Gesetz beschlossen: Türkei will Straßenhunde loswerden
Umstrittenes Gesetz beschlossen:Türkei will Straßenhunde loswerden
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Die Türkei hat ein umstrittenes Gesetz beschlossen, welches das Töten von Straßenhunden zur Folge haben könnte. Dagegen regt sich Protest.
In der Türkei gibt es rund vier Millionen Straßenhunde.
Quelle: dpa
Die Behörden in der Türkei sollen Millionen streunende Hunde von den Straßen entfernen können. Das Parlament billigte ein entsprechendes Gesetz, welches aus Sicht von Tierschützern zur Tötung oder Vernachlässigung von Vierbeinern führen könnte. Präsident Recep Tayyip Erdogan verteidigte das Vorhaben hingegen als notwendig, um dem "Problem mit streunenden Hunden" Herr zu werden.
Nach Schätzungen der Regierung streifen rund vier Millionen Hunde durch Straßen und ländliche Regionen in der Türkei. Viele sind zwar harmlos, doch rotten sich immer mehr Hunde in Rudeln zusammen, einige Menschen wurden attackiert.
Die Türkei will künftig Straßenhunde einschläfern, wenn sie nach 30 Tagen nicht vermittelt werden können. Tierschützer und NGOs sind alarmiert.30.05.2024 | 2:03 min
Kranke Hunde sollen eingeschläfert werden
Das neue Gesetz verpflichtet Kommunen, streunende Hunde einzufangen und sie in Tierheimen unterzubringen, wo sie geimpft, kastriert oder sterilisiert und dann zur Adoption freigegeben werden sollen. Hunde, die Schmerzen haben, unheilbar krank sind oder als Gesundheitsrisiko für Menschen eingestuft werden, sollen eingeschläfert werden.
Wie gehen andere Länder mit Straßenhunden um?
Deutschland hat nach Einschätzung des Deutschen Tierschutzbundes grundsätzlich eine gute Infrastruktur an Heimen, die sich um Tiere in Not kümmern und deshalb kein Problem mit Straßenhunden. Doch die Einrichtungen sind überlastet, viele haben einen Aufnahmestopp erlassen. Vor allem nach der Corona-Pandemie hat sich die Lage zugespitzt.
Im Gegensatz zu anderen Ländern lehnt Deutschland Euthanasie von Tieren strikt ab, sie dürfen laut Tierschutzbund nur im Einzelfall eingeschläfert werden. Etwa dann, wenn sie unheilbar krank sind, um weiteres Leiden zu vermeiden. Die Entscheidung darüber müsse eine Ethikkommission treffen.
In Griechenland ist seit 2021 ein strenges Tierschutzgesetz in Kraft: Halter sind unter anderem verpflichtet, ihre Tiere registrieren und kastrieren zu lassen. Die Zahl der herrenlosen Tiere bleibt jedoch trotz Gesetzen und des verzweifelten Einsatzes von Tierschutzorganisationen hoch. Weit über drei Millionen streunende Katzen und Hunde soll es in Griechenland geben, genaue Zahlen liegen nicht vor.
Getötet werden dürfen gesunde Hunde und Katzen in Griechenland nicht, weder vom Staat noch von Ärzten oder gar Privatleuten. Stattdessen hat der Staat im vergangenen Jahr ein Programm in Höhe von 15 Millionen Euro aufgelegt, das Gemeinden dabei unterstützen soll, streunende Tiere kastrieren zu lassen.
In Großbritannien ist die Euthanasie von streunenden Hunden nach einer Verwahrfrist von sieben Tagen grundsätzlich erlaubt, in der Praxis wird dies aber oft nur angewandt, wenn das Tier unheilbar krank oder aggressiv ist. Die lokale Behörde fängt das Tier ein und versucht, den Halter zu ermitteln.
Findet sich niemand, wird es meist in ein Heim abgegeben, dort ist das Ziel die Wiedervermittlung. Ob das Tier bei Nicht-Vermittlung eingeschläfert wird, liegt in der Initiative der Einrichtung. Viele Heime haben eine "no kill"-Regelung.
Quelle: dpa
Viele Kritiker argumentieren, dass die klammen Kommunen gar kein Geld hätten, um zusätzliche Tierheime errichten zu lassen. Und da es nicht genügend Platz in den bestehenden Einrichtungen gebe, sei nun ein Pfad für die Tötung der Streuner geebnet worden, erklärt der Tierarzt Turkan Ceylan.
Wir Tierrechtsaktivisten wissen sehr wohl, dass dies Tod bedeutet.
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Turkan Ceylan, Tierarzt
Schwarze Tiere lassen sich besonders schlecht vermitteln.20.06.2024 | 1:40 min
Demonstranten sprechen von "Massaker-Gesetz"
Gegen das Gesetz regte sich Protest. Auf dem Istanbuler Sishane-Platz versammelten sich Hunderte Demonstranten. Die Organisatoren sprachen von einem "Massaker-Gesetz", das für sie nur ein Stück Papier sei. Tierliebhaber zogen in der Hauptstadt Ankara vor Kommunalbüros.
Unter Pfiffen und Rufen wurde dort eine Botschaft verlesen: "Wir warnen diese Regierung immer und immer wieder - stoppt dieses Gesetz. Verübt nicht dieses Verbrechen an diesem Land." Die größte Oppositionspartei CHP kündigte an, vor dem Obersten Gerichtshof der Türkei zu ziehen, um das Gesetz zu Fall zu bringen.
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