Wintersemester startet: WG-Zimmer werden immer teurer
Start in das Wintersemester :WG-Zimmer werden immer teurer
von Lisabell Shewafera
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489 Euro kostet ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft in deutschen Hochschulstädten im Schnitt, mehr als je zuvor. Vor allem in beliebten Uni-Städten wird das Wohnen immer teurer.
Viele Studierende haben vor Semesterbeginn immer noch keine Wohnung oder ein WG-Zimmer. Dies liegt nicht zuletzt am angespannten Wohnungsmarkt und zu hohen Mietpreisen.01.10.2024 | 2:31 min
Neue Uni, neuer Studiengang, neue Freunde - und der Umzug in eine neue Stadt. Das erwartet Studierende, die am 1. Oktober mit Beginn des Wintersemesters in ihr erstes Semester starten.
Viele junge Menschen suchen nach einem Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Doch die Preise für ein WG-Zimmer sind erneut gestiegen.
Wer derzeit in einer deutschen Universitätsstadt ein WG-Zimmer mietet, zahlt dafür durchschnittlich 489 Euro Warmmiete im Monat - mehr als je zuvor. Vor einem Jahr kostete das Durchschnittszimmer noch 17 Euro weniger.
Fast 800 Euro für ein WG-Zimmer in München
Das geht aus einer Auswertung des Moses-Mendelssohn-Instituts in Kooperation mit der Plattform wg-gesucht.de hervor. Für die Auswertung wurden bundesweit mehr als 9.000 Inserate für WG-Zimmer in 88 deutschen Hochschulstandorten analysiert, die in den letzten beiden August-Wochen online gestellt wurden.
Am teuersten sind der Auswertung zufolge WG-Zimmer in München. Hier liegt der mittlere Preis für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft bei 790 Euro. Das sind 40 Euro mehr als vor einem Jahr. Dahinter folgen Frankfurt am Main mit 680 Euro, Berlin mit 650 Euro und Hamburg mit 620 Euro. Am günstigsten sind die WG-Zimmer in Jena (328 Euro), Wismar (325 Euro) und Chemnitz (290 Euro).
"Suche nach WG-Zimmer ist frustrierend"
Auch der 19-jährige Daniel Bobb sucht aktuell händeringend nach einem Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Für sein Traumstudium an der TU München will er zum Wintersemester in die bayerische Hauptstadt ziehen.
Doch die Suche nach einer Bleibe gestaltet sich für Daniel Bobb als herausfordernd. "Ich habe mittlerweile über 60 WGs angeschrieben. Die meisten antworten nicht auf meine Nachricht, das ist frustrierend."
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Das Budget des angehenden Studenten für ein Zimmer liegt bei 600 Euro. Mit BAföG, dem Kindergeld, einem Minijob und der Unterstützung seiner Eltern will er sein Studium finanzieren.
Allerdings hat Daniel Bobb bisher noch keine Zusage von einer Wohngemeinschaft erhalten. "Wenn ich bis zum Start meines Studiums nichts finde, wäre das schade. Das ist der Anfang meines Studiums, an dem sich in der Ersti-Woche viele kennenlernen und ich habe noch kein Zimmer."
Für eine 30 Quadratmeter Musterwohnung in Uni-Nähe schwanken die Preise ebenfalls stark von Stadt zu Stadt.
Nur mit Unterstützung der Eltern möglich
Ähnlich geht es Studentin Emma Schmidt angesichts der Wohnungsnot. Auch sie ist schon lange auf der Suche nach einem WG-Zimmer. Ohne die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern wäre es für sie unmöglich, in einer so teuren Stadt wie München zu studieren.
"Als Student hat man neben dem Studium nicht die Möglichkeit, viel zu arbeiten. Vielleicht wird man von Zuhause unterstützt, sonst könnte man hier gar nicht leben."
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Das Deutsche Studierendenwerk fordert deshalb, dass mehr gebaut werden müsse, um zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, "den sich Studierende in Deutschland auch leisten können". Nur so könne die Wohnungssuche erleichtert werden. Zudem sei der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ein eklatanter Strukturmangel des deutschen Hochschulsystems.
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"Für Studierende aus weniger begüterten Familien blieben dann nur jene Hochschulen übrig, in den sie die Miete bezahlen können - und Studierende aus vermögenderen Familien haben freie Wahl, auch in die teuren Hochschulstädte wie München gehen zu können", so ein Sprecher des Deutschen Studierendenwerks.
Das sei eine bildungs- und sozialpolitische Bankrotterklärung. Auch hinke die BAföG-Wohnkostenpauschale trotz ihrer jüngsten Erhöhung hinter der Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt hinterher.
Appell an Vermieter
An vielen Hochschulstandorten gibt es Aufrufe an Privatleute, Zimmer zu vermieten. Mancherorts stehen sogar Notunterkünfte bereit. Auch das Studierendenwerk München Oberbayern hat erst vor wenigen Tagen dazu aufgerufen, jungen Leuten ein bezahlbares Dach über dem Kopf zu bieten. In Karlsruhe, Freiburg und Konstanz gibt es Modelle von Mehrgenerationenwohnen wie "Wohnen für Hilfe".
Lisabell Shewafera ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Bayern.
Quelle: dpa
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