Streik von Lkw-Fahrern: Chef rückt mit "Schlägertrupp" an

    Mehrere Festnahmen an A5:Lkw-Fahrer-Protest: "Schlägertrupp" vom Chef

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    Seit Tagen streiken Fahrer eines polnischen Spediteurs in Hessen für ausstehenden Lohn. Dann rückt der Chef an - nach DGB-Angaben mit einem "paramilitärischen Schlägertrupp".

    Hessen, Weiterstadt: Ein gepanzerter Wagen des Sicherheitsdienstes steht nach einem Polizeieinsatz auf der Raststätte Gräfenhausen.
    Polizeieinsatz auf Raststätte in Hessen: Spediteur engagiert Security gegen Lkw-Fahrer-Protest
    Quelle: dpa

    Sie sind weit weg von zu Hause, warten nach eigenen Angaben teils seit Monaten auf ihren Lohn: Georgier, Usbeken, Menschen aus dem Kaukasus und Zentralasien. Rund 50 Fernfahrer einer polnischen Spedition streiken seit Tagen auf einer Raststätte im südhessischen Gräfenhausen. Mit dem Streik wollen sie eine faire Bezahlung und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen durchsetzen. Unterstützt werden sie von Gewerkschaftern und Vereinen.
    Am Freitag aber eskaliert die Situation an der A5 fast: Der Spediteur rückt mit Security-Mitarbeitern und Ersatzfahrern an, die Männer versuchen, in die Laster einzudringen. Ein schnelles Eingreifen der Polizei verhindert Schlimmeres. Der Besitzer und 15 seiner Leute werden vorläufig festgenommen. Ihnen wird unter anderem schwerer Landfriedensbruch, Nötigung, Bedrohung, versuchte gefährliche Körperverletzung und Störung einer Versammlung vorgeworfen - der Streik an der Raststätte gelte als Versammlung.
     Hessen, Weiterstadt: Die streikende LKW-Fahrer stimmen mit Handzeichen über ihre Forderungen ab.
    Streikende LKW-Fahrer im südhessischen Gräfenhausen
    Quelle: dpa

    Gewerkschaft: Ungeheuerlicher Vorgang

    Die Polizei Südhessen erklärte, der polnische Firmeninhaber habe "in Begleitung mehrerer Personen" versucht, "sich gewaltsam Zutritt zu den abgestellten Lastwagen zu verschaffen". Stefan Körzell vom Deutschen Gewerkschaftsbund sprach am Freitag von einer "martialischen Bedrohung". Der Arbeitgeber habe eine "paramilitärische Schlägertruppe" geschickt, um den Protest zu beenden. Das sei ein "ungeheuerlicher Vorgang" und müsse Konsequenzen haben.
    Der DGB veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen ein gepanzertes Fahrzeug und Männer in militärisch anmutender Kleidung und schusssicheren Westen zu sehen waren. Es handle sich "mutmaßlich um Rechtsextremisten", so der Gewerkschaftsbund. Körzell sprach von einer "brenzligen Situation".

    Polizei greift am Vormittag ein

    Nach Angaben der Polizeisprecherin begann der Einsatz gegen 11 Uhr. Es sei eine Vielzahl von Beamten zusammengezogen worden. Diese hätten unter Androhung eines Einsatzes von Pfefferspray und Schlagstock Auseinandersetzungen verhindern können. Die Raststätte musste gesperrt werden. Verletzt wurde nach Angaben der Polizei niemand.
    "Die Fahrer sind glücklich, dass sich die Situation entspannt", sagte Körzell, nachdem sich die Lage beruhigt hat und bedankte sich für das rasche Eingreifen der Polizei. Die Gruppen seien mit einem Absperrband voneinander getrennt worden.
    In Südbaden sind russische LKW-Fahrer gestrandet. Der Verein „Symbadische Truckerengel“ sammelt Spenden für die Fahrer.21.03.2022 | 2:00 min

    Fahren unter prekären Bedingungen

    Einer der Streikenden sagt:

    Das sind keine normalen Arbeitsbedingungen, die wir haben.

    Streikender Lkw-Fahrer

    Die Arbeitgeberseite habe gegen die Rückgabe der Wagen 1.000 Euro und eventuelle weitere Verhandlungen angeboten, heißt es. Doch darauf wollten sich die Fahrer nicht einlassen und weiterkämpfen.
    "Was wir hier erleben, ist leider ein Stück weit traurige Realität im Güterverkehr in Europa", sagt der hessische DGB-Vorsitzende Michael Rudolph. Die Rechtslage sei eigentlich klar: "Es gilt der Lohn des Landes, in dem gefahren wird." Die Realität sei leider eine andere. Es gebe viele Arbeitgeber, die Fahrer "für wesentlich weniger Geld durch Europa schicken, und die Menschen nicht nur unter prekärsten Verhältnissen arbeiten, sondern auch leben."
    Quelle: dpa, AFP

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