Adel verzichtet: Hohenzollern ziehen Rückgabe-Klage zurück

    Streit um Kunst und Schlösser :Hohenzollern verzichten auf Entschädigung

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    Im Streit um die Rückgabe von Gemälden wollen die Hohenzollern laut Berichten auf eine Entschädigung verzichten. Das Gericht konnte die Rücknahme der Klage bisher nicht bestätigen.

    Burg Hohenzollern
    Burg Hohenzollern bei Bisingen, der Stammsitz der Hohelzollern.
    Quelle: dpa

    Im jahrelangen Streit um Entschädigung in Millionenhöhe zwischen der öffentlichen Hand und den Nachfahren des letzten deutschen Kaisers zeichnet sich eine Lösung ab. Die Hohenzollern wollen auf eine gerichtliche Entscheidung verzichten.

    Vermutlich würde das Verfahren mindestens zehn Jahre dauern. Deshalb verzichte ich als Chef des Hauses Hohenzollern auf die Kunstwerke und Ausgleichszahlungen aus diesem Komplex.

    Georg Friedrich Prinz von Preußen, in einem Interview mit der "Welt"

    Berlin, Brandenburg und der Bund verhandeln seit 2014 mit den Hohenzollern

    Die Nachrichtenagentur dpa will von Seiten der Generalverwaltung des Hauses von Preußen erfahren haben, man wolle die Klagen in zwei Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Potsdam zurückziehen. Die Entscheidung werde während einer am Donnerstag in Berlin geplanten Veranstaltung zur Geschichte der Familie bekannt geben, hieß es.
    31.01.2020 | 4:30 min
    Streit um das Erbe der Hohenzollern:
    Der Bund sowie die Länder Brandenburg und Berlin verhandeln mit den Hohenzollern seit 2014 über die Rückgabe von zahlreichen Kunstobjekten und über Entschädigungen.
    Die Gespräche ruhen, nachdem Brandenburg einen seit 2015 laufenden Prozess um enteignete Immobilien wie das Schloss Rheinsberg, das Krongut Bornstedt und etliche Villen in Potsdam wieder aufgenommen hat.
    18.02.2021 | 5:02 min
    Historikerin Schlotheuber über den Hohenzollern-Streit:

    Wie nah stand der Kronprinz von Preußen dem NS-Regime?

    Das Land hatte eine Entschädigung auf Basis des Einigungsvertrages abgelehnt. Dagegen klagen die Hohenzollern. Es geht um 1,2 Millionen Euro. Laut Gesetz bekommt keinen Ausgleich, wer dem NS-System "erheblichen Vorschub geleistet hat". Das Land lehnte die Entschädigungsansprüche der Hohenzollern mit der Begründung ab, der ehemalige Kronprinz von Preußen habe dem nationalsozialistischen System erheblich Vorschub geleistet.
    In der zweiten Klage gehe es unter anderem um Inventar aus den Schlössern Rheinsberg und Schloss Cecilienhof in Potsdam. Auch in diesem Fall hatte das Land eine Entschädigung mit derselben Begründung abgelehnt.

    • Preußen war in seinen Anfängern ein Flickenteppich von Territorien: 1415 hatte der deutsche König Sigismund den in Nürnberg residierenden Hohenzoller Friedrich VI. mit der Mark Brandenburg belehnt.
    • In den folgenden Jahrhunderten ererbten und erheirateten die Hohenzollern immer neue Territorien: 1614 etwa das Herzogtum Kleve, Minden sowie die Grafschaften Mark und Ravensberg im Westen, 1618 das östliche Herzogtum Preußen.
    • 1701 dann die Aufwertung: Aus Friedrich III. von Brandenburg wurde König Friedrich I. in Preußen. Mehrfach stand das Land am Abgrund: während des Dreißigjährigen Krieges oder auch 1806, als Napoleon das besiegte Preußen auf die Kerngebiete östlich der Elbe reduzierte.
    • Napoleons Niederlage sorgte auch für eine Wiedergeburt: Auf dem Wiener Kongress bekam Preußen auch noch das Rheinland und Westfalen zugesprochen, Kernbereiche der Industrialisierung.
    • All die militärischen Katastrophen hätten, so Clark, "ein bleibendes Gefühl der Verwundbarkeit" hinterlassen. Vor allem deshalb habe sich Preußen durch eine überdimensionierte Streitmacht und eine Verherrlichung des Militärischen ausgezeichnet - bis hin zu Kaiser Wilhelm II., dem letzten Preußenkönig, und zu Adolf Hitler.
    • 1947 ordneten die Siegermächte an, den Staat von der Landkarte auszuradieren. Preußen - das war nach Meinung vieler der Grund, warum Deutschland in den Abgrund von zwei Weltkriegen geraten war. Militarismus, Staatsvergottung, Gehorsams-Fixierung und Intoleranz.

    Quelle: KNA

    "Der Gordische Knoten ist durchschlagen"

    Brandenburgs Finanzministerin Katrin Lange begrüßte den Verzicht. "Mit dieser Entscheidung ist nun gewissermaßen der Gordische Knoten im Hohenzollern-Komplex durchschlagen worden", sagte die SPD-Politikerin. Und sie betonte weiter: "Es wird damit eine höchst verwickelte und im Einzelnen für Außenstehende kaum mehr nachvollziehbare Debatte um Entschädigungsansprüche verschiedener Art beendet, die es ohne das historische Glück der Deutschen Einheit gar nicht gegeben hätte und auf der auch immer weniger Segen lag für das Ansehen des Hauses Hohenzollern und seinen Platz in der Geschichte."
    Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) erklärte, die klare Linie des Landes zu der Auseinandersetzung mit den Hohenzollern habe sich ausgezahlt. "Ich danke auch allen in Wissenschaft und Öffentlichkeit, die mich in meiner Haltung gegen Geheimverhandlungen unterstützt haben", sagte Schüle.

    Ich hoffe, dass die zwischen den Beteiligten noch offenen Fragen in dem Geist, den die heutige Ankündigung atmet, geklärt werden: Ohne Gerichte, ohne Drohungen, in großer Offenheit.

    Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD)

    Auch Claudia Roth ist erleichtert

    Auch gegenüber dem Bund hatte von Preußen zuvor entsprechende Schritte angekündigt, wie der dpa am Mittwoch in Berlin bestätigt wurde. Kulturstaatsministerin Claudia Roth begrüßte die Ankündigung. Es sei ein wichtiger Schritt, wenn von Preußen nun bereit sei, "die historischen Fragen von den Fragen des zukünftigen Umganges mit dem kulturellen Erbe des Hauses Hohenzollern zu trennen", sagte die Grünen-Politikerin dem "Spiegel".
    Dem Potsdamer Verwaltungsgericht lag nach Angaben seines Sprechers am Mittwoch noch kein Rückzug der Klagen seitens der Hohenzollern vor. Dort ist für die Klage auf Entschädigung für die enteigneten Immobilien ein Verhandlungstermin am 13. Juni angesetzt worden.
    01.01.2016 | 7:02 min
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    Quelle: dpa

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