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Weihnachtszeit in Sorge:VW-Krise in Emden: "Einfach nur Frust"
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Das Volkswagen-Werk in Emden könnte bald geschlossen werden. Die Belegschaft macht sich große Sorgen, aber gibt sich kämpferisch.
Der Warnstreik bei Volkswagen hat begonnen - in fast allen deutschen Werken legten Mitarbeiter die Arbeit nieder. Im niedersächsischen Emden standen rund tausend Menschen bereits in der Nacht zum Sonntag vor dem Haupttor des VW-Werkes. Sie wollten den Moment markieren, in dem die sogenannte Friedenspflicht endete. Mit Bratwurst, Bier und Megafon.
Mitarbeiter wollen Signal senden
Die Streikbereitschaft wollen sie hier klar machen und nicht nur das: Sie möchten ein Signal an den Konzernvorstand senden, diesen aufrütteln. "Wir wollen dem Vorstand zeigen, dass wir bei Wind und Wetter, egal wie spät und egal in welcher Situation da sind und bereit sind, auch für unsere Forderungen einzustehen und zu kämpfen", erzählt Franz Onken, VW-Mitarbeiter in Emden.
Eine Schließung des Standortes, so hört man in Emden nahezu überall, hätte massive Konsequenzen für ganz Ostfriesland. VW-Mitarbeiter Hans Georg Stulken betont:
Die ganze Region Ostfriesland wäre tot ohne VW.
Hans Georg Stulken, Volkswagen-Mitarbeiter
Volkswagen ist bei Weitem der größte Arbeitgeber in der Region. Rund 8.000 Beschäftigte arbeiten allein im Emdener Werk, Tausende Zulieferer und anderweitig angeschlossene Arbeitsplätze hängen ebenfalls am VW-Werk.
Besonders große Sorgen bei jungen Menschen
"Einfach nur Frust", so beschreibt ein Azubi im Emdener VW-Werk die momentane Situation. Die Mitarbeiter müssten ausbaden, was der Vorstand verursacht hat. Gerade den jüngeren Mitarbeitern bei VW fehlt derzeit die Perspektive. Sollte VW zu machen, ist eine Zukunft in Ostfriesland für sie fraglich. Dazu kommen gerade bei jungen Familien laufende Kredite und andere soziale Faktoren, die die Krise bei VW mit nach Hause an den Küchentisch bringt.
Mit Unsicherheiten dieser Art hat niemand gerechnet, erzählt man uns in Emden. Im Sommer erst gab es große Feiern zum 60. Geburtstag des Standortes, in den zuletzt massiv investiert wurde. In Emden werden nur noch Elektroautos produziert.
Die VW-Familie muss zusammenhalten
Was VW durch alle bisher dagewesenen Krisen getragen hat, war das unbändige Zusammengehörigkeitsgefühl der "VW-Familie". Vom Vorstand bis zum Leiharbeiter. Das habe sich leider geändert - der Vorstand verfolge andere Ziele, so die Kritik der Mitarbeiter.
Wenn wir alle wirklich unseren Job machen und auch der Vorstand den Job macht, dann kriegen wir auch die Kuh vom Eis, da bin ich 100 Prozent von überzeugt.
Helmut Meusel, Volkswagen-Mitarbeiter in Emden
Die Volkswagen-Werke
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Wille zum Arbeitskampf ungebrochen
Die Beschäftigten - nicht nur in Emden - sind fest entschlossen, für den Erhalt ihrer Jobs alles zu geben. "Wir kämpfen, und zwar alle. Alle zehn Standorte. Und wenn das heißt, wir müssen auf die Straße, ja, dann gehen wir auf die Straße und wenn wir 24 Stunden machen müssen", betont VW-Mitarbeiterin Mandy Meusel.
Für den heutigen Montag wurde in allen deutschen VW-Werken zum ersten Warnstreik aufgerufen. Am 9. Dezember steht die nächste Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaften und Volkswagen an.
Der Wunsch vieler Beschäftigter in Emden: Eine Perspektive bis Weihnachten. Denn in einer Situation mit so viel Unsicherheit wie gerade lässt sich die Adventszeit wohl kaum genießen. Auch wenn am Eingang des Emdener Weihnachtsmarktes ein Banner hängt: "60 Jahre VW-Werk Emden wünscht Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit".
Svenja Bergerhoff ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Niedersachsen.
Quelle: dpa
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