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TRU DOKU - Mein Partner ist todkrank
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Mein Partner ist todkrank
Mein Partner ist todkrank
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- Gesellschaft
- Reportage
- ergreifend
- 11.08.2026
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Nur Monate nach der Geburt des gemeinsamen Sohns erfährt Nicolas Partner Marcel, dass sein Krebs zurück ist. Diesmal gibt es keine Behandlung. Wie lange er noch lebt, kann niemand genau sagen.
Als Nicola Marcel kennenlernt, weiß sie nicht, dass für ihn gerade sein zweites Leben beginnt. Erst später erfährt sie, dass er eine Krebsdiagnose, samt erfolgreicher Chemotherapie hinter sich hat. Die beiden verlieben sich ineinander, heiraten, bekommen einen Sohn. Eines Tages dann der Schock: Marcels Krebs ist zurück und eine Behandlung ist diesmal unmöglich. Niemand kann sagen, wie lange Marcel noch leben wird.
Das erste Mal begegnen sich Nicola und Marcel im Club. Für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick: “Ihr Lächeln, das weiß ich noch ganz genau! Sie ist bis heute die fröhlichste Person, die ich kenne.” Nicola ist anfangs etwas skeptisch, doch Marcel bleibt hartnäckig. Beim ersten Date verstehen sich die beiden dann direkt so gut, dass sie ab diesem Tag unzertrennlich sind. Was Nicola zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Marcel hat gerade die bisher härtesten Jahre seines Lebens hinter sich. Knochenkrebs im Knie, 18 Zyklen Chemotherapie und eine durch die Pandemie extrem einsame Zeit im Krankenhaus. Vor kurzem erst hat er mit seiner Knieprothese sein neues, zweites Leben begonnen.
Immer mal wieder fällt Nicola die komische Stelle an seinem Schlüsselbein auf, doch sie will ihn zunächst nicht darauf ansprechen. Durch eine gemeinsame Freundin erfährt sie dann, dass Marcel Krebs hatte und die Stelle in der Haut sein Port von der Chemotherapie ist. Als sie Marcel darauf anspricht, erzählt er ihr von seiner Vergangenheit. “Es war kein Geheimnis, aber er wollte einfach einen Neuanfang und hat das Thema deshalb nicht direkt von selbst aufgebracht.”
Die beiden verlieben sich ineinander. “Ich bin eigentlich ein sehr realistischer, bedachter Mensch, aber darüber, dass das nochmal eine Rolle spielen würde, habe ich mir keine Gedanken gemacht, bis das Thema Kinder aufkam.” Anderthalb Jahre später, kurz bevor die beiden heiraten, lässt Marcel ein Spermiogramm machen, denn ob nach 18 Zyklen Chemotherapie noch funktionsfähige Spermien vorhanden sind, ist unklar. Von den Ärzten wird ihnen gesagt, dass eine natürliche Befruchtung schwierig wird, doch Nicola ist bereits 3 Wochen später schwanger.
Ihr Sohn ist gerade drei Monate alt und die beiden sind mitten in ihrem glücklichen Familienleben, als sie plötzlich ein Anruf aus ihrer heilen Welt katapultiert. Alle drei Monate ist Marcel beim Kontrolltermin, wo nach Krebszellen gescannt wird - gescannt wird dabei sein Thorax, weil die Krebsart, die er im Knie hatte, meist in die Lunge streut. Sie werden zu einem Gespräch in die Klinik gebeten, wo sie erfahren, dass Marcels Becken und seine Lendenwirbelsäule voller Tumore sind. Der Arzt macht direkt klar: Hier geht es nicht mehr um Heilung, sondern nur um hinauszögern. “Dass es so dicke kommt, darauf waren wir nicht vorbereitet. Bei mir hat sich dann direkt so ein Schalter umgelegt.”
Während Marcel noch im Arztzimmer in Tränen ausbricht, ist Nicola sofort im Überlebensmodus. Ihn belastet vor allem ein Gedanke: “Ich hab doch jetzt Kind, Frau und Haus, ich bin hier der Versorger - ich trage doch Verantwortung.” Nicola will direkt erstmal eine Zweitmeinung einholen. Diese kommt allerdings zum selben Ergebnis. Dazu kommt, dass niemand so genau sagen kann, wie lange Marcel noch hat.
Um den Prozess zu verlangsamen, bekommt Marcel Chemotherapie, die aber kaum anschlägt und mit der es ihm so schlecht geht, dass er sich dazu entscheidet, die Chemotherapie abzubrechen. Nicht, weil er nicht an die Wirkung glaubt, sondern, weil sie ihm das Leben nimmt, von dem er vermutlich sowieso zeitlich nicht mehr viel hat. Nicola beginnt währenddessen Schritt für Schritt das Leben der Familie umzukrempeln; kein Zucker mehr, gesunde Ernährung für alle. Auch über den Tod sprechen Marcel und sie regelmäßig. Nicola ist ganz wichtig, dass nichts tabuisiert wird. Dass sie irgendwann alleine sein könnte, macht ihr große Angst. “Es ist total schwierig für mich, mit dieser Ungewissheit klarzukommen. Manche leben damit ein Jahr, manche 40.”
Vor allem im Kontakt mit Freundinnen merkt Nicola, wie allein sie mit ihrer Situation ist: “Wer denkt Mitte 20 schon über den Tod nach?” Es macht sie traurig zu wissen, wie viel unbeschwerter ihre Freundinnen Entscheidungen treffen können. Ob sie noch Kinder wollen oder in welchen Urlaub sie fahren. Denn seit der Diagnose ist für Nicola und Marcel alles eine Kosten-Nutzen-Abwägung. Auch finanziell, denn Nicolas Gehalt als Erzieherin wird kaum reichen, um die Familie zu finanzieren, wenn Marcel nicht mehr arbeiten kann oder nicht mehr lebt.
Trotzdem versucht sie, das Beste draus zu machen. Denn mit Mitte Zwanzig haben beide noch viele Träume und Ziele und ihr ist wichtig, dass Marcel nicht nur auf die Familie guckt, sondern sich auch selbst weiter verwirklicht. Und so ganz aufgegeben haben die beiden Marcels Gesundheit noch nicht: “Wenn es auf der Welt irgendwo eine Lösung gibt, dann werde ich die finden.”
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