Textilproduktion verlagert: Aus für "Made in Bangladesh?"
Hugo Boss und Intersport:Schluss mit "Made in Bangladesh"?
von Anne Sophie Feil
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Viele Modelabels setzen auf billige Herstellung in asiatischen Textilfabriken. Einige von ihnen wollen Lieferketten verkürzen und zukünftig mehr vor Ort produzieren.
Einige Unternehmen in der Textilbranche wollen ihre Produktion nach Europa verlagern.
Quelle: dpa
"Made in Bangladesh" - das steht häufig auf den Kleidungsetiketten. Denn viele Textilhersteller lassen ihre Waren in südostasiatischen Fabriken produzieren, wo die Lohnkosten sehr niedrig sind. Bis die Kleidungsstücke in den Geschäften hängen, haben sie meist Tausende von Kilometern zurückgelegt.
Vor allem während der Pandemie haben lange Lieferwege nicht immer reibungslos funktioniert. Teils waren Lieferketten unterbrochen, oft konnte die Ware nicht rechtzeitig zugestellt werden. Auch geopolitische Konflikte können zu Lieferunterbrechungen oder Mehrkosten führen. Je länger der Lieferweg, desto höher das Risiko.
Intersport und Hugo Boss produzieren mehr regional
Einige Unternehmen haben daher entschieden, näher am Absatzmarkt zu produzieren. So hat der Sportartikelhändler Intersport bekanntgegeben, seine Eigenmarken in Zukunft weniger in Asien und mehr in Europa zu produzieren.
Vorstandsmitglied Frank Geisler erklärte der "Heilbronner Stimme", Intersport produziere seit einigen Jahren Schuhe in der Ukraine und baue weitere Fabriken in Osteuropa auf. Damit wolle man sich unabhängiger von Asien machen, schneller und flexibler liefern können.
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Auch der Modekonzern Hugo Boss will Waren künftig vermehrt dort beziehen, wo sie auch verkauft werden. Produziert wird bereits in Europa und der Türkei. Bei den Lieferanten orientiert sich die Geschäftsführung um. Vor zwei Jahren stammten 51 Prozent der Einkäufe aus Asien, bald sollen es nur noch 40 Prozent sein, erklärt das Unternehmen.
Kürzere Lieferwege: Flexibler, nachhaltiger, weniger Risiko
Mit einer regional ausgewogenen Beschaffungsstrategie will Hugo Boss "Risiken wie lokale oder regionale Kapazitätsausfälle minimieren". Der Einkauf vor Ort sei zudem nachhaltiger und ermögliche mehr Flexibilität.
Professor Steffen Kinkel von der Hochschule Karlsruhe ist unter anderem Experte für lokale Wertschöpfungsketten. Von einer Trendwende bei den Produktionsstandorten könne man zwar nicht sprechen, sagt er. Aber bei strategischen Entscheidungen würden oftmals andere Faktoren berücksichtigt.
Unternehmen wägen heute die Chancen und Risiken internationaler Fertigung genauer ab. Früher habe man produziert, wo die Lohnkosten am niedrigsten waren.
Heute produziert man eher dort, wo die wichtigsten Märkte und die wichtigsten Kunden sind und versucht, die Produktion dort lokal aufzubauen.
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Steffen Kinkel, Professor für International Business an der Hochschule Karlsruhe
Lieferkettengesetz erfordert Transparenz
Auch ethische Gründe sprechen für Produktionen im Westen: Einige südostasiatische Textilfabriken stehen wegen schlechter Arbeitsbedingungen bis hin zu Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Das Lieferkettengesetz soll hier helfen. Unternehmen werden damit zur Einhaltung von Umwelt- und Menschenrechten verpflichtet und müssen ihre gesamte Lieferkette auf Verstöße überprüfen.
Das bringt schon noch mal ein bisschen Druck auf den Kessel.
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Steffen Kinkel, Professor für International Business an der Hochschule Karlsruhe
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"Mit den gesetzlichen Vorgaben zu Dokumentationen und Nachweispflichten ist es natürlich einfacher, mit deutschen oder europäischen Lieferanten und Produktionen zusammenzuarbeiten", sagt Kinkel. Bei Fernostpartnern sei es oft schwieriger, Informationen nachzuvollziehen und zu überprüfen.
Wird Kleidung in Deutschland hergestellt, fallen im Vergleich zu asiatischen Fabriken deutlich höhere Lohnkosten an. Aber der Einsatz innovativer Technologien wie Robotik oder Künstliche Intelligenz mache die Produktion in der Textilbranche weniger arbeitsintensiv. Dann fallen Lohnkosten weniger ins Gewicht und die Produktion sei auch in Deutschland rentabel, so Kinkel.
Billigproduktion in Fernost für Fast Fashion dennoch relevant
Das Ende von Kleiderfabriken in Asien bedeutet das dennoch nicht. Wie Kinkel erklärt, besteht in der Textilbranche ein wesentlicher Unterschied zwischen Fast Fashion und Premiummarken wie beispielsweise Hugo Boss. Bei Premiummarken seien eher Qualität und Markenimage ausschlaggebend. Dafür fallen ein paar Euro mehr pro Stunde kaum ins Gewicht.
Anders ist es bei Kleidung für den Massenmarkt: "Bei Fast Fashion zählt natürlich jeder Cent", sagt er. Hier sei weiterhin von möglichst günstiger Produktion in Fernost auszugehen. Das Label "Made in Bangladesh" wird also auch in Zukunft noch auf vielen Kleidungsstücken zu finden sein.
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