: Ich habe keine Kraft, um zu kämpfen.“ Paradoxerweise hilft ihm dieser Vorfall später bei der Akzeptanz seiner Beinamputation – er begreift, wie viel schlimmer es hätte kommen können.
Durch den Rückhalt seiner Familie, insbesondere seiner Schwester Lisa, und den Zuspruch seiner Schmerztherapeutin beginnt Alex, Hoffnung zu schöpfen. Nach 9,5 Wochen verlässt er das Krankenhaus. Er zieht zunächst zu seinen Eltern. Die Reha und die ersten Versuche mit Prothesen verlaufen schleppend.
Mitte Januar 2026 stellt er sein Leben komplett um: Er lebt gesund und treibt viel Sport, entdeckt Para-Eishockey für sich und lernt dort eine Community kennen, in der er sich zugehörig fühlt. Durch eine auf Amputationen spezialisierte Physiotherapeutin in Hamburg macht er auch läuferisch enorme Fortschritte und kann erstmals frei mit seinen Prothesen stehen. Heute wohnt Alex allein in einer barrierefreien Wohnung.