Die Konflikte um uns herum sind komplexer geworden. Gleichzeitig stiegen die Ansprüche jedes einzelnen, dass Politik genau seine Probleme zu lösen habe. Dem extremen Grad an Individualismus in unserer Gesellschaft scheint die liberale Demokratie, welche sich auf Solidarität und Wirgefühl stützt, kaum noch gewachsen zu sein. Und obwohl die Menschen deutlich informierter und damit mündiger geworden sein könnten, misstrauen sie den demokratischen Institutionen mehr denn je. Sie begreifen die Aufgaben des Staates als eine Dienstleistung, die genau auf sie abgestimmt erfüllt werden soll.
Viele beklagen die Langsamkeit demokratischer Entscheidungen, ihre mangelnde Durchschlagskraft, die aufgeblähte Bürokratie und das nicht eingelöste Versprechen von Transparenz und gleichberechtigter Teilhabe. Wie aber kann das Vertrauen in die liberale Demokratie wieder gefestigt werden, bevor noch mehr rechte politische Kräfte die Stimmung erfolgreich für sich nutzen und die Systemfrage stellen? Muss es mehr direkte Teilhabe an wichtigen Entscheidungen geben? Mehr Bürgerräte? Längere Legislaturperioden?
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