Thea Dorn lädt am Freitag, 13. März 2026 um 23:30 Uhr im ZDF zum nächsten "Literarischen Quartett" ein. Ihre Gäste sind die Schriftstellerin Eva Menasse, der Autor und Journalist Simon Strauß und der Literaturkritiker Adam Soboczynski. Zusammen mit Thea Dorn debattieren sie über vier neu erschienene Titel von den Autor*innen: Ece Temelkuran, Siri Hustvedt, Ben Shattuck und Lukas Rietzschel.
Die Bücher der Sendung:
Ece Temelkuran, "Nation of Strangers. Unsere Heimat sind wir", aus dem Englischen von Michaela Grabinger, Rowohlt Verlag
"Ich komme nicht wieder heim." Mit diesem Satz, in einem kurzen Telefonat an ihre Mutter gerichtet, beginnt für Ece Temelkuran ihr Exil. Nach dem Putsch 2016 muss die erfolgreiche türkische Journalistin und Schriftstellerin das Land verlassen, um einer Verhaftung zu entgehen. Sie fühlt sich jetzt als Teil der "Nation von Fremden", von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten. Ece Temelkuran sucht andere Geflüchtete und Heimatlose auf uns, beginnt ihre Geschichte zu erzählen und schreibt in Briefen ihre Reflexionen, Enttäuschungen und Hoffnungen nieder.
Ben Shattuck, "Eine Geschichte der Sehnsucht", aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren, Hanser Verlag
Nantucket im Jahre 1796. Die verwitwete Laurel bekommt auf ihrem abgelegenen Hof auf der Insel überraschend Besuch von ihrer Jugendliebe Will in Begleitung seiner jungen Braut. Sie sind auf dem Weg nach Barbados und bleiben nur für eine Nacht. Während alle schlafen, durchsucht Laurels Sohn Edwin die Tasche von Will und findet alte Liebesbriefe. Am Morgen darauf sind Will und seine Braut verschwunden. Hinterlassen hat Will eine Zeichnung, die ein Rotkehlchen zeigt, an dessen Bein ein himmelblaues Band gebunden ist. Rund zweihundertfünfzig Jahre später taucht das rätselhafte Bild wieder auf. Ein junger Maler ist fasziniert von dem Fund und versucht, sein Geheimnis zu ergründen.
Lukas Rietzschel, "Sanditz", dtv
In seinem neuen Roman entwirft Lukas Rietzschel das Panorama einer fiktiven Kleinstadt in Ostdeutschland - Sanditz. Im Zentrum steht die Familie Wenzel, deren Geschichte mit den Lebenswegen zahlreicher Stadtbewohner verknüpft wird. Das Personal reicht von ehemaligen NVA-Offizieren und Bürgerrechtlern über Orgelbauer bis hin zu Lokaljournalistinnen und einem Freiwilligen im Ukraine-Krieg. Rietzschel thematisiert das Wechselspiel von Aufbruch und Niedergang sowie das Gelingen und Scheitern von gesellschaftlichem Aufruhr.
Im Mai 2024 starb der amerikanische Autor Paul Auster an Krebs. Unmittelbar danach beginnt seine Frau, die Schriftsellerin Siri Hustvedt, ein Buch über ihr gemeinsames Leben zu schreiben, in dem sie ihre Trauer verarbeitetet. Sie reflektiert 43 Jahre gemeinsamer Geschichte. Mit ihrem Schreiben verbindet sie den unmöglichen Wunsch, Paul zu neuem Leben zu erwecken. Indem sie in ihr Leben eintaucht, in die Gemeinschaft des legendären schreibenden Paares aus Brooklyn, verbindet sie ihren Schmerz und den Trost der gelebten Augenblicke zu einer beispiellos gefühlvollen Einheit.
Die Gäste der Sendung:
Simon Strauß, geboren 1988 in Berlin, studierte Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge. Er schreibt für diverse Zeitungen (u. a. SZ) und auch als Gastdramaturg am Theater. Seit 2017 ist er Redakteur im Feuilleton der FAZ. Strauß ist Initiator des europäischen Zeitzeugenprojekts "European Archive of Voices". 2025 erschien sein erstes Sachbuch "In der Nähe - vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht".
Eva Menasse, geboren 1970 in Wien, arbeitete nach ihrem Germanistik- und Geschichtsstudium als Journalistin (u.a. FAZ) und debütierte im Jahr 2005 mit dem Familienroman "Vienna". Es folgten weitere Romane, Erzählungen und Essays, die vielfach ausgezeichnet wurden – u.a. mit dem Heinrich-Böll-Preis, dem Friedrich-Hölderlin-Preis und dem Ludwig-Börne-Preis. Ihr 2022 erschienener Roman "Dunkelblum" war ein Bestseller und wurde in neun Sprachen übersetzt. Zusammen mit Deniz Yücel war sie von Juni 2022 bis November 2024 Sprecherin des neu gegründeten PEN Berlin.
Adam Soboczynski ist ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Essayist. Geboren 1975 in Toruń, Polen, kam er im Alter von sechs Jahren nach Deutschland. Nach seinem Studium der Germanistik und Philosophie wurde er Redakteur der Wochenzeitung "Die Zeit". Er war dort mehrere Jahre Feuilletonchef und hat seit 2021 die Leitung des Ressorts Literatur inne. Adam Soboczynski ist auch als Autor von Essays und Büchern wie "Traumland: Der Westen, der Osten und ich" (2023) bekannt.
Gastgeberin: Publizistin und Schriftstellerin Thea Dorn
Podcast "Das Literarische Quartett"
Thea Dorn und Gäste diskutieren alle zwei Monate darüber, welche Romane lesenswert und relevant sind. Der literarische Salon im ZDF für die Ohren.