Berliner Fashion Week: "Trends ist so ein hässliches Wort!"
Berliner Fashion Week:"Trends ist so ein hässliches Wort!"
von Sebastian Gorski
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Seit Montag strömen wieder tausende Mode- und Medienschaffende, Einkäufer sowie Models auf die Berliner Fashion Week. Wie relevant ist die Modewoche heute noch?
Kilian Kerner hat auf der Fashion Week seine aktuelle Kollektion vorgestellt. Er ist seit 2003 Designer
Quelle: Jens Kalaene/dpa
Dieser Tage sitzen sie wieder in den Berliner Cafés und U-Bahnen und man erkennt sie sofort: garantiert irgendwas mit Mode! Dieser Hauch (Nach-)Lässigkeit, gepaart mit Vintage und einer ordentlichen Berliner-Prise "Mir doch egal!".
Es ist Fashion Week in der Hauptstadt und das vermeintliche "Egal!" muss natürlich öffentlich und online zur Schau getragen werden. So schleppt sich die Modewoche schon seit Jahren zwischen belächelt werden und trotzdem hingehen von Kollektion zu Kollektion.
Aber welchen Stellenwert hat die Modewoche heute noch? Werden die Trends nicht längst ganz woanders gesetzt - auf der Straße oder in den sozialen Medien?
Wenn ich hier vor der Show spüre wie die Luft richtig brennt und das Adrenalin in mir und den Models hochsteigt, das ist schon was anderes, als wenn ich eine digitale Fashion-Präsentation mache.
Mode-Designer Marcel Ostertag ist bereits seit Jahren ein fest verankerter Teil der Berliner Fashion Week. Zwei Mal im Jahr zeigt er seine Kollektionen in der Hauptstadt und für ihn hat die Modewoche zwei wichtige Aspekte: Zum einen ist der Laufsteg vor und hinter den Kulissen ein Treffpunkt für Kund*innen, Kolleg*innen und Journalist*innen; zum anderen ist die Fashion Week eine wichtige Plattform für Geschäfte. Die allermeisten Mode-Schöpfer*innen bekommen direkt nach der Show die ersten Bestellungen, verkaufen ihre Looks teilweise noch am Laufsteg.
Die Fashion Weeks werden gebraucht, mehr denn je, denn das ist unser Marketing-Tool. Hier zeigen wir unsere Kollektionen. Und der Erfolg der Fashion Weeks in Berlin und auf der ganzen Welt, wie sie momentan laufen, gibt uns recht.
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Kilian Kerner, Mode-Designer
Die Kollektionen der Designer*innen sind wie ihre Visitenkarte: Das ist ihr Look, dafür stehen sie, das erwartet potentielle Kund*innen.
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Designer machen sich frei von Trends
Und wie sieht’s mit Trends aus? Schwieriges Thema! Modejournalisten, die heutzutage nach den Trends von übermorgen fragen, können fast überall mit kollektivem Stirnrunzeln rechnen. Denn Trends sind etwas für Verbraucher, die bereit sind, ihre Kleidung im nächsten Jahr wegzuwerfen und neu zu kaufen. Für die meisten Berliner Designer*innen ein No-Go.
Trends ist so ein hässliches Wort! Ich beschäftige mich damit nicht, weil ich das todlangweilig finde!
Trends zu folgen, das würde für die Designer bedeuten, die Einflüsse in Mode umzusetzen, die online oder auf der Straße zu sehen sind. Dabei verstehen sie sich selbst als diejenigen, die, wenn überhaupt, mit ihrer Couture die Zukunft der Mode beeinflussen. Die Frage ist also, wessen Design-Ideen am Ende zum Verbraucher durchdringen.
Irgendwann schwappen die Trends, die wir hier auf dem Laufsteg zeigen, in den Streetstyle zurück. Aber das dauert noch ein bis zwei Saisons bis das bei der breiten Masse angekommen ist.
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Danny Reinke, Mode-Designer
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Die Fashion Week und die sozialen Medien
Nichtsdestotrotz nehmen die sozialen Medien sichtlich eine immer größere Rolle auf den Modeschauen ein: Die sogenannte Front Row, besetzt mit Menschen mit großer Online-Reichweite, die ersten Posts noch während der Show, bis hin zum deutlich gedämpften Schlussapplaus - das Filmen der Show hat schließlich Priorität. Und auch das ist für die Designer*innen zu einem wichtigen Marketing-Tool geworden. Die Fashion Week als bildstarkes Happening mit Klick-Garantie - sowohl für die Mode-Schöpfer*innen als auch die Mode-Fans in der ersten Reihe.
Sebastian Gorski ist Redakteur im ZDF-Landesstudio Berlin.
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