Caithlen rechts im Bild, schaut ernst in die Kamera. Links im Bild Fotomontage: Caithlen als kleines Mädchen
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Kann ich Mama vergeben?
  • 14.07.2026

Nach jahrelanger Funkstille meldet sich Caithlens Mutter unerwartet bei ihr. Sie hat Krebs und wird schon bald ins Hospiz verlegt. Jetzt muss Caithlen sich entscheiden: Kann sie ihrer Mutter vergeben?

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Kann ich Mama vergeben?

Nach jahrelanger Funkstille meldet sich Caithlens Mutter unerwartet bei ihr. Sie hat Krebs und wird schon bald ins Hospiz verlegt. Jetzt muss Caithlen sich entscheiden: Kann sie ihrer Mutter vergeben?

Nach dem Tod von ihrem Vater wächst Caithlen bei ihrer großen Schwester auf. Mitte 2024 sucht ihre Mutter dann plötzlich wieder den Kontakt zu Caithlen und ihrer Schwester – denn sie liegt mit einer Krebsdiagnose im Krankenhaus. Bereits kurze Zeit später kommt sie ins Hospiz und Caithlen muss sich entscheiden: Will sie den Kontakt zu ihrer Mutter nochmal aufbauen und kann sie ihrer Mutter nach all den Jahren nochmal vergeben?
Von klein auf wächst Caithlen in unbeständigen Verhältnissen auf. Ihre große Schwester ist 12 Jahre älter als sie und ihre Mutter hat viele eigene Probleme, weshalb sie nicht in der Lage ist, sich um Caithlen zu kümmern. Schon in jungen Jahren verbringt Caithlen deshalb viel Zeit bei ihrer großen Schwester, die früh auszieht und bei ihrem Vater, den sie über alles liebt. Doch mit 15 ereilt sie dann ein erster Schicksalsschlag, als ihr Vater plötzlich verstirbt. 
Für Caithlen bricht eine Welt zusammen und sie fällt in ein tiefes Loch. Sie beginnt eine Therapie und zieht für einige Zeit zurück zu ihrer Mutter. Doch Caithlen merkt schnell, dass sie nicht bei ihrer Mutter wohnen bleiben kann. Zu sehr belasten sie vergangene Geschehnisse aus der Kindheit und die andauernden Probleme ihrer Mutter. Gemeinsam mit dem Jugendamt holt ihre große Schwester Caithlen zu sich, sodass Caithlen zusammen mit den Kindern ihrer großen Schwester und deren Mann wohnen kann. In dieser Zeit lernt sie dann auch ihren Freund kennen, der ihr viel Halt gibt und sie dort auffängt, wo sie sich verloren fühlt.
Mitte 2024 bekommt Caithlen dann mehrere Anrufe von einer unbekannten Nummer. Sie denkt sich zunächst nicht viel dabei und ignoriert die Anrufe, bis sie dann eine Nachricht bekommt. Es ist ihre Mutter, die sie um ein Treffen bittet. Was Caithlen noch nicht weiß: Ihre Mutter hat Krebs im Endstadium und zu dieser Zeit steht es bereits sehr schlecht um ihren Gesundheitszustand.
Caithlens Gefühle zu dem erneuten Kontakt sind gemischt, doch auch wenn sie noch nicht soweit ist, ihrer Mutter zu verzeihen, hat sie das Gefühl, dass es sich um eine letzte Chance handeln könnte. Sie spricht mit ihrer Schwester darüber und beschließt, ihren eigenen Stolz zurückzustecken und sich auf ein Treffen einzulassen. “Das war ganz komisch, sie war wie eine Fremde für mich.”
Sie nutzt diese letzte Chance mit ihrer Mutter nochmal viel über die Zeit früher zu sprechen. Heute glaubt sie, dass das ihnen beiden gut getan hat, dass es wichtig war für sie, um wirklich heilen zu können und bestimmte Dinge abzuschließen. Auch wenn es nicht einfach war und Caithlen sich und ihre Entscheidungen in der Zeit häufig hinterfragt.
Zunächst versuchen die Ärzte es bei ihrer Mutter noch mit einer Chemotherapie, dann wird Caithlens Mutter ins Hospiz verlegt. Dort verstirbt sie nach nur wenigen Wochen. “Ich war nicht dabei, zum Glück nicht.” Aber Caithlen erinnert sich an den Tag und an den Anruf früh morgens. Sie erinnert sich, wie viel Überwindung es sie kostet, nochmal ins Hospiz zu fahren und sich zu verabschieden.
Nach dem Tod stürzt sich Caithlen in die Arbeit und macht sich als Kosmetikerin selbstständig. “Ich hab’ viel erstmal verdrängt und immer nur gearbeitet. Erst später habe ich das mit meiner Therapeutin alles aufgearbeitet, was da passiert ist.” Anfangs fällt es ihr sehr schwer zu akzeptieren, dass sie jetzt keine Eltern mehr hat: “Man kennt ja niemanden, bei dem das so ist. Ich war damit ganz alleine.”
Auch ihr Freund, der sehr behütet aufgewachsen ist, kann nicht immer alles nachvollziehen, auch wenn er sehr bemüht ist. In der Zeit, als ihre Mutter im Krankenhaus liegt, bietet Caithlen ihm an, mitzukommen und ihre Mutter kennenzulernen. “Er hat sich dagegen entschieden. Er meinte, dass er nicht will, dass er sie für immer todkrank in Erinnerung hat.” Aber er telefoniert mit ihrer Mutter und Caithlen zeigt ihrer Mutter Fotos von ihm.
Heute ist Caithlen sich sicher, dass es ihrer Mutter sehr gut getan hat, dass sie sich auf diesen letzten Kontakt kurz vor dem Tod eingelassen hat. Die Frage, ob sie ihr verziehen hat, kann sie nur schwer beantworten: “Wenn eine Person stirbt, dann denkt man nur an die guten Sachen. In der Trauer vergisst man viele schlechte Dinge, aber ich kann nicht alles verzeihen und ich glaube, dass das richtig so ist.” 
Inzwischen arbeitet sie im Kosmetikstudio ihrer Schwester als Nageldesignerin und ist stolz darauf, dass sie ihren Weg so gut geschafft hat. Das Verhältnis zu ihrer Schwester und deren Familie ist weiterhin sehr eng, während Caithlen sich auch eine eigene Zukunft gemeinsam mit ihrem Freund aufbaut.