TikTok-Trend #womeninmalefields:"Hab ihn gegen seinen Willen angefasst"
von Caroline Drees
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Unter #womeninmalefields teilen Hunderttausende Frauen sexistische Erfahrungen - in vertauschten Rollen. Sie halten so Männern den Spiegel vor. TikTok als Schule für Feminismus?
Hunderttausende Frauen teilen auf TikTok unter #womeninmalefields sexistische Erfahrungen - jedoch mit vertauschten Rollen, um Männern den Spiegel vorzuhalten.30.11.2024 | 1:10 min
"Hab ihn gegen seinen Willen angefasst und gesagt, wenn er so rausgeht, braucht er sich nicht wundern." - "Wenn er mich nach Verhütung fragt, aber ich ihm sage, dass ich mit Pille nichts fühle." Unter dem Hashtag #womeninmalefields teilen aktuell Hunderttausende Frauen sexistische Erfahrungen auf TikTok und Instagram - erzählt mit vertauschten Rollen.
In einem anderen Video heißt es: "Er hat mir erzählt, dass er in die Politik gehen will, aber ich meinte, dass Männer da nicht hingehören, weil sie zu emotional für diesen Job sind. So aggressiv wie sie sind." Die Frauen halten den Männern den Spiegel vor, um zu zeigen, was Frauen häufig zu hören bekommen.
Social-Media-Trends und Geschlechterrollen
Viele junge Frauen kommen in den Sozialen Medien zum ersten Mal mit Themen wie Feminismus in Berührung. Aber kann man auf TikTok oder Instagram Feminismus lernen? Feministische Debatten sind kaum das erste, woran man bei Sozialen Medien denkt - wo etwa die "Tradwifes" boomen, die überholte Geschlechterrollen propagieren und den ganzen Tag für ihren Mann kochen.
Darüber hinaus begegnet man regelrechtem Frauenhass, versammelt zum Beispiel unter der Rubrik "I hate my Girlfriend". Verbreitet sind auch Videos, in denen Männern erklärt wird, wie sie in ihre "maskuline Energie" kommen - nämlich durch Dominanz, so heißt es dort, denn wenn eine Frau die Entscheidungen trifft, gehe alles schief.
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Es gibt aber immer wieder gegenteilige Trends - wie derzeit #womeninmalefields. Davor gingen Videos viral, in denen Frauen sich gefragt haben, ob sie nachts im Wald eher einem Bären oder einen Mann begegnen wollten. Die Antwort: Ganz klar dem Bären, denn das Schlimmste, was dann passieren kann, ist zu sterben.
Anderer Zugang zu Feminismus
Frauen teilen in den Videos ihre persönliche Erfahrungen und merken dabei, dass diese kollektiv sind. In den Kommentarspalten häufen sich Ausrufe wie "Genau das ist mir auch passiert!" Aber kann ein solcher Trend darüber hinaus eine Wirkung haben? Die Frage ist, wen diese Videos überhaupt erreichen.
Denn der Algorithmus zeigt einem grundsätzlich erst einmal Inhalte an, für die man sich sowieso schon interessiert. Erreicht wird also womöglich vor allem eine Zielgruppe, die sich bereits mit den Themen Feminismus und Patriarchat auseinandersetzt.
Trotzdem ermögliche eine App wie TikTok einen ganz anderen Zugang zu Feminismus, sagt Alina Gales, Leiterin der Stabsstelle Diversity an der Technischen Universität München. "Früher musste ich ein bestimmtes Magazin lesen, mit der Hemmschwelle, das überhaupt zu kaufen. Heute habe ich eine App, die mir viele Anknüpfungspunkte bietet, weil die Personen, deren Inhalte ich konsumiere, so alt sind wie ich, vielleicht so aussehen wie ich oder aus derselben Region stammen."
Expertin: Gemeinschaftsgefühl und "Red Flags" erkennen
Zu realisieren, dass sie nicht alleine sind mit ihren Erfahrungen könne ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen, sagt Gales. Frauen könnten sich gestärkt fühlen, weil sie merkten: 'Ich bin nicht schuld an dem, was mir widerfährt'. Vielleicht könnten solche Videos auch helfen, sogenannte "Red Flags" zu erkennen, also toxisches Verhalten: "Weil sie das in den Videos gesehen haben und dann merken - stopp, eigentlich gar nicht cool, was hier gerade passiert, das muss ich nicht akzeptieren."
Vor allem aber könnten solche Trends die Debatte beeinflussen, wie patriarchale Strukturen wahrgenommen werden. Aber: "Ob das jetzt wirklich Auswirkungen auf die Sicherheit oder das Leben von Frauen im Allgemeinen hat, das zweifle ich ganz stark an", sagt Gales. Eine Wirkung lasse sich nur schwer wissenschaftlich untersuchen.
Feminismus, Humor oder Popkultur?
Aus einer hohen Klickzahl könne man nicht schließen, dass der jeweilige Inhalt des Videos das Verhalten oder Denken der Nutzerinnen und Nutzer beeinflusst, sagt Jasmin Siri, die an der Ludwig-Maximilians-Universität in München zu Social Media und politischen Bewegungen forscht.
Man wisse schlicht noch nicht, wieso jemand bei einem Trend wie #womeninmalefields mitmache. "Ist das ein feministischer Akt oder Humor oder Popkultur?"
Caroline Drees ist Redakteurin im Landesstudio Bayern.
Quelle: dpa
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