Triathlon verschoben: Warum ist die Seine so dreckig?
Trotz 1,4 Milliarden Investition:Warum ist die Seine so dreckig?
von Oliver Klein und Elisa Miebach
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Bangen um den Triathlon-Wettkampf bei Olympia in Paris: Die Seine ist weiterhin zu dreckig, obwohl 1,4 Milliarden Euro in das Abwassersystem investiert wurden. Wie kann das sein?
Bei den Olympischen Spielen wird der Triathlon der Männer aufgrund der schlechten Wasserqualität in der Seine verschoben.30.07.2024 | 0:21 min
Nun ist eingetroffen, was Fans und Organisatoren der Olympischen Spielen in Paris befürchtet hatten: Der Triathlon der Männer, musste verschoben werden, weil das Wasser in der Seine zu schmutzig ist. Die mikrobiologischen Tests zeigten zu hohe bakterielle Werte, schon die Trainings waren nicht möglich. Alle Hoffnung ruht nun auf morgen: Wenn die Wasserqualität dann besser ist, soll der Triathlon nachgeholt werden.
Trotz riesiger Investitionen in die Abwasser-Infrastruktur: Die Seine, die sich romantisch als Lebensader durch Frankreichs Hauptstadt schlängelt, ist noch immer zu dreckig. Wie kann das sein?
Abwasser wird in Seine gespült
Der Grund für das verschmutzte Wasser: die starken Regenfälle der vergangenen Tage. Schon bei der Eröffnungsfeier regnete es stundenlang am Stück. Teile des Abwassersystems sind für Starkregen offenbar immer noch unterdimensioniert. Regenwasser und Abwasser fließen in Paris in der Regel in dieselbe Kanalisation. Fällt zu viel Regen, kann das teils veraltete System die riesigen Abwassermengen nicht mehr aufnehmen, es läuft über - und die braune Brühe gelangt in den Fluss.
Dabei hatte Frankreich im Großraum Paris insgesamt 1,4 Milliarden Euro in seine Abwasser-Infrastruktur investiert. Allein rund 100 Millionen Euro kostete das erst im vergangenen Mai eingeweihte gigantische Wasserspeicherbecken Austerlitz, im Zentrum von Paris. Es gleicht einer unterirdischen Kathedrale mit einem Fassungsvermögen von 50.000 Kubikmetern - das entspricht mehr als 20 olympischen Schwimmbecken. Bei starkem Regen soll es überschüssiges Wasser auffangen und behandeln. Doch auch dieses Becken ist irgendwann voll.
Grundsätzlich können viele Faktoren die Wasserqualität maßgeblich beeinflussen:
Hitzeperioden können das Abwasser-Problem verstärken: Führt der Fluss nach längerer Trockenheit weniger Wasser als sonst, kann die Wasserqualität nach Regenfällen noch mal besonders schlecht werden. Denn wenn dann die Abwassersysteme überlaufen, ist der Anteil des Abwassers im Fluss noch mal höher als bei einem Normalpegel.
Auch der Wasserdurchfluss kann eine entscheidende Rolle spielen, insbesondere bei niedrigen Flusspegeln: Im Sommer liegen die Durchflussmengen in Paris nach Angaben der offiziellen Webseite der Stadt normalerweise zwischen 50 und 150 Kubikmeter pro Sekunde, während es außerhalb der Sommerperiode Höchstmengen bis zu 600 Kubikmeter pro Sekunde sind. Bei höheren Durchflüssen werden Verunreinigungen schneller weggespült.
Sonnenlicht wirkt durch seine UV-Strahlung keimtötend auf das Oberflächenwasser. Tage mit viel Sonnenschein können die bakterielle Belastung also reduzieren.
Auch die Seine-Strömung bereitet Sorgen
Nicht nur die Wasserqualität, auch die Strömung der Seine ist für die Olympischen Spiele in Paris eine Herausforderung. Die ist nämlich - ebenfalls wegen der Regenfälle - deutlich höher als erhofft. Bundestrainer Möller spricht von "Fließgeschwindigkeiten im Hauptstrom von einem Meter pro Sekunde." Freizeitschwimmer kämen dagegen nicht an. Aber auch die Topsportler müssen kämpfen.
Auch in Großbritannien wird Abwasser samt Fäkalien in offene Gewässer geleitet, wenn es zu viel regnet.29.05.2024 | 6:55 min
Für Dienstag- und Mittwochabend sind in Paris Gewitter angekündigt. Die Niederschläge könnten die Wasserqualität noch mal verschlechtern. Sollte morgen auch kein Schwimmen und damit kein Triathlon möglich sein, ist eine weitere Verschiebung möglich. Schlimmstenfalls droht der olympische Triathlon zum Duathlon zu werden: Laufen, Radfahren und nochmal Laufen.
Wie können wir besser mit Abwasser umgehen? Diese zwei Lösungsansätze gibt es:
Die "graue Lösung" für das Abwassermanagement ist der klassische Ansatz: Kanalnetze, Kläranlagen, unterirdische Rückhaltebecken. Abwasser und Regenwasser wird einfach in Becken gesammelt und geklärt, bevor es in Gewässer eingeleitet wird. So kommt es zu weniger Überläufen.
Ein Beispiel hierfür ist das Rückhaltebecken Austerlitz in Paris, das große Mengen Regenwasser speichert und behandelt, um die Wasserqualität der Seine zu verbessern. Auch unter der Londoner Themse wird gerade ein großer Tunnel zu diesem Zweck gebaut.
Die "grüne Lösung" für das Abwassermanagement nutzt natürliche Systeme, damit das Regenwasser gar nicht erst in die Kanalisation gelangt. Stattdessen soll es auf grünen Flächen vorher versickern oder von Pflanzen aufgenommen werden. Zu diesen Flächen gehören Regenwassergärten, grüne Dächer, durchlässige Pflasterungen und Feuchtgebiete, die Wasser filtern und reinigen, bevor es inss Grundwasser oder in einen Fluss geleitet wird.
Diese Ansätze reduzieren die Belastung der Kanalisation und damit auch Überflüsse. Gleichzeitig können so Städte gekühlt und die Biodiversität gefördert werden. Auch für Dürreperioden ist durch das Versickern mehr Grundwasser gespeichert.
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