37 Grad Kurzreportagen - Wochenbettdepression statt Mutterglück
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- 28.01.2026
- ZDF
Nach der Geburt ihres ersten Kindes wartet auf Anne-Sophie nicht das erhoffte Glück. Sie rutscht in eine Wochenbettdepression. Um wieder gesund zu werden, sucht sie sich professionelle Hilfe.
„Ich dachte nicht, dass man sein Kind nicht lieben kann.“ Als Anne-Sophie vor etwas mehr als einem Jahr ihr erstes Baby bekommt, erwartet sie das große Glücksgefühl. Doch statt der erhofften Mutterliebe spürt sie nur Leere, unfassbare Traurigkeit und Schuldgefühle. Schon der Start ist schwierig: Ihr Sohn kommt als Frühchen zur Welt, kurz darauf folgt die Diagnose Gelbsucht und eine nötige Phototherapie. Für Anne-Sophie ist das der Moment, in dem alles zusammenbricht. Sie entwickelt eine Wochenbettdepression.
In der Zeit nach der Geburt fühlt sie sich unfähig, den Alltag zu meistern; das Essen, das Stillen und die Versorgung ihres Babys sind für sie nur schwer möglich. In Deutschland entwickeln etwa 10 bis 15 % der Frauen eine postpartale Depression. “Viele Betroffene brauchen lange, um zu verstehen, was mit ihnen los ist und noch länger, um gezielt Hilfe zu suchen”, berichtet Expertin Melanie Weimer von den Blues Sisters in Frankfurt.
Für Anne-Sophie beginnt ein harter Kampf zurück ins Leben. Unterstützt wird sie von ihrem Ehemann, der ihre Sorgen ernst nimmt und die Situation mit ihr aushält, sowie ihrer Schwester als wichtigste Bezugsperson. Anne-Sophie sucht sich professionelle Hilfe: Sie findet eine Therapeutin und schließt sich einer Selbsthilfegruppe an. Der Austausch mit anderen Betroffenen ist für sie der Wendepunkt: Die Erkenntnis, mit ihrer Situation nicht alleine zu sein, bringt die erste Erleichterung.
Heute kann Anne-Sophie die Beziehung zu ihrem Kind in vollen Zügen genießen. „Ich glaube, Liebe wächst“, sagt sie. Wenn sie ihren Sohn jetzt ansieht, ist sie präsent und stolz auf den Weg, den sie gegangen ist.