Links zeigt Lea ihren Bauch, auf dem durch die Throbose von außen die Venen sichtbar sind. Rechts daneben ist ein Bild von Lea, die in die Kamera blickt.
TRU DOKU
Neues Video
ZDF

TRU DOKU - Thrombose mit 19

TRU DOKU
Thrombose mit 19
Neues Video
ZDF
TRU DOKU
Thrombose mit 19
  • 30.06.2026

Kurz nach Einnahme der Pille erleidet Lea mehrere gefährliche Blutgerinnsel. Was sie bis dahin nicht wusste: Durch eine angeborene Venen-Anomalie hat sie ein erhöhtes Thromboserisiko.

Tru Doku
Thrombose mit 19

Kurz nach Einnahme der Pille erleidet Lea mehrere gefährliche Blutgerinnsel. Was sie bis dahin nicht wusste: Durch eine angeborene Venen-Anomalie hat sie ein erhöhtes Thromboserisiko.

Lea ist 16, als sie ihren ersten festen Freund hat und sich bei einer Frauenärztin über Verhütung informiert. Die Ärztin empfiehlt die Pille. „In meinem Freundeskreis war es voll normal, dass alle die Pille nehmen. Als sie mir dann auch vorgeschlagen wurde, habe ich mir gar keine Gedanken darüber gemacht und sie direkt eingeschmissen“, erinnert sich Lea. Über Nebenwirkungen oder Risiken macht sie sich keine Sorgen: “Ich meine klar, man weiß ja, dass jedes Medikament Nebenwirkungen hat, aber wie stark die sein können, war mir damals nicht bewusst”. Auch die Ärztin, so erinnert sich Lea, klärt sie nicht weiter darüber auf.
Lea nimmt das Präparat zunächst zweieinhalb Jahre beschwerdefrei. Nach einer kurzen Pause beginnt sie Anfang 2019 aufgrund einer neuen Beziehung wieder mit der Einnahme. Nur ein bis zwei Monate später bekommt Lea Beschwerden. Erst sind es unerklärliche Rückenschmerzen, dann wird ihr rechtes Bein immer steifer und schwerer. Anfangs denkt Lea noch, sie habe eine Prellung oder einen eingeklemmten Nerv. Als sich ihr Bein lila färbt, geht sie zum Arzt. Dort wird schnell klar: Es handelt sich um eine Thrombose im Oberschenkel. Lea bekommt direkt Blutverdünner und einen Kompressionsverband, darf aber nach Hause.
Doch noch am selben Abend verändern sich Leas Schmerzen. Sie wandern ins Becken, in den Bauch und schließlich Richtung Herz. Lea fährt ins Krankenhaus – zum Glück. Die Ärzt*innen teilen ihr mit, dass sie kurz vor einer Lungenembolie steht, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein kann. Es zeigt sich, dass die Blutgerinnsel nicht nur im Oberschenkel, sondern auch in Leas Becken und in ihrem Bauch sitzen. Im Krankenhaus wird Lea erneut mit Blutverdünnern und Kompression behandelt. Zusätzlich werden viele Untersuchungen durchgeführt. Dabei fällt den Ärzt*innen etwas außergewöhnliches auf: “Die meinten, dass sie einen Blutkreislauf, wie ich ihn habe, noch nie gesehen haben”. Es stellt sich heraus, dass Leas untere  Hohlvene nicht voll ausgebildet ist und ihr Blut daher durch andere, kleinere Venen transportiert wird. Durch diese Gefäßanomalie bestand bei Lea also bereits seit Geburt ein verlangsamter Blutfluss im Becken- und Beinbereich. Da die Anti-Baby-Pille ebenfalls die Blutgerinnung beeinflussen kann, hat sich das Thromboserisiko durch die Einnahme der Pille für Lea noch einmal deutlich erhöht und löste schließlich die Thrombosen aus. Hätte man diese Anomalie vorher bemerkt, hätte Lea die Pille niemals verschrieben bekommen dürfen.
Die Ärzt*innen im Krankenhaus empfehlen ihr daher eine sofortige und dauerhafte Absetzung der Pille. Die Folgezeit wird schwer. Lea fühlt sich mit Anfang 20 wie ein alter Mensch: Thrombosestrümpfe im Hochsommer, ständige Kreislaufprobleme und durch die starken Blutverdünner wochenlange, unkontrollierbare Dauerblutungen. Und auch optisch hat sich ihr Körper verändert: Da ihr Beckenbereich durch die Blutgerinnsel fast vollständig verstopft wurde, müssen nun andere, kleinere Venen ihr Blut transportieren. Dadurch haben sich ihre Venen an der Bauchdecke extrem verdickt: „Ich wurde schon oft gefragt, ob das Würmer oder Gedärme sind. Gerade als junge Frau ist das natürlich sehr unangenehm.“
Mit der Zeit lernt Lea mit ihrer Situation umzugehen. Trotzdem werden die Nachwirkungen der Thrombosen ihr Leben für immer beeinflussen. Sie muss dauerhaft Blutverdünner nehmen, was sich vor allem stark auf Leas Periode auswirkt. Außerdem  hat sich durch die Thrombose ihre Gebärmutter verformt. Versuche, schmerzfrei mit einer Spirale zu verhüten, scheitern dadurch dramatisch. Besonders belastend ist aber, dass Lea nicht weiß, ob sie jemals Kinder bekommen kann - oder möchte. Würde sie schwanger werden, wäre es auf jeden Fall eine Risikoschwangerschaft: “Diese Pilleneinnahme hat das Thema Kinderwunsch für mich eigentlich komplett kaputt gemacht.  Früher wollte ich immer heiraten und Kinder kriegen. Und jetzt, wo ich diese ganzen Probleme und Schmerzen habe, stelle ich es mir ehrlich gesagt schrecklich vor, ein Baby in mir zu haben. Und ich weiß auch gar nicht, wie das wäre, wenn sich meine Blutgefäße am Bauch noch weiter ausdehnen würden.”
Wie ihr Leben hätte aussehen können, sieht Lea an ihrer Zwillingsschwester. Diese nahm früher exakt dieselbe Pille, ist jedoch kerngesund, hat zwei Kinder und lebt in Portugal. „Ich freue mich so sehr für sie und es macht mich sehr glücklich, sie in ihrer Mutterrolle zu sehen. Aber natürlich frage ich mich dann auch manchmal, ob ich all das auch mal haben werde. Das ist schon echt sehr belastend.“
Heute lebt Lea in einer glücklichen Beziehung und hat einen Weg gefunden, mit ihrer Geschichte umzugehen. Ihre “Schlangen” am Bauch sieht sie inzwischen als Teil ihrer Identität. Es geht ihr nicht darum, die Pille oder allgemein hormonelle Verhütung zu verteufeln, aber sie wünscht sich mehr Aufklärung zu dem Thema: “Es geht mir um die Message, dass es viel zu normalisiert ist, dass wir Mädels die Pille einfach einnehmen, ohne dass einem vorher bewusst gemacht wird, welche Risiken oder Nebenwirkungen sie haben kann.”