- 5 Teile
- 2026
Die fünfteilige "Terra X"-Dokureihe erzählt die Geschichte der Welt neu: aus der Perspektive der Meere, die Leben, Kulturen und Zivilisationen in Vergangenheit und Gegenwart prägen.
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- Geschichte
- Dokumentation
- faszinierend
- 5 Teile
- 2026
- ZDF
Die fünfteilige "Terra X"-Dokureihe erzählt die Geschichte der Welt neu: aus der Perspektive der Meere, die Leben, Kulturen und Zivilisationen in Vergangenheit und Gegenwart prägen.
Miniserie
Extras
Trailer: Ozeane - Eine Menschheitsgeschichte
- 2026
Meere prägen Leben, Kulturen und Zivilisationen in Vergangenheit und Gegenwart. Terra X geht auf Entdeckungsreise in den Atlantik, das Mittelmeer, den Pazifik, den Indischen Ozean sowie Ozeanien.
Expertinnen und Experten aus den Filmen zur Bedeutung der Ozeane
Ozeane sind geheimnisvoll. Ich bin Geologe – eigentlich interessiere ich mich für Steine. Aber hier ist dieses ganze Wasser im Weg. Das heißt, alles ist ein bisschen versteckt. Schaut man auf den Ozean, sieht man Wellen. Aber unter diesen Wellen – die Tiere und die Landschaften unter Wasser, das ist alles irgendwie verborgen. Und das ist spannend. Man kann immer Neues entdecken. Wenn wir auf See sind, ist das eine Entdeckungsreise. Wir sehen Berge und Spalten im Meeresboden, die hunderte Millionen von Jahren schon da sind, aber kein Mensch je zuvor gesehen hat.
Das Spannende an den Ozeanen: Sie spielen eine ganz große Rolle in unserem Leben, aber sie sind ein bisschen unsichtbar, weil sie das aus der Ferne und im Verborgenen tun. Unser Wetter wird von den Ozeanen bestimmt – der gesamte Wärmetransport auf diesem Planeten. Die Tatsache, dass wir in Europa ein relativ warmes Klima haben, obwohl wir bei 50 Grad nördlicher Breite oder mehr leben – da müsste es eigentlich kalt sein. Der warme Golfstrom hält uns warm. Wenn es regnet, ist das Wasser, das auf uns niederfällt, über den Ozeanen vorher verdunstet. Die Ozeane sind integrale Teile unseres Lebens – aber wir nehmen sie nicht so wahr, weil das alles im Hintergrund abläuft. Aber ohne das Wasser der Ozeane gäbe es uns nicht.
Ozeane und Wasser: Ohne das gibt es kein Leben. Die Ozeane regulieren so vieles in unserer Umgebung. Sie produzieren die Hälfte des Sauerstoffs, den wir einatmen. Nahrung für viele Menschen kommt aus dem Meer. Das gesamte Klimasystem wird dadurch beeinflusst – deshalb gibt es an meinem Meeresforschungsinstitut eine gigantische Abteilung für Klimadynamik. Und Biodiversität – das sind letztendlich die zwei zentralen Themen. Viele Tierarten auf diesem Planeten leben im Meer. Das Leben begann in den Ozeanen. Soweit wir wissen, waren sie schon kurz nach der Entstehung der Erde da – wir hatten immer Wasser an der Oberfläche unseres Planeten.
Die Ozeane waren für die Europäer lange die Straßen, die Macht, Reichtum, aber auch Freiheit versprachen. Wenn wir die Geschichte Europas aus der Perspektive der Ozeane erzählen, müssen wir auch eine Geschichte der Machtausübung, der Ausbeutung, aber auch der Flucht, Freiheit und Solidarität erzählen. Diese Geschichte hat den Reichtum Europas und viele bis heute existierende globale Ungleichheiten bedingt, aber auch – beispielsweise in der Karibik – kulturelle Heterogenität und kreativen Synkretismus hervorgebracht, aus dem wir in Europa bis heute wichtige Lehren ziehen können.
Ich würde hier die ozeanische Fischerei hervorheben die, wie die Wirtschaftswissenschaftlerin und Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom schrieb, von Kleinfischern (oft Fischerinnen) oft als "Gemeingut" ("commons") betrieben wurde und wird. Bei diesen Kleinfischereien geht es oft nicht um Eigentum oder Einhegung, sondern um geteiltes Gut, welches vorsichtig und im Hinblick auf zukünftige Generationen kollektiv gehegt und gepflegt wird. Der Ozean wirft also Fragen des Eigentums, des Gemeinguts, und der "commons" mit besonderer Schärfe auf. Das sind ozeanischen Lehren, die heute wichtiger sind als je zuvor.
Es handelt sich nicht um einen "menschlichen Drang" schlechthin, sondern ganz klar um einen Drang, der mit der europäischen Expansionsgeschichte und mit dem Kolonialismus zusammenhängt. Nehmen wir z.B. das System der Längengrade und der Standardzeit: Im Zuge des Kolonialismus hat Großbritannien ein Netzwerk von Marineaußenposten kreiert. So legten sie beispielsweise den Greenwich-Meridian fest, um die Seefahrt und den imperialen Handel zu optimieren. Diese durch wissenschaftliche und technische Errungenschaften herangetriebene "Besitzergreifung" der Meere bleibt bis heute einschneidend für unsere ozeanisches Weltsystem.
Ich würde den Ozean schlechthin hervorheben. Denn die Trennungen unseres blauen Planeten in Ozeane und Meere sind menschengemacht; das Wasser ist ein zusammenhängendes Ganzes.
Der Ozean erschüttert die Vorstellung, dass Kulturen "rein" sind und einen einzigen, festen Ursprung haben. Wasser war gewiss ein Hindernis, aber es war auch ein Verbinder, ein Weg. Jahrtausende lang trugen Meeresströmungen Menschen, aber auch Tiere, Samen, Gewürze, Geschichten, Sprachen, Ideen und religiöse Überzeugungssysteme über weite Entfernungen hinweg. Der Pazifik, der Indische Ozean und der Atlantik waren eine Welt der Bewegung – der Ankünfte und Abreisen, der Begegnungen und Verwandlungen. Daher haben sich Kulturen entlang der meisten Küstenzonen nie in Isolation entwickelt. Sie entstanden durch ständigen Kontakt und Austausch, manchmal auch durch Gewalt und Unterdrückung. Was uns der Ozean lehrt, ist, dass Zugehörigkeit nicht nur von unseren Wurzeln abhängt, sondern auch von unseren Routen – den vielen Reisen und Übergängen, die geformt haben, wer wir geworden sind.
Inseln wurden oft als isolierte Welten imaginiert – als Orte der Zuflucht, des Exils oder der Einsamkeit. Die westliche Literatur hat uns viele Inselgeschichten beschert: den Schiffbrüchigen, den verlassenen Strand, das Paradies. Aber das ist nur eine Art, Inseln zu sehen. Auch wenn manche Inseln einzigartige endemische Ökosysteme besitzen, waren menschliche Inselwelten selten wirklich isoliert. Im Indischen Ozean zum Beispiel waren Inseln seit jeher Knotenpunkte – und ihre scheinbare Abgeschiedenheit hat sie nicht abgekoppelt. Vielmehr machte sie manche Inseln zu wichtigen Knoten in weitreichenden Netzwerken des Austauschs und der Bewegung über Jahrtausende hinweg. Gleichzeitig standen Inseln auch im Zentrum der Kolonialgeschichte. Über mindestens sechs Jahrhunderte wurden viele zu strategischen Orten kolonialer Macht – Orte, an denen Sklavenplantagen, Minen, Gefängnisse, Militärstützpunkte und Atombombentestgebiete errichtet wurden. Inseln tragen daher ein tiefes Paradox in sich. Sie sind sowohl durch Verbindung als auch durch Eingrenzung geprägt. Sie erinnern uns daran, dass kein Ort allein existiert – und dass keine Insel wirklich nur sich selbst gehört.
Ein Kind auf einer Insel lernt, dass der Rand auch ein Durchgang ist. Das Meer ist immer beides – Vertrautheit und Horizont – und niemals bloße Kulisse. Mein eigenes Verhältnis zum Ozean als Kind, aufgewachsen zwischen dem Arabischen Golf und den Küsten des Indischen Ozeans in Sri Lanka, bedeutete, ob wir es wollten oder nicht, dass unser Leben dem Meer zugewandt war – geprägt durch die Rhythmen der Monsunwinde und -strömungen. Und natürlich haben Jahrhunderte der Bewegung ihre Spuren hinterlassen – die Welt schien immer anzukommen und wieder aufzubrechen. Ich denke an Händler, Migranten, Pilger, Söldner und heute an Massen von Touristen. Aber das Meer ist auch eine eindringliche Erinnerung an Verletzlichkeit – wenn ich an den Tsunami am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 denke, oder an die Jahrzehnte des Bürgerkriegs, als Sri Lankas Küstengewässer zu hart umkämpften Räumen wurden. Und trotz seiner außerordentlichen endemischen Artenvielfalt und seiner tiefen ozeanischen Geschichte hat sich Sri Lanka oft als abseits stehend imaginiert – manchmal vergessend, dass eine Insel zu sein immer bedeutet, verbunden zu sein.
Was das Inselleben vielleicht kultiviert, ist ein tieferes Bewusstsein für gegenseitige Abhängigkeit. Wenn man von Wasser umgeben lebt, wird man daran erinnert, dass kein Ort vollständig für sich allein existiert – und dass Überleben von Beziehungen zu Welten jenseits der eigenen Küste abhängt. Die Pandemie hat diese Wahrheit auf tiefgreifende Weise offenbart. Selbst die scheinbar entlegensten oder abgeschiedensten Orte waren immer noch durch vielfältige Formen von Bewegung miteinander verbunden, die nie wirklich aufhören können. Manche Inseln haben sich abgeschottet und ihre Grenzen geschlossen – aber selbst dieser Akt der Trennung zeigte, wie tief sie mit der weiteren Welt verbunden waren: durch Lebensmittel, Medikamente, Lieferketten, Handel.
Es fällt mir schwer, eine einzige Lieblingsmeereslandschaft zu nennen, denn jede Ozeanwelt trägt andere Geschichten für mich in sich. Die Javasee, in der ich viele Jahre gearbeitet habe, hat mir gelehrt, wie heilig diese Räume sind – während sie gleichzeitig tiefgreifend durch Ausbeutung verändert werden. Die Lakkadivensee zwischen Sri Lanka und den Malediven trägt eine andere Art von Erinnerung – diese außerordentliche Schönheit der Atolle, die ich beim Einflug von oben erblicke, mit ihren schimmernden Mustern aus Türkis und Jadegrün. Und dann die Straße von Singapur, wo ich einen Großteil meiner Zwanziger verbracht habe – eine maritime Schnellstraße mit Tausenden von Containerschiffen und Seeleuten, die uns daran erinnern, dass Ozeane keine leeren Räume zwischen Landmassen sind. Der vernetzte Ozean ist auch eine lebendige Welt vieler Spezies, die das alltägliche Leben trägt und unsere Vorstellungskraft und Zukunft auf Weisen prägt, die wir gerade erst zu verstehen beginnen.