Standortkrise:Deutsche Wirtschaft: Was den Mittelstand plagt
von Max Schwarz
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Energiekosten, Bürokratie und Fachkräftemangel: Die Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft sind zahlreich und sie sind groß. Drei Unternehmer berichten.
Schwierig ist die Lage nicht nur in der Baubranche. (Symbolbild)
Quelle: dpa
Das Lager von André Bartel ist voll, seine Auftragsbücher sind es auch. Seit mehr als 50 Jahren stellt sein Familienunternehmen BARiT in Esslingen aus Kunstharzen Industrieböden her. Aktuell schiebe er Aufträge im Wert eines ganzen Jahresumsatzes vor sich her, die er aber nicht abarbeiten könne.
Denn überall fehlten Vorleistungen, sagt Bartel: "Ob das die Heizung ist, Elektro, ob Fenster nicht da sind, ob Türzargen fehlen. Wir kommen einfach nicht dazu, die PS, die wir haben, auf die Straße zu kriegen. Wir schaffen es einfach nicht."
Deutsche Familien-Unternehmen sind aus Deutschlands Mittelstand nicht mehr wegzudenken. Doch die Wettbewerbsfähigkeit hat sich für mehr als zwei Drittel der Unternehmen verschlechtert, so der Verband.25.04.2024 | 1:49 min
Bürokratie auf Baustellen
Doch was ihn am meisten plage, sei die Überregulierung auf Baustellen. Jedes einzelne Gewerk würde dort doppelt und dreifach geprüft. Gefühlt seien mittlerweile mehr Kontrolleure als Handwerker auf einer Baustelle.
Die Regelungen sind einfach zu viel. Wir haben schlicht und ergreifend zu viele Vorschriften.
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André Bartel, Geschäftsführer BARiT
"Zudem sind die Entscheidungen, die uns die Politik vorgibt, wahnsinnig sprunghaft. Es ist täglich was Neues, und keiner kann sich so richtig darauf einstellen. Das hemmt die Investitionsentscheidungen der Bauherren, und damit können wir am Ende nicht mehr bauen", so Bartel.
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Fachkräftemangel und Bürgergeld
Wie schwierig die Lage in der Bauwirtschaft ist, spürt auch Karl Breer. Er führt in Heidelberg das Gebäudereinigungsunternehmen seiner Familie in vierter Generation. Die Nachfrage aus der Bauwirtschaft sowie der Chemie- und Autoindustrie sei zuletzt stark zurückgegangen.
Dennoch: "Die Auftragslage ist sehr gut. Wir haben viele Anfragen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Hotellerie, Gastronomie, Industrie, Veranstaltungsservice. Unser Engpassfaktor ist der Personalmangel", erklärt Breer.
Wir könnten durchaus 20 bis 30 Prozent mehr Umsatz machen, wenn wir mehr Personal finden würden. Sowohl im Fachkräftebereich als auch im ganz normalen Arbeiterbereich.
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Karl Breer, Geschäftsführer Breer Gebäudedienste
Die deutsche Wirtschaft schwächelt. Ein großes Problem sei der Fachkräftemangel - die künftige "Arbeitskräftelücke" werde "zum größten Wachstumshindernis" werden, so ZDF-Reporter Florian Neuhann.22.11.2024 | 4:19 min
Arbeitskräftemangel als Wachstumsbremse. Und dann ist da noch die Debatte ob sich Arbeit überhaupt lohnt, die Debatte um das Bürgergeld. Seit dessen Einführung, erzählt Breer, habe er nicht einen einzigen Mitarbeiter aus dem Bürgergeldbezug einstellen können. Trotz des Branchenmindestlohns von 13,50 Euro, sagt Breer:
"Wir hatten ganz konkret den Fall, dass ein Mitarbeiter gekündigt hat, weil seine Frau beim Sozialamt nach der Beratung sich ausgerechnet hat, dass sie lediglich 80 Euro netto im Monat weniger haben, wenn er gar nicht mehr arbeitet. Der hatte vorher einen Vollzeitjob in unserer Hausdienstleistungsabteilung, also Hausmeisterdienstleistungen, und dann hat er gekündigt."
Betriebsbedingte Entlassungen wie bei VW, Bosch oder ZF dominieren aktuell vor allem die Nachrichten aus der Autoindustrie. Die Krise in Deutschlands wichtigstem Industriezweig wird auch für Michael Weiss immer spürbarer. Er ist Geschäftsführer von ACPS Automotive, dem Weltmarktführer für schwenkbare Anhängerkupplungen.
Das drückendste Problem ist die Finanzierung des Unternehmens, weil natürlich auch Banken mitkriegen, wie volatil das Geschäft ist. Und je volatiler, je unplanbarer das wird, umso schwieriger wird die Finanzierung.
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Michael Weiss, CEO, ACPS Automotive
Mit deutschlandweiten Warnstreiks an neun von zehn VW-Standorten protestieren zehntausende Beschäftigte gegen die geplanten Werksschließungen und Lohnkürzungen des Autobauers02.12.2024 | 2:01 min
Hinzu kommt für ihn das Thema der hohen Energiekosten in Deutschland. Die seien ein enormer Standortnachteil im Vergleich zu den USA oder Asien, betont Michael Weiss:
"Alles, was wir verarbeiten, braucht Energie. Und selbst wenn wir das nicht selbst sind, spätestens dort in der Lieferkette, wo Metall geformt, geschmolzen, gegossen wird, da wird es energieintensiv. Und natürlich spüren wir das dann am Ende der Kette auch."
Max Schwarz arbeitet im ZDF-Studio Baden-Württemberg.
Quelle: dpa
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