Die Bücher der Sendung:
Alain Claude Sulzer, Szenenwechsel, Galiani Berlin
Der gefeierte Theaterregisseur und ehemalige Intendant Simon Muthesius ist tot. Zu seiner Trauerfeier reisen frühere Weggefährten, Kollegen, Freunde und Familienmitglieder nach Berlin. Unter ihnen ist auch sein Sohn Karl, der Zeit seines Lebens unter seinem Vater gelitten hat. Während die Gäste zusammenkommen, werden Erinnerungen an gemeinsame Erfolge, alte Verletzungen und lange zurückliegende Konflikte wach. Manche verdanken Muthesius ihre Karriere, andere haben mit ihm noch eine Rechnung offen. Aus den Perspektiven dieser unterschiedlichen Figuren entsteht nach und nach das Porträt eines Mannes, dessen Einfluss weit über die Bühne hinausreichte. In seinem vielstimmigen Roman erzählt Alain Claude Sulzer von der Welt des Theaters und von Menschen, deren Leben eng mit der Kunst verbunden ist.
Lutz Seiler, Das tickende Herz, Suhrkamp
Zu Beginn des neuen Jahrtausends kehrt Carl Bischoff aus der brandenburgischen Provinz nach Berlin zurück. Lange bleibt er jedoch nicht. Er folgt Aysha, der geheimnisvollen Tochter eines kasachischen Schamanen, die scheinbar mehr über ihn weiß als er selbst. Ihre gemeinsame Reise führt sie durch Europa bis in die Steppe Kasachstans. Zwischen Liebe, Schicksal und Verschwörung entwickelt sich eine Geschichte, die immer wieder die Grenze zwischen Wirklichkeit und Magie überschreitet. Ihren Höhepunkt findet sie an einem ehemaligen Atombombentestgelände, wo Ayshas Familie ein Opfer zur Rettung der Erde vorbereiten will. Mit "Das tickende Herz" setzt der Büchner-Preisträger Lutz Seiler die Geschichte seines Helden Carl Bischoff aus den Romanen "Kruso" und "Stern 111" fort
Caroline Blackwood, Das Schicksal von Mary Rose, Aus dem Englischen von Claudia Voit, Insel
In der englischen Grafschaft Kent verschwindet ein Mädchen und wird später tot aufgefunden wird. Die ängstliche Mutter Cressida Anderson steigert sich zunehmend in die Vorstellung hinein, ihre kränkliche Tochter Mary Rose vor einem ähnlichen Schicksal bewahren zu müssen. Aus Fürsorge wird Kontrolle, aus Sorge Besessenheit. Erzähler der Geschichte ist ihr Mann Rowan Anderson, ein Historiker, der sowohl seiner Tochter als auch seiner Frau mit großer emotionaler Distanz begegnet. Caroline Blackwood widmet sich in "Das Schicksal von Mary Rose" den dunklen Seiten des bürgerlichen Familienlebens. Mit scharfem Blick und psychologischer Präzision entwickelt sie ein beklemmendes Kammerspiel über Abhängigkeit, Macht und Angst. Der 1981 erstmals erschienene Roman gilt heute als Wiederentdeckung der anglo-irischen Autorin.
George Saunders, Nachtwache, Luchterhand
Jill "Doll" Blaine hat eine ungewöhnliche Aufgabe: Als himmlische Sterbebegleiterin steht sie Menschen in ihren letzten Augenblicken bei. Ein neuer Auftrag führt sie zu dem sterbenden Ölunternehmer K.J. Boone, der überzeugt ist, die Welt mit seinem Lebenswerk verbessert zu haben. Während sein Ende näher rückt, erscheinen immer mehr Besucher an seinem Sterbebett: Menschen aus seiner Vergangenheit ebenso wie Reisende aus Regionen der Welt, die von Naturkatastrophen geprägt sind. Nicht alle kommen, um Abschied zu nehmen. Der neue Roman des Booker-Preisträgers George Saunders handelt von Schuld und Verantwortung und stellt die Frage, wie lange ein Mensch die Stimme seines Gewissens überhören kann.
Die Gäste der Sendung:
Iris Radisch, geboren 1959 in West-Berlin, ist Literaturkritikerin, Redakteurin und Buchautorin. Von 1995 bis 2000 war sie Jurymitglied des Ingeborg-Bachmann-Preises. Sie moderierte verschiedenen TV-Literatur-Formate. Seit 1990 schreibt sie für die Wochenzeitung DIE ZEIT, deren Feuilleton sie von 2013-2021 gemeinsam mit Adam Soboczynski leitete.
Matthias Brandt, geboren 1961 in West-Berlin, ist Schauspieler, Hörbuchsprecher und Autor. Er studierte an der Hochschule für Musik und Theater Hannover und gehörte den Ensembles von vieler großer Bühne an. Auch als Film- und Fernsehschauspieler wurde er einem großen Publikum bekannt. Als Autor veröffentliche Brandt Erzählungen, einen Roman und im März 2026 den Text "Nein sagen. Über den 20. Juli 1944, meine Eltern und persönliche Verantwortung heute".
Simon Strauß, geboren 1988 in West-Berlin, studierte Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge. Er schreibt für diverse Zeitungen (u. a. SZ) und auch als Gastdramaturg am Theater. Seit 2017 ist er Redakteur im Feuilleton der FAZ. Strauß ist Initiator des europäischen Zeitzeugenprojekts "European Archive of Voices". 2025 erschien sein erstes Sachbuch "In der Nähe - vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht".
Gastgeberin: Publizistin und Schriftstellerin Thea Dorn
"Das Literarische Quartett" wird im Rang-Foyer des Berliner Ensembles aufgezeichnet. Das nächste "Literarische Quartett" wird am 27. November 2026 ausgestrahlt.
Ähnliche Inhalte entdecken Podcast "Das Literarische Quartett"
Thea Dorn und Gäste diskutieren alle zwei Monate darüber, welche Romane lesenswert und relevant sind. Der literarische Salon im ZDF für die Ohren.