Südkorea: Suspendierter Präsident Yoon festgenommen

    Staatskrise in Südkorea:Suspendierter Präsident Yoon festgenommen

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    In Südkorea haben die Behörden die Verhaftung des suspendierten Präsidenten Yoon gemeldet. Bislang hat er noch keine Aussage zu den gegen ihn erhobenen Anschuldigungen gemacht.

    Autokorso, in dem vermutlich der festgenommene Präsident Yoon sitzt.
    Südkoreas Präsident Yoon werden Aufruhr und Machtmissbrauch vorgeworfen. 15.01.2025 | 1:39 min
    Südkoreas suspendierter Präsident Yoon Suk Yeol ist wegen der kurzzeitigen Verhängung des Kriegsrechts Anfang Dezember in der Hauptstadt Seoul festgenommen worden.
    Polizisten und Ermittler der Anti-Korruptions-Behörde (CIO) führten Yoon am Mittwochmorgen in seinem Wohnsitz ab, um ihn zur Staatsanwaltschaft zu bringen. Die Festnahme lief trotz großer Sicherheitsbedenken dem Anschein nach friedlich ab.
    Südkorea, Seoul: Ein Autokorso, in dem vermutlich der abgesetzte südkoreanische Präsident Yoon, verlässt die Präsidentenresidenz.
    In Südkorea ist der suspendierte Präsident Yoon Suk Yoel verhaftet worden.15.01.2025 | 0:22 min

    Konvoi verlässt Anwesen von Yoon

    Seit Dezember hatte sich Yoon in seinem Präsidentenwohnsitz verbarrikadiert, wo ihn hohe Mauern, Stacheldrahtzaun und sein Sicherheitsdienst vor einer Verhaftung schützten. Zudem waren massenweise Anhänger auf die Straße gegangen, um sich für ihn einzusetzen.
    Nun verließ ein Konvoi schwarzer Geländewagen begleitet von einer Polizeieskorte das präsidiale Anwesen im Zentrum von Seoul. Am Vormittag begann dann die Vernehmung Yoons durch die Ermittler, wie die amtliche Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.
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    Nach der Verhängung des Kriegsrechts durch Präsident Yoon hatte das Parlament ihn im Dezember des Amtes enthoben. 14.12.2024 | 1:37 min

    Yoon verweigert Aussage

    Yoon machte nach seiner Verhaftung noch keine Aussage zu den gegen ihn erhobenen Anschuldigungen. "Yoon macht von seinem Schweigerecht Gebrauch", sagte ein Vertreter des Korruptionsermittlungsbüros vor Journalisten. Er habe sich zudem geweigert, während der Befragung gefilmt zu werden, und werde die Nacht in einer Haftanstalt verbringen, hieß es weiter.
    Für das Verhör haben die Ermittler maximal 48 Stunden Zeit. Danach müssen sie entweder eine formelle Verhaftung des suspendierten Präsidenten beantragen oder ihn wieder auf freien Fuß setzen.
    sgs Peking
    Das Land habe einen "demokratischen Albtraum" erlebt, so ZDF-Korrespondentin Elisabeth Schmidt zur Lage in Südkorea.03.12.2024 | 1:24 min

    Opposition bezeichnet Yoon als "Schwerverbrecher"

    In einer vor seiner Festnahme aufgenommenen Videobotschaft bezeichnete Yoon die Ermittlungen gegen ihn als illegal. Er habe sich dennoch entschieden, einer Befragung durch die Anti-Korruptions-Behörde zuzustimmen, um gewalttätige Auseinandersetzungen zu vermeiden. Zudem behauptete er, der Rechtsstaat in Südkorea sei faktisch komplett zusammengebrochen.
    Der Fraktionsvorsitzende der größten Oppositionspartei, Park Chan Dae, bezeichnete Yoons Festnahme hingegen als "ersten Schritt" zur Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung und Rechtsstaatlichkeit im Land, wie Yonhap berichtete. Den suspendierten Präsidenten bezeichnete Park demnach als "Schwerverbrecher".
    Eric Ballbach, Stiftung Wissenschaft und Politik
    Der Schritt von Südkoreas Präsident Yoon, das Kriegsrecht zu verhängen, war ein großes Wagnis, so die Einschätzung von Koreaexperte Eric Ballbach. 03.12.2024 | 8:45 min

    Yoon hatte im Dezember das Kriegsrecht ausgerufen

    Es ist das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass ein formell amtierender Präsident Südkoreas in dieser Form zur Rechenschaft gezogen wird. Neben den Ermittlungen der Anti-Korruptions-Behörde läuft auch ein Amtsenthebungsverfahren beim Verfassungsgericht gegen Yoon. Nachdem er bei der ersten Anhörung am Dienstag nicht vor Gericht erschienen war, wurde der nächste Prozesstermin auf Donnerstag vertagt.
    Yoon hatte am 3. Dezember völlig überraschend im Zuge eines Haushaltsstreits mit der Opposition kurzzeitig das Kriegsrecht ausgerufen - ein Schritt, den er wenige Stunden später auf großen Druck hin wieder zurücknahm. Spezialkräfte des Militärs wurden von Yoon angewiesen, die Nationalversammlung abzuriegeln. Berichten zufolge soll er auch die Festnahmen mehrerer Politiker angeordnet haben. Sein Vorgehen führte zu Massenprotesten in Südkorea und Kritik auch aus dem Ausland.
    Das Parlament votierte nach einer gescheiterten ersten Abstimmung schließlich auch mit einigen Stimmen seiner eigenen Regierungspartei für Yoons Amtsenthebung. In den kommenden Wochen wird das Verfassungsgericht diese Entscheidung prüfen.

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    Quelle: dpa

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    Quelle: dpa, AFP

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