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Unsere eigene Farm

Selbstversorgen lernen

Gemüse und Obst im eigenen Garten anzubauen, ist ein Trend in Deutschland. Die eigene Farm verspricht Unabhängigkeit und mehr Gesundheit. Doch der Weg zur Selbstversorgung ist steinig.

28 min
28 min
10.08.2021
10.08.2021
UT - AD - DGS
UT - AD - DGS
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.08.2026

Sich selbst mit dem versorgen, was der Boden oder vielleicht sogar der Stall hergibt, der Vorstellung haftet etwas Romantisches an. "37°" begleitet ein Jahr lang zwei Familien, die ernsthaft selbst produzieren wollen, doch dabei auch ihre Grenzen kennenlernen.

Aus der Stadt aufs Land

Sara und Michael Niedrig lebten bis vor einem Jahr mit ihren zwei Kindern in einer Dreizimmerwohnung in Köln. Das dritte Kind ist unterwegs und damit der Entschluss gereift, ihr Leben von Grund auf zu ändern. "Ich habe mir gewünscht, dass meine Kinder frei laufen und sehen, wie ein Radieschen wächst", sagt die ehemalige Leistungssportlerin Sara. Ihr Abenteuer Selbstversorgung beginnt in Kall in der Eifel. Die beiden haben ein 250 Jahre altes Gut gekauft mit sechs Hektar Land und Wald und 2000 Quadratmetern Nutzfläche. Einen Permakultur-Garten anzulegen, das ist das Ziel der 36 Jahre alten Mutter. Obstbäume und Gemüse sollen hier wachsen. Sara ist sich bewusst, dass Selbstversorgung nicht einfach ist, zumal sie keinerlei Erfahrung mit säen und pflanzen hat.

Wer den Großteil seiner Lebensmittel selbst produzieren will, braucht viel Zeit und Engagement und eine hohe Frustrationstoleranz. Das erlebt auch das Paar. Saaten gehen nicht an wie erhofft, Braunfäule vernichtet die komplette Tomaten-Ernte, an den Erdbeersträuchern hängt keine einzige Frucht. Ihr Wissen sammeln die beiden Selbstversorger in Tutorials aus dem Internet und von benachbarten Bauern, die dem jungen Paar gern Unterstützung geben, sie allerdings vor der Allmacht der Natur auch nicht beschützen können.

"Noch kein Naturbusche!"

Es ist ein Lehrjahr, das die "37°"-Dokumentation begleitet, in dem die Familie neben der Erfahrung von Niederlagen auch viele Erkenntnisse gewinnt. Der 40 Jahre alte Michael war Profifußballer und ist jetzt Manager beim Kölner FC. Er bilanziert nach den ersten Monaten, dass er noch "kein Naturbursche" sei, und doch erkennen müsse, "dass die Natur bei allem eine gute Idee hat". Auf die Idee, seinen zum Grundstück gehörenden Teich mithilfe einer Bakterienkultur vor der Verschlammung zu retten, wäre er ohne die Hilfe eines Biobauern nicht gekommen. Seinen Job will der Familienvater dennoch nicht aufgeben, dazu ist die Selbstversorgung noch nicht ertragreich genug.

Hat das Projekt der Familie Niedrig Aussicht, in den nächsten Jahren erfolgreich zu werden? Wie viel Arbeit es ist, seine Lebensmittel selbst anzubauen, haben beide zwar geahnt, aber doch unterschätzt. Auch wenn Saras Eltern mit auf das Gut gezogen sind und das Modell Mehrgenerationenhaus leben, sehen doch alle mit Sorge, wie sehr Sara zwischen Garten, Haushalt und Kindern getrieben wird. "Meine Frau tendiert dazu, manchmal die Grenzen nicht zu finden", resümiert Michael, und Karl-Heinz Goller, sein Schwiegervater, ergänzt: "Es ist einfach eine Schweinearbeit."

So autark leben wie möglich

Selbstversorger brauchen, wenn sie ihr Projekt auch mit Nachhaltigkeit anlegen wollen, einen langen Atem. Den haben Christiane und Martin Schreder auf ihrer kleinen Farm in Rickelrath am Niederrhein. Konsequent hat das Ehepaar seinen Anspruch, kaum noch etwas dazu zu kaufen, umgesetzt. "Wir müssen so die gängigen Sachen einkaufen, Schokolade und Klopapier, und wir kommen mit dem Wocheneinkauf so mit 15 Euro ungefähr zurecht", erklärt Christiane. Seit 2007 haben sich die beiden immer neue Ziele gesetzt, um ein autarkeres Leben führen zu können. Auf 1400 Quadratmetern baut das Ehepaar nicht nur Gemüse an, sondern betreibt auch eine kleine Viehzucht aus Ziegen, Hühnern und Kaninchen, die zum Teil auch selbst geschlachtet werden. Für den Gärtnermeister Martin sind Schlachttage immer noch besondere Tage, die "mit Sicherheit keinen Spaß machen, aber eben dazugehören".

Martin wurde nicht ganz freiwillig zum Selbstversorger. Seit seiner Augenerkrankung ist der 55-Jährige blind: "Man fragt sich wirklich, ist das Leben noch lebenswert?", erinnert er sich. Der Hof, das Leben mit den Jahreszeiten haben ihm neuen Sinn gegeben, auch wenn es immer wieder neue Herausforderungen und Niederlagen gibt. Die Kartoffelernte 2020 fällt mager aus, zu viel Sonne. Der Weißkohl im Herbst ist aufgeplatzt, zu viel Regen. Christiane arbeitet weiter als Assistentin der Geschäftsführung, weil sie nicht allein von den Erträgen des Hofes leben könnten. "Ich finde es sehr angenehm, dass es doch etwas wie 'ne Rente geben wird."

Gerade sind neue Ziegen zur Welt gekommen. Milch-Lieferanten für den Käse, die Martin auf dem Wochenmarkt verkauft. Mal mehr, mal weniger, ein Saisongeschäft. Was beide bekümmert: Nicht alle Nachbarn sind glücklich darüber, Selbstversorger in ihrer Nähe zu haben. Es gab Streit und gerichtliche Auseinandersetzungen, wegen des Tierlärms und der Geruchsbelästigungen. Die Selbstversorger-Romantik hat auch ihre Schattenseiten.

37 Grad-Autorin Iris Bettray über ihren Film

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