TRU DOKU - Mein Kind mit Down-Syndrom
Isabel ist 25, als sie zum zweiten Mal schwanger wird. Es ist ein Wunschkind: Sie hat einen Partner, mit dem sie seit zwei Jahren zusammen ist, und ist bereits Mama eines dreijährigen Sohnes. In der 12. Schwangerschaftswoche entscheidet sich das Paar routinemäßig für einen NIPT (Nicht-Invasiver Pränataltest), der auf die Trisomien 13, 18 und 21 hinweisen kann. „Eigentlich wollten wir nur hören, dass alles okay ist“, sagt Isabel heute.
Das Ergebnis des NIPT zieht Isabel und ihrem damaligen Partner den Boden unter den Füßen weg: Ihr Kind wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Trisomie 21 haben. Isabel kann mit dieser Nachricht am Anfang überhaupt nicht umgehen: „Ich hatte so viele Ängste. Was, wenn sie nicht laufen kann? Was, wenn ich mich mein ganzes Leben lang um einen Pflegefall kümmern muss? Ich hatte so viele Sorgen und es ging mir wirklich schlecht.“
Die Fruchtwasseruntersuchung in der 16. Schwangerschaftswoche bringt endgültige Klarheit. Über einen Abbruch - für den sich 90 Prozent der werdenden Eltern bei einer Trisomie-21-Diagnose entscheiden - denkt Isabel zwar nach, weiß aber direkt, dass sie diesen Schritt niemals übers Herz bringen kann. „Ich habe schon ihre Tritte gespürt, ich habe sie vier Monate in mir getragen und sie geliebt.“
Isabel trifft Familien mit Kindern mit Down-Syndrom, besucht Treffen und tritt WhatsApp-Gruppen bei, um mit anderen Eltern in Kontakt zu kommen. Das nimmt ihr die Angst: „Ich habe schnell gemerkt: Ich liebe mein Kind und ich werde es genauso annehmen, wie es ist.“ So sicher wie Isabel sich in ihrer Entscheidung ist, so verständnislos reagieren viele Menschen in ihrem Umfeld. „Ich hatte Freunde, die haben geweint, als ich ihnen die Entscheidung für das Kind mitgeteilt habe. Das war für mich ziemlich krass.“
Noch während der Schwangerschaft trennen sich Isabel und der Vater des Kindes. Zu dieser Zeit wächst in Isabel nochmals der Respekt vor der Aufgabe, die ihr bevorsteht. Im August 2024 bringt Isabel ihr Baby zur Welt. Isabels Tochter muss fünfmal die Woche zu Therapien (Physio, Logopädie, Ergo), abgesehen von der Trisomie ist sie aber gesund und hat beispielsweise keinen angeborenen Herzfehler. Wenn Isabel ab August wieder arbeitet, wird die Kleine in eine integrative Kita gehen und dort ihre Therapien bekommen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass sich mein Alltag – abgesehen von den Therapieterminen – besonders von dem anderer junger Mamas unterscheidet.“