Die Bücher der Sendung:
Olivier Guez, "Die Welt in ihren Händen", Aus dem Französischen von Nicola Denis, Verlag Kiepenheuer & Witsch
Gertrude Bell war eine der ersten Frauen, die in Oxford Geschichte studiert hatten, lernte Persisch und Arabisch, wurde Archäologin, Orientkennerin und dann Agentin für das Britische Empire. Bell liebte den Orient. Als Bindeglied zwischen der britischen Besatzungsmacht, die Mesopotamien beherrschen will, gibt sie Berichte und wichtige Erkenntnisse an die Briten weiter. Gleichzeitig ist Bell die missverstandene Tochter einer reichen viktorianischen Familie. Sie kämpft gegen deren Erwartungen an und zerbricht fast an einer tragischen Liebe. Der französische Autor Olivier Guez verknüpft die echte Biografie von Gertrude Bell mit der Geschichte des Nahen Ostens unter der Besetzung von Großbritannien nach dem ersten Weltkrieg
Ben Lerner, "Transkription", Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl, Suhrkamp Verlag
Was tun, wenn kurz vor einem Interview das eigene Handy kaputt geht? Am nächsten Tag wird der Erzähler seinen alten Lehrer und Mentor interviewen. Dafür reist er in die Stadt, in der er studierte, und überlegt sich auf der Hinfahrt noch tiefsinnige Fragen für das Interview. Doch kurz vorher fällt ihm sein Handy ins Waschbecken. Damit trifft genau das ein, wovor der Ich-Erzähler sich noch Sorgen machte: Er kann das Interview mit Thomas, dem großen Urgestein der Kunstszene und Vater seines ehemals besten Freundes, nicht aufzeichnen. Trotzdem führt er das Gespräch. Es entwickelt sich eine Betrachtung über die großen Fragen, was es heißt, ein guter Freund, ein guter Vater oder überhaupt ein guter Mensch zu sein
Dana von Suffrin, "Toxibaby", Verlag Kiepenheuer & Witsch
In "Toxibaby" erzählt Dana von Suffrin über die moderne Liebe, die alles sein soll: Romantisch, heilend, erkenntnisreich und rettend. Zugleich aber wissen alle Beteiligten, dass diese Erwartungen dumm sind, unrealistisch. Die Protagonistin Herzchen, eine erfolgreiche Millennial-Schriftstellerin, ist mit Toxibaby zusammen, einem brillanten, schönen und wütenden Mann. Der anfängliche Liebesrausch wird bald zu einer Belastung für beide, nichts scheint in ihrer Beziehung zu funktionieren. Herzchen ist gefeierte Autorin – und unglücklich. Toxibaby kann weder mit Geld umgehen, noch kann er Lohnarbeit ertragen. Dafür zitiert er häufig berühmte Philosophen und Intellektuelle. In ihren dritten Roman schreibt Dana von Suffrin in rasantem Erzähltempo von der rauschhaften Liebe, der gegenwärtigen Kulturszene und dem deutschen Bildungsbürgertum
Madeline Cash, "Verlorene Schäfchen", Aus dem Englischen von Sophie Zeitz, Penguin Verlag
Familie Flynn ist eine Vorstadt-Vorzeige-Familie. Eigentlich. Schließich gehen Mutter und Vater mit ihren drei Töchtern sonntags in die Kirche. Doch trotz der augenscheinlichen Idylle hat es die Familie schwer. Alle zusammen und jeder für sich. Nach einer Ehekrise lebt Familienvater Bud in seinem Auto in der Garage. Unterstützung sucht er bei einer Selbsthilfegruppe, die noch am wenigsten nach Sekte klingt: "Die Verlorenen Schäfchen". Und auch die drei Töchter der Familie straucheln im Leben. Abigail datet einen schweigsamen Kriegsverbrecher, Louise steckt in einem Beziehungsstrudel mit ihrem Online-Lover voller fundamentalistischer Ansichten. Harper, die jüngste, versucht, eine ganz große Verschwörung aufzudecken. Mit ihrem Debütroman "Verlorene Schäfchen" zeichnet die US-amerikanische Autorin Madeline Cash das satirische Bild einer chaotischen Familie in den Turbulenzen unserer Zeit. Der Roman stand auf der Sunday Times Bestseller-Liste.
Die Gäste der Sendung:
Ijoma Mangold, geboren 1971, studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in München und Bologna. Nach Stationen bei der "Berliner Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" wechselte er 2009 zur Wochenzeitung "Die Zeit", deren Literaturchef er von 2013 bis 2018 war. Inzwischen ist er Kulturpolitischer Korrespondent der Zeitung. In "Das deutsche Krokodil – Meine Geschichte" (2017) erzählt er von seinem Werdegang und seiner deutschen und nigerianischen Familie. Träger des Berliner Preises für Literaturkritik.
Sandra Richter, geboren 1972, studierte Politikwissenschaft und Germanistik an der Universität Hamburg. Sie promovierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und lehrte unter anderem in Paris, Stuttgart und London. Seit 2019 ist sie die Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Aktuell hat Sandra Richter die Professur für Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Hamburg inne. Sie veröffentlichte 2025 die Biografie "Rainer Maria Rilke oder Das offene Leben", mit der sie auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse stand.
Wolfram Eilenberger, geboren 1972, ist ein deutscher Philosoph und Schriftsteller. Von 2011 bis 2017 war er Gründungschefredakteur des Philosophie Magazins. Er moderiert die Sternstunde Philosophie im SRF. Seine Bestseller "Zeit der Zauberer" und "Feuer der Freiheit" wurden international vielfach ausgezeichnet. Eilenberger lehrte in Deutschland und Nordamerika und ist im Leitungsteam des Philosophie-Festivals phil.cologne. Er ist Fellow des St. Gallen Collegiums der Universität St. Gallen.
Gastgeberin: Publizistin und Schriftstellerin Thea Dorn
"Das Literarische Quartett" wird im Rang-Foyer des Berliner Ensembles aufgezeichnet. Das nächste "Literarische Quartett" wird am 4. September 2026 ausgestrahlt.
Podcast "Das Literarische Quartett"
Thea Dorn und Gäste diskutieren alle zwei Monate darüber, welche Romane lesenswert und relevant sind. Der literarische Salon im ZDF für die Ohren.