Demos in Neuseeland:Maori protestieren gegen Gesetzesentwurf
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Die indigenen Maori setzen ein Zeichen: Traditionell gekleidet ziehen Tausende vor das neuseeländische Parlament, um ein neues Gesetz zu verhindern, das ihre Rechte einschränkt.
Maori haben im Parlament in Neuseeland mit einem traditionellen Tanz ihren Protest gegen einen Gesetzentwurf ausgedrückt. Die Abstimmung wurde verschoben.19.11.2024 | 0:52 min
In Neuseelands Hauptstadt Wellington haben rund 42.000 Menschen gegen einen Gesetzesentwurf demonstriert, der Kritikern zufolge die Rechte der indigenen Maori schwächt. Die Demonstranten versammelten sich laut neuseeländischen Medienberichten vor dem Parlament, wo der Entwurf in den vergangenen Tagen debattiert worden war.
Zuvor hatten Zehntausende Maori und Unterstützer das Land in einem einwöchigen Marsch als Zeichen des Protests durchquert. Dabei trugen viele traditionelle Kleidung und präsentierten die Maori-Flagge.
Der Gesetzesentwurf geht auf die rechtsliberale Partei ACT zurück, die Teil der Regierungskoalition ist.
Medienberichten zufolge legt der Entwurf das Gründungsdokument des Landes - den Vertrag von Waitangi - neu aus. Dieser war 1840 zwischen den Maori und der britischen Krone geschlossen worden. Dadurch wurde die britische Kolonie geschaffen, die Maori erhielten Eigentumsrechte an dem von ihnen genutzten Land.
Den Maori wurden die gleichen Rechte und Privilegien wie britischen Bürgern zugesprochen. Allerdings wurden zwei unterschiedlichen Versionen des Vertrags verfasst - eine in Englisch und eine in Maori. Darin gab es unterschiedliche Angaben dazu, welche Befugnisse die indigenen Oberhäupter bezüglich Maori-Angelegenheiten, Land und Autonomie abtraten.
Die ursprünglich aus Polynesien stammenden Maori besiedelten die Inseln Neuseelands seit dem 8. Jahrhundert. Als ab dem 17. Jahrhundert die ersten Europäer in Neuseeland ankamen, kam es bald zu gewaltsamen Konflikten um Land und Besitz.
Auch wenn die meisten Maori heute ein vorwiegend westliches Leben führen, haben sie viele ihrer Traditionen und Bräuche bewahrt. Bekannt sind etwa die "Ta moko", die traditionellen Tätowierungen, die oft auch Teile des Gesichts bedecken. Berühmt ist auch der furchteinflößende, rituelle Tanz "Haka", den die neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft vor jedem Spiel aufführt. In Neuseeland leben heute rund 900.000 Maori, das sind etwas mehr als 17 Prozent der Bevölkerung.
In der Politik sind die Ureinwohner durch die Maori Party vertreten, die mehrere Sitze im Parlament hat. Gleichzeitig gelten viele Maori weiterhin als benachteiligt und leben in Armut.
Vertragsverletzungen und Wiedergutmachung
Die britische Monarchie hat im Laufe der Jahrzehnte gegen beide Versionen des Vertrags verstoßen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts verloren die maorische Sprache und Kultur an Bedeutung. Zudem wurde Stammesgebiet konfisziert und die Maori insgesamt benachteiligt.
In den vergangenen 50 Jahren führte eine wachsende Protestbewegung jedoch dazu, dass Gerichte, Abgeordnete und das für Angelegenheiten aus dem Vertrag zuständige Tribunal versuchte, Vertragsverletzungen wiedergutzumachen. Um Verstöße gegen den Waitangi-Vertrag zu kompensieren, wurden Einigungen in Milliardenhöhe zwischen der britischen Monarchie und indigenen Stämmen ausgehandelt.
Mit dem Gesetzentwurf will der Initiator, ACT-Chef David Seymour die Wiedergutmachung an den Maori bremsen und die Vertragsinhalte neu auslegen.
Verabschiedung des Gesetzes unwahrscheinlich
Allerdings gilt es als unwahrscheinlich, dass der Gesetzesentwurf in Kraft treten wird. Neuseelands Premier Luxon hatte deutlich gemacht, dass seine Partei "National Party" den Entwurf nicht unterstützen werde.
Der Entwurf hatte schon in den vergangenen Tagen mehrere Protestaktionen ausgelöst. So zum Beispiel am 16. November, als die indigene Parlamentarierin Hana-Rawhiti Maipi-Clarke den neuen Gesetzesentwurf vor den Augen der Parlamentarier zerriss.
Protest-Tanz der Maori im neuseeländischen Parlament, 16.11.2024
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Vergangene Woche hatte sich Luxon bei den Opfern eines bekannt gewordenen Missbrauchsskandals entschuldigt. Im Zeitraum zwischen 1950 und 1990 erlitten rund 200.000 Kinder, Jugendliche und schutzbedürftige Erwachsene körperliche und sexuelle Gewalt in Pflegeeinrichtungen. Der Anteil der Maori unter den Betroffenen sei laut eines Untersuchungsberichts "unverhältnismäßig hoch."
Quelle: dpa
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