Experte zu neuer Ampel-Maßnahme: Prämie "eine Chance geben"
Maßnahme für Langzeitarbeitslose:Experte: Prämie "eine Chance geben"
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Die Ampel hat eine "Anschubprämie" für Langzeitarbeitslose beschlossen. Ein Experte sieht die Maßnahme positiv, die derzeitige wirtschaftliche Situation sei aber "sehr ungünstig".
1.000 Euro für Langzeitarbeitslose nach einem Jahr Arbeit: Trotz Kritik sieht IW-Experte Schäfer die Prämie positiv. Die Arbeitsmarktsituation sei aber für die Reform ungünstig.08.10.2024 | 16:45 min
Die Ampel-Koalition hat eine "Anschubprämie" für Langzeitarbeitslose auf den Weg gebracht. Die vom Bundeskabinett beschlossene Maßnahme ist Teil der Bürgergeld-Reform und soll mehr Menschen in Arbeit bringen. Demnach sollen Langzeitarbeitslose eine Prämie in Höhe von 1.000 Euro bekommen, wenn sie einen sozialversicherungspflichtigen Job annehmen und mindestens ein Jahr lang durchhalten.
Nach der Einschätzung des Arbeitsmarkt-Experten Holger Schäfer, könnte die neue Maßnahme trotz reichlicher Kritik zielführend sein. Die wirtschaftliche Lage sei aber ungünstig für solche Reformen.
Das sagt der Ökonom zu ...
... möglichen Wirkungen der Prämie
Die Kritik an der Prämie sei nachvollziehbar und ein Stück weit auch gerechtfertigt, sagt Schäfer. "Die Kritik ist ja im Wesentlichen die, dass da jemand etwas bekommt, Geld bekommt, für etwas, zu dem er sowieso gesetzlich verpflichtet ist, sodass da auch ein Gerechtigkeitsproblem adressiert wird." Allerdings seien solche Leistungen längst Teil des Systems, wie etwa die Weiterbildungsprämie oder der Erwerbsfreibetrag.
Das hat seine eigenen Probleme, aber es ist im Grunde genau das Gleiche wie die Prämie. Es ist eine Geldleistung für etwas, wozu der Bürgergeldempfänger sowieso verpflichtet ist.
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Holger Schäfer, Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft
... ist Ökonom für Beschäftigung und Arbeitslosigkeit am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.
In Deutschland sind fast drei Millionen Menschen arbeitslos. Dabei werden Arbeitskräfte dringend gesucht. Wo liegt das Problem? Wollen oder können die Menschen nicht arbeiten?30.04.2024 | 1:40 min
Die ökonomische Forschung zeige, dass eine Verpflichtung, die besteht und auch mit Sanktionen bewährt ist, noch wesentlich besser wirkt, wenn es noch zusätzliche Anreize gibt, erklärt Schäfer.
Ich denke, man sollte dieser Maßnahme durchaus eine Chance geben.
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Holger Schäfer, Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft
Die Maßnahmen seien "in der Mehrzahl durchaus zielführend im Bereich Bürgergeld". Die derzeitige Situation sei aber "sehr ungünstig" für solche Reformen, da die deutsche Wirtschaft in der Rezession stecke.
Die Deutsche Wirtschaft befindet sich in der Krise.15.09.2024 | 3:53 min
... den Anreizen in Deutschland, arbeiten zu gehen
Es bestehe Reformbedarf, so der Arbeitsmarktexperte. Zwar sei es so, dass jeder, der arbeitet, egal wie viel er damit verdient, mehr Geld in der Tasche zur freien Verfügung hat als derjenige, der nicht arbeitet und nur Bürgergeld bezieht.
Aber das heißt natürlich noch lange nicht, dass sich Arbeit noch für jeden lohnt.
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Holger Schäfer, Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft
Ob sich Arbeit lohnt, hänge davon ab, wie viel zusätzliches Einkommen mit einer Erwerbstätigkeit erzielt wird und wie lange dafür gearbeitet werden muss, so Schäfer. "Das ist natürlich jetzt individuell bei jedem unterschiedlich." Wenn für eine zusätzliche Stunde Arbeit nur ein bis zwei Euro zusätzlich verfügbares Einkommen generiert werden "kann man natürlich vielleicht auch die Menschen verstehen, die sagen, das lohnt sich nicht", fügt er hinzu.
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... den Kosten des neuen Bürgergeld-Systems
Das Bürgergeld sei der "letzte Rettungsanker, wenn sonst kein Einkommen vorliegt", betont Schäfer. Ohne diesen Anker "müssten die Leute unter der Brücke schlafen und würden hungern und frieren." Das könne keiner wollen, so der Arbeitsmarkt-Experte.
Irgendeine Art von Grundsicherung brauchen wir.
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Holger Schäfer, Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft
Das Bürgergeld koste den Staat zwischen 40 und 50 Milliarden Euro, erklärt der Ökonom. Wer Einsparungen vornehmen wolle, müsse schon sagen, wo gespart werden soll. Die Höhe des Bürgergeldes sei aber eine politische Entscheidung, unterstreicht der Experte.
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