COP15: Strikte Umsetzung von Abkommen gefordert

    Nach Weltnaturkonferenz COP15:Strikte Umsetzung von Abkommen gefordert

    von Elisa Miebach
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    Das Weltnaturschutz-Abkommen steht - nach hartem Ringen. Für die bedrohte Natur der Erde könnte das Abkommen von Montréal zum Wendepunkt werden - wenn es strikt umgesetzt wird.

    Im Kongobecken steht der zweitgrößte tropische Wald. Unter diesem befindet sich Öl, das die Regierung der Demokratischen Republik Kongo ausbeuten will. 20.12.2022 | 2:46 min
    Seine dicke Winterjacke, seine Mütze und seinen Schal legte Valentin Engobo Lufia nur sehr zögerlich in der Konferenzhalle ab. Es ist kalt in Montréal. Während drinnen auf der Weltnaturschutzkonferenz die Verhandlungen in die heiße Phase gingen, färbte draußen ein Schneesturm die Stadt weiß.

    "Hüter der Biodiversität"

    Der Vertreter der Indigenen aus dem zweitgrößten tropischen Waldgebiet nach dem Amazonas, dem Cuvette Centrale im Kongobecken, hatte eine Mission mit nach Kanada gebracht: "Wir möchten hier unsere Rechte als Hüter des Waldes einfordern, als Hüter der Biodiversität und ihres Ökosystems."  Der Wald ist bedroht, denn die Regierung der Demokratischen Republik Kongo will dort nach Öl bohren.
    Auf der 15. Weltnaturschutzkonferenz ging es um nichts weniger als darum, die Grundlagen für das Leben auf der Erde zu erhalten. 5.000 Menschen waren nach Montréal gekommen, fast 200 Länder verhandelten hier darüber, wie das Artensterben gestoppt werden kann und die Ökosysteme der Erde erhalten werden können.

    Durchbruch am frühen Morgen

    Um 3:33 Uhr morgens in der letzten und wichtigsten Nachtverhandlung wurde der Durchbruch besiegelt. Gerade die Demokratische Republik Kongo hatte zuvor noch einmal Teile des Abkommens in Frage gestellt. Doch wenn der Hammer gefallen ist, steht das Abkommen.
    Noch wenige Tage zuvor hatte die Konferenz kurz vor dem Scheitern gestanden. Ländervertreter verließen aus Protest die Verhandlungsräume, die Augenringe bei Delegierten wie Nichtregierungsorganisationen wurden immer größer. Es war die letzte Chance, Ziele für dieses Jahrzehnt festzulegen.
    Das erste Übereinkommen über die biologische Vielfalt wurde 1993 unterzeichnet. Zuletzt fanden die Weltnaturschutzkonferenzen alle zwei Jahre statt – eigentlich. Durch die Corona-Pandemie musste die für 2020 in China geplante Konferenz ausfallen. Doch am Anfang jedes Jahrzehnts sollen die neuen Ziele für die nächsten zehn Jahre festgelegt werden. So wurde diese Konferenz in Montréal unter kanadisch-chinesischer Präsidentschaft entscheidend.

    30 Prozent der Flächen unter Schutz gestellt

    Das wichtigste der 23 Ziele: 30 Prozent der Land- und Meeresflächen sollen unter Schutz gestellt werden. Auch Plastikmüll, Pestizide und schädliche Subventionen sollen reduziert werden. Bis 2025 stehen zudem jährlich 20 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, um Gebiete wie im Kongobecken zu schützen, anstatt sie wirtschaftlich auszubeuten. Ab 2025 sollen es dann 30 Milliarden Dollar sein.
    Doch nach dem Durchbruch geht es nun darum, die Ziele auch umzusetzen. Viele Punkte seien noch zu vage, sagen Kritiker.

    Das Problem ist, dass viele Schutzgebiete einfach keinen Schutz für die Natur bringen, weil weiterhin Fischerei, industrieller Holzabschlag und konventionelle Landwirtschaft erlaubt ist.

    Jannes Stoppel, Greenpeace.

    Er hätte sich striktere Schutzkriterien gewünscht.

    WWF: Konsum reduzieren

    Der World Wildlife Fund (WWF) mahnt, noch stärker über das wichtige 30-Prozent-Ziel hinauszugehen: "Es wird nur gelingen, das Artensterben zu stoppen und umzukehren, wenn die restlichen 70 Prozent der Fläche auch nachhaltig genutzt werden und wir unseren ökologischen Fußabdruck von Produktion und Konsum reduzieren", sagt Florian Titze, der die Verhandelungen für den WWF beobachtet hat.

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    FAQ
    Für Valentin Engobo Lufia aus dem Kongobecken ist besonders ein Punkt im Abkommen wichtig: Die Rechte der indigenen Völker sollen besonders geschützt werden. "Wenn ich zurück in meine Heimatgemeinde komme, kann ich weitergeben, wir sind akzeptiert. Wir haben das Recht zu Zugang zu unseren traditionellen Gebieten", sagt er. "Denn wir haben das traditionelle Wissen, um nachhaltig mit dem Wald umzugehen, das ist ein wichtiger Schritt, damit wir das Ökosystem nicht verlieren."
    Für 70 Prozent der Menschen im Kongobecken ist der Wald die Lebensgrundlage. Doch bisher sind die Ölbohrungen der Regierung auch in existierenden Schutzgebieten geplant. Die Menschen vor Ort hoffen, dass durch das Abkommen von Montréal der Druck erhöht wird, sodass schützenswerte Gebiete geschützt bleiben.
    Elisa Miebach ist Redakteurin im ZDF-Landesstudio Bayern und in der ZDF-Umweltredaktion.

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