ZDF.reportage - Berlin - Stadt der Bettler
In Berlin wird gebettelt - im öffentlichen Nahverkehr, vor Supermärkten, in Cafés. Der Verteilungskampf wächst, und viele Passanten sind genervt.
- Gesellschaft
- Reportage
- mitfühlend
- 16.04.2023
- ZDF
In Berlin wird gebettelt - im öffentlichen Nahverkehr, vor Supermärkten, in Cafés. Der Verteilungskampf wächst, und viele Passanten sind genervt.
Thomas hat Angst, dass er erkannt werden könnte, wenn er seine täglichen Betteltouren durch die U- und S-Bahnen Berlins macht. Schließlich hat er bis vor drei Jahren noch als Fleischermeister gearbeitet, lebte mit seiner Frau in Nordrhein-Westfalen. Die Heroinsucht hat ihn aus der Bahn geworfen. "Die Berliner nehmen Anteil. Das macht die Stadt für mich attraktiv", sagt er.
Auch Stela finanziert ihren Drogenkonsum über das Betteln. Vor 20 Jahren kam sie aus Bayern in die Hauptstadt. Die 42-Jährige hat zwei Söhne. Der Ältere studiert Medizin, der Jüngere lebt in einer Wohngruppe. Sie selbst hat einen Platz im Obdachlosenheim.
Sünje Hansen ist Einzelfallhelferin und im Auftrag der Deutschen Bahn und der Berliner Verkehrsbetriebe unterwegs. Früher wurden die Bettler einfach aus den U- und S-Bahnstationen geworfen – heute will man ihnen lieber helfen. Sünjes Ziel ist es, obdachlose Bettler langfristig wieder in die Gesellschaft einzugliedern.
Der Berliner Hauptbahnhof scheint fest in der Hand der Roma. Dort ist ihr Revier. Sie bleiben oft mehrere Monate in Berlin und schicken das Geld zu ihren Familien nach Hause. In Rumänien ist Betteln verboten.
Die "ZDF.reportage" begleitet Bettler in Berlin, zeigt den Verteilungskampf und die Konflikte zwischen den Gruppierungen und bietet einen Blick auf Berlin als Hauptstadt der Bettler.