Sie sind hier:

In der Abseitsfalle

Kein Coming-out im Fußball?

Für viele ist Fußball alles, nur nicht schwul! Aber klar gibt es homosexuelle Spieler. Wie groß ist der seelische Druck, nicht offen zu seiner Sexualität stehen zu können? Wie hält man das aus?

Videolänge:
29 min
Datum:
22.11.2022
:
UT - AD - DGS
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.08.2026

Thomas Hitzlsperger, Marcus Urban und Benjamin Näßler sprechen über ihre Erfahrungen mit dem Coming-out – und darüber, wie wichtig ein offenes Bekenntnis für die Leistungsfähigkeit auf dem Platz und für das persönliche Glück ist.

Bislang gibt es keine Studie zur Anzahl der schwulen Spieler in der Bundesliga – und keinen aktiven deutschen Profispieler, der sich zu seiner Homosexualität bekannte.

Zu "weich" für "echten Männersport"?!

Thomas Hitzlsperger ist diesen Schritt bisher als Einziger gegangen. Das war 2014, allerdings erst nach seiner aktiven Spielerzeit. Als Fußballer hat er ganz oben mitgemischt: Mit dem VfB Stuttgart hat er 2007 die deutsche Meisterschaft gewonnen, mit der Nationalmannschaft wurde er Dritter beim "Sommermärchen" – der Heim-WM 2006. Seinem knallharten Schuss mit links verdankt er den Spitznamen "Hitz The Hammer". Und straft damit all jene Lügen, die glauben, Schwule seien zu "weich" für "echten Männersport".

Es dauerte lange, bis sich der heute 38-Jährige seine Homosexualität eingestand. Als er mit dem Gedanken spielte, sich zu outen, rieten ihm die wenigen Eingeweihten dringend davon ab. "'Du wirst es nicht aushalten', war ihre Sorge", erinnert sich Hitzlsperger. "Als Profispieler ist man ohnehin einem enormen Druck und der ständigen Öffentlichkeit ausgesetzt. Einen zusätzlichen Rucksack muss man erst mal tragen können."

"Zwischen Selbsthass und Depression"

Marcus Urban hat der Druck und die innere Zerrissenheit wohl eine Karriere als Profifußballer gekostet. Als Jugendnationalspieler war er ein aufgehender Stern bei Rot-Weiß Erfurt, eines der großen Talente des ostdeutschen Fußballes. "Aber dass ich mich für Männer interessierte, wurde zu einem Riesenproblem für mich. Das darf nicht sein - ich bin Fußballer!"

Urban, der für sein ästhetisches und passgenaues Spiel gefeiert wurde, gab sich zunehmend aggressiv auf dem Platz, pöbelte manchmal sogar mit homophoben Beleidigungen. "Ich wollte mit keiner Geste verraten, dass ich schwul bin." Er hatte Angst vor dem Karriereende, Angst davor, zum Außenseiter zu werden. "Vor allem in der Kabine fühlte ich mich verdammt einsam. Ich war nie wirklich Teil der Mannschaft, habe einen großen Teil meiner Persönlichkeit vor allen versteckt, auch vor mir selbst. Das war ein ständiges Schwanken zwischen Selbsthass und Depression." Schließlich gab er den Traum vom Profifußball auf. "Ein Spiel hat 90 Minuten. Ein Leben, wenn's gut läuft, vielleicht 90 Jahre. Ich wollte lieber frei sein, als meine Sexualität und mein Wesen der Karriere wegen weiter zu verleugnen."

Aktionen gegen Diskriminierung und Schwulenhass im Fußball

Auch Benjamin Näßler hat jahrelang seine Homosexualität vor seiner Familie, seinen Freunden und seiner Mannschaft versteckt. Dabei spielte der heute 31-Jährige bloß in der Kreisliga in seiner schwäbischen Heimat. "Es ging eigentlich um nichts - und doch um alles. Ich wusste, was die Menschen in meiner Umgebung mit dem Wort 'schwul' assoziierten. Das war nie was Gutes." Benjamin Näßler tat alles, um nicht aufzufallen. "Ich habe Freundinnen erfunden und mich machohaft benommen. Als mir alles über den Kopf wuchs, dachte ich sogar daran, mich umzubringen."

Nach langen inneren Kämpfen fand er den Mut, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen. 2017 heiratete er seinen langjährigen Freund. Und im Jahr 2020 wagte er sogar den Schritt an die Öffentlichkeit und setzt sich nun als amtierender "Mr. Gay Germany" mit seinen Kampagnen "Doppelpass" und "Liebe kennt keine Pause" gegen Diskriminierung und Schwulenhass im Fußball ein. "Vor allem jungen Spielern will ich es leichter machen, sich zu outen und stolz auf sich zu sein. Im Fußball geht es um Erfolg, und dabei ist es völlig egal, wen du liebst!"

Für mehr Toleranz und Diversität

Welche Erfahrungen haben prominente Akteure der Branche mit Homophobie im Fußball gemacht? Das fragt "37°" auch den Ex-Trainer und Technischen Direktor vom FC St. Pauli, Ewald Lienen, die beiden Bundesliga-Spieler Christopher Trimmel und Christian Gentner von Union Berlin sowie den St.-Pauli-Fan und Sänger der Band Kettcar, Marcus Wiebusch. Wo sehen sie die Ursachen für die Tabuisierung? Und welche Ansätze und Signale gibt es aktuell für mehr Toleranz und Diversität?

37 Grad-Autorin Annette Heinrich über ihren Film

Neuer Dreiteiler bei 37 Grad

"Dance till you break - The Saxonz - Freundschaft": Dennis beim Breaken.

37 Grad - Dance till you break - The Saxonz 

Breakdance - das ist ihre Welt. "The Saxonz" sind erfolgreich, preisgekrönt, und gehen als Crew gemeinsam durchs Leben. Echte Freund*innen, die atemberaubend...

Weitere Reportagen

"37° Jedes Wort ein Sieg - Mein Stottern hält mich nicht auf": Artjom in der Tonkabine. Er trägt Kopfhörer und steht vor einem Mikrofon.

37 Grad - Jedes Wort ein Sieg 

  • Untertitel
  • Deutsche Gebärdensprache
  • Audiodeskription

Es gibt 800.000 Stotternde in Deutschland. Wie schaffen sie es, sich trotz Sprechblockaden nicht aufhalten zu lassen und sich verbal auszudrücken?

24.10.2022
Videolänge
"37° Mein Tanz, mein Battle": Serhat beim Munich Summer Jam 2022 Crew Battle.

37 Grad - Mein Tanz, mein Battle 

  • Untertitel
  • Deutsche Gebärdensprache
  • Audiodeskription

Joanna und Serhat teilen dieselbe Leidenschaft: Breakdance. 2024 feiert Breaken in Paris olympische Premiere. Eine Herausforderung für die Tänzer, wirklich alles zu geben.

18.10.2022
Videolänge
Marc sitzt an einer selbstgebauten Werkbank und produziert Holzschindeln für das Dach seines Hauses. Im Hintergrund Wald.

37 Grad - Aussteiger: Raus aus dem Wohlstand 

Depressionen und Burnout: Marc verlässt sein bisheriges Leben und zieht in den Wald. Was zunächst die beste Entscheidung seines Lebens ist, droht inzwischen zu zerbrechen.

28.12.2021
Videolänge
"37° Leben - Raus aus der Wut - WG statt Knast": Porträtfoto von Glenn.

37 Grad Leben - Raus aus der Wut - WG statt Knast 

  • Untertitel

Bei Widerspruch Zuschlagen. Das bringt Heranwachsende nicht selten ins Gefängnis. Alekslex und Glenn lernen "draußen", ein freies, verantwortungsvolles Leben zu führen.

26.08.2022
Videolänge
"37°: Ungleiche Zwillinge - Wenn einer das Downsyndrom hat": Elisabeth und Victoria sitzen im Strandkorb.

37 Grad - Down-Syndrom: Ungleiche Zwillinge 

  • Untertitel
  • Deutsche Gebärdensprache
  • Audiodeskription

Sie sind Zwillinge und doch grundverschieden: Ein Kind hat das Downsyndrom, das andere nicht. Mehr als hundert dieser besonderen Zwillingspaare gibt es in Deutschland.

18.05.2021
Videolänge
"37° Mein Traum vom Kind - Was moderne Medizin möglich macht": Jaqueline hält den kleinen Emilian auf dem Arm. Sie haben beide die Augen geschlossen und lehnen Stirn an Stirn in inniger Berührung.

37 Grad - Mein Traum vom Kind 

  • Untertitel
  • Deutsche Gebärdensprache
  • Audiodeskription

Ein eigenes Kind. Für viele ist das ein großer Traum. Rund sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos und bereit, vieles zu wagen, um ihren Traum doch noch zu erfüllen.

07.09.2020
Videolänge
Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du bist dabei, den Kinderbereich zu verlassen. Möchtest du das wirklich?

Wenn du den Kinderbereich verlässt, bewegst du dich mit dem Profil deiner Eltern in der ZDFmediathek.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.