Ein Preis als Motivation für Nachhaltigkeit

Newsletter ZDF-Fernsehrat:Ein Preis als Motivation für Nachhaltigkeit

Fernsehrätin Gabriela Terhorst über Nachhaltigkeit beim ZDF.

Fernsehrätin Gabriela Terhorst freut sich, dass sich das ZDF "in wichtigen Bereichen zu zentralen Nachhaltigkeitszielen bekennt und das sogar freiwillig". Allerdings gibt es auch Entwicklungen, die die Vertreterin vom BUND im Gremium enttäuschen.

Porträt ZDF-Fernsehratsmitglied Garbriela Terhorst

ZDF-Fernsehratsmitglied Gabriela Terhorst.

Quelle: Bund/Niko Martin

#Fernsehrat: Das ZDF hat sich bereits vor Jahren Nachhaltigkeitsziele gesetzt. Welche Aktivitäten in Sachen Nachhaltigkeit sehen Sie beim ZDF als besonders dringlich an? 

Gabriela Terhorst: Es freut mich sehr, dass sich das ZDF, als großer Player im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, in wichtigen Bereichen zu zentralen Nachhaltigkeitszielen bekennt und das sogar freiwillig. In ZDF-Berichten und DNK (Deutscher Nachhaltigkeits-Kodex)-Erklärungen, geht es insbesondere um die Umstellung auf ökologische Produktionsstandards (Green Production), nachhaltige Beschaffung und Mobilität sowie Reduktion von Treibhausgasen.

Die Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2025 im Sektor "Medien und Kultur", sollte das ZDF motivieren, auf diesem bereits seit Jahren eingeschlagenen Weg zu bleiben. Zwar trennt das ZDF seine Nachhaltigkeitsstrategie für das Unternehmen ausdrücklich von seinen programmlichen Angeboten. Jedoch enttäuscht es, dass der Anteil der Sendeminuten zum Thema Klimawandel im ersten Halbjahr 2026 auf den niedrigsten Stand seit der Messung vor fünf Jahren rutschte, und das in einem Sommer, in dem ein Hitzerekord den nächsten schlug. Laut einer Untersuchung der Initiative "Klima vor acht", ist der Anteil der Sendeminuten zum Thema Klima auf 0,82 Prozent gerutscht, 2023 lag er noch bei 1,95 Prozent des Gesamtprogramms. Damit hat sich der Anteil im Vergleich mehr als halbiert. Ich hoffe sehr, dass diese Entwicklung sofort gestoppt und ein Sprint in die Gegenrichtung eingelegt wird. Meiner Meinung nach darf es ruhig ein bisschen mehr sein. Hier steht Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Das ZDF hat eine große gesellschaftliche Verantwortung.

#Fernsehrat: Angesichts der zunehmenden Nutzung der Medienangebote über Video-Streaming legt das ZDF-Wert auf energieeffizientes und datensparsames Streaming. Wie schätzen Sie die ersten Erkenntnisse zum Green-Streaming-Projekt ein?

Terhorst: Eines der wichtigsten Worte in diesem Jahr, erscheint mir das Wort Ressource. Treibhausgase, die direkt in der Produktion oder indirekt durch den Zukauf externer Leistungen entstehen, müssen weiter reduziert sowie transparent und verständlich ausgewiesen werden. Natürlich ist die Kontrolle von indirekten Emissionen schwerer. Aber das Ziel muss sein, entlang der Wertschöpfungskette Regelungen zu implementieren, ähnlich den Vorgaben in Gesetzen zu Lieferketten, die es zumindest möglich machen, einen genaueren Überblick zu bekommen, wo die Treibhausgase herkommen, um dann gezielter handeln zu können.

Beim Streaming hat das ZDF begonnen, sich Gedanken zu machen und Maßnahmen zu ergreifen. Wie lassen sich stromsparende Einstellungen auch auf den Endgeräten und TV-Playern sichtbarer machen, schneller und leichter umsetzen, wie lassen sich Daten sparen? Wer hier vorn ist, kann in Zukunft bestehen. Ein verändertes Nutzerverhalten hin zu mehr Streaming macht diese Entwicklung notwendig, denn Kosten für Strom, nachhaltige Rechenzentren und Datensicherheit werden die gesamte Medienlandschaft gravierend verändern. Diese Entwicklung macht auch vor dem ZDF nicht halt. Wie aber Rechenzentren ihren ungeheuren Stromhunger stillen, wie sie mit Ressourcen, Boden und Wasser umgehen, wie mit den Mengen an Abwärme, sollte auch für das ZDF als großer Verbraucher interessant sein. Hier Forderungen zu stellen und sich selbst zu fragen, können wir als ZDF positiv Einfluss nehmen, den Finger in die Wunde legen, Fragen stellen, ist in meinen Augen Pflicht.

#Fernsehrat: Mehraufwendungen für Nachhaltigkeit wurden von der KEF nicht anerkannt - das ZDF hält dennoch an dem anerkannten Branchenziel einer umfänglichen Umstellung auf eine "grüne Produktion" fest und setzt auf den fortschreitenden technologischen Transformationsprozess. Wie bewerten Sie dieses Spannungsverhältnis? 

Terhorst: Die politische Großwetterlage ist rau, Desinformation, Klimaleugnen, gezielte Manipulationen und ja – auch deutliche Probleme mit künstlicher Intelligenz nehmen zu und bedrohen regelrecht unsere Freiheit und Demokratie.

Die KEF muss sich die Frage stellen lassen: "Wie soll, unter diesen Bedingungen, das ZDF Nachhaltigkeit in all ihren Facetten finanzieren, wenn der Umsetzung zur Zielerreichung keine Bedeutung beigemessen wird?" Das Prinzip "Nachhaltigkeit" ist wörtlich in der Präambel des Medienstaatsvertrages verpflichtend manifestiert. Wir im Fernsehrat vertreten auch diese Werte, vielleicht müssen wir, als Mitglieder, unsere Rolle ebenfalls mehr wahrnehmen. Keinesfalls dürfen wir hinnehmen, dass durch Sparmaßnahmen das zarte Pflänzchen Nachhaltigkeit langsam vertrocknet. Es muss an der Stelle weniger statt mehr gekürzt werden. Dazu gehört Mut, den man in Krisenzeiten braucht, und jetzt sind diese Zeiten.

OrganisationFernsehratsvorlage Nachhaltigkeit
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#Fernsehrat: Ein weiteres Ziel der ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbetrachtung ist es, eine zeitgemäße und zukunftsorientierte Führungskultur im Unternehmen zu verankern. Im Rahmen der Strategie "Ein ZDF für alle" 2028 soll das moderne Führungsverständnis gestärkt und der begonnene Kulturwandel vorangetrieben werden. Wie schätzen Sie die bisherigen Entwicklungen im ZDF ein?

Terhorst: Ebenso wichtig wie die geläufigen Nachhaltigkeitsziele zu Energie, Umwelt, Klima, Wasser rücken weitere SDGs (sustainable development goals), stärker als bisher in den Fokus. Chancen- und Geschlechtergleichheit, Inklusion und Barrierefreiheit werden vom Diversity Management gezielt gestärkt. Eine vielfältige Belegschaft macht ein vielfältiges Programm, bringt vielfältige Meinungen, Vorschläge und Informationen, vor oder hinter der Kamera. Dies darf kein Feigenblatt sein und muss noch sichtbarer werden Und solange Gendern im Öffentlich-Rechtlichen immer noch ein Aufregerthema ist, gibt es immer "Luft nach oben". Die eigene Freiheit hört da auf, wo die Freiheit des anderen anfängt. Akzeptanz, Rücksicht und Respekt werden beim ZDF bereits hoch angesiedelt - bitte weitermachen!

Zur Person: Gabriela Terhorst, geboren in Hamburg, studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln, Schwerpunkt Energiewirtschaft. Seit 1999 ist sie im BUND aktiv, seit 2012 im Vorstand des Landesverbands Hessen, derzeit als stellvertretende Vorsitzende. Vom BUND-Bundesverband wurde sie im Juli 2024 in den Fernsehrat entsandt und ist hier im Programmausschuss Programmdirektion und im Ausschuss für Finanzen, Innovation und Digitalisierung tätig.

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