Einer der wichtigsten Mitarbeiter im Hintergrund der deutschen Nationalmannschaft ist der Teampsychologe Hans-Dieter Hermann. Den Druck beim Heimturnier will er positiv nutzen.
Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann bei einem Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und Japan.
Quelle: IMAGO
Das Team hinter dem Team, heißt es gerne, ist mitunter genauso wichtig wie die Protagonisten, die auf dem Rasen stehen. Zahlenmäßig ist es ohnehin längst in der Überzahl. Der Begleittross der deutschen Nationalmannschaft hat beträchtliche Ausmaße: Analysten und Physiotherapeuten, Zeugwart und Koch, Medien/TV-Bereich und Teammanagement.
Und diese Posten sind längst doppelt und dreifach besetzt, wenn sich der Kader nun wieder in Herzogenaurach den Feinschliff für das EM-Eröffnungsspiel gegen Schottland(Freitag, 21 Uhr/live ZDF) holt.
Auf seiner Homepage listet der DFB auch "unsere externen Expert*innen" auf - und nennt an erster Stelle nicht zufällig den Teampsychologen Dr. Hans-Dieter Hermann. Kaum einer weiß über das innere Gleichgewicht der Nationalmannschaft so gut Bescheid wie der 65-Jährige, der in Heidelberg promovierte und lehrte, ehe ihn der ehemalige Teamchef Jürgen Klinsmann Ende 2004 zusätzlich zur DFB-Auswahl holte.
Psychologe Hermann von Löw, Flick, Nagelsmann geschätzt
Seinen Ratschlägen haben Joachim Löw, Hansi Flick und nun auch Julian Nagelsmann vertraut, was allein als Kompliment für seine Arbeit dient.
Interviews gibt der Inhaber einer Praxis für Sportpsychologie in Schwetzingen selten, aber hin und wieder hält er Vorträge wie kürzlich auf einem Kongress der TSG Hoffenheim unter dem Motto "Performance under Pressure". Leistungssportler unterliegen einem besonderen Druck - und es gibt verschiedene Strategien diesen Druck auszuhalten.
Bei vielen steigt die Vorfreude auf die Fußball-EM in Deutschland rapide an, je näher das Event rückt. Nach einer Umfrage will sich jeder fünfte ein DFB-Trikot kaufen.
07.06.2024 | 1:35 min
Hermann plauderte für 200 Gäste ein bisschen aus dem Nähkästchen. Er zeigte ein Bild vom Confed Cup 2017, als die gesamte Truppe ein Tor trug. Damals seien einige sogar "50 Meter gesprintet", um auch diese Banalität im Training gemeinsam zu erledigen. War es Zufall, dass diese Gemeinschaft aus Nachwuchs und Nachrückern damals in Russland reüssierte?
Miroslav Klose als leuchtendes Vorbild betrachten
Zudem schwärmte der Psychologe von echten "Positivdenkern" wie dem WM-Rekordtorschützen Miroslav Klose, der bei seiner Auswechslung im WM-Finale 2014 dem jungen Mario Götze zurief: "Du kannst es möglich machen."
Der selbstlose Torjäger habe stets auch "andere zum Leuchten bringen" wollen. Das darf ruhig Vorbild für 2024 sein. Hermann nannte aus der WM 2014 noch Reservisten wie Kevin Großkreutz, Erik Durm oder Ron-Robert Zieler, die mit ihrer "emotionalen Unterstützung" die Gruppe gestärkt hätten.
Aufmerksamkeit bei Heim-EM als Ansporn begreifen
Hermann empfahl, bei einer Heim-EM, die Aufmerksamkeit, die Bühne, den Heimvorteil "als Ansporn, nicht als Bedrohung" zu begreifen. Insbesondere in US-Sportarten wie Basketball oder Baseball würden Topstars danach lechzen, einem Millionenpublikum ihr Können zu zeigen. Häufig kämen Zitate wie: "Dafür habe ich drei Millionen Bälle geworfen." Und so gab er vor dem Startschuss den allgemeinen Rat:
Es geht darum, etwas erreichen zu wollen, nicht darum, etwas zu vermeiden.
„
Hans-Dieter Hermann
In ganz ähnliche Richtung hat Julian Nagelsmann in Richtung der EM häufiger argumentiert. Aus seiner Zeit bei der TSG Hoffenheim kannte der Bundestrainer bereits den Teampsychologen; die beiden mussten also keine neue Basis aufbauen. Dass Nagelsmann mit seinen Assistenten oder das Teammanagement um Thomas Beheshti generell für neue Wege offen ist, hilft natürlich.
Mit der Schweiz und Ungarn haben nun alle deutschen Gruppengegner bei der EM ihre Generalprobe absolviert. Vor allem die Ungarn wissen dabei zu überzeugen.
Auf der WM 2022 in Katar lastete zu viel Ballast
So war Nagelsmann angetan davon, dass im ersten Trainingslager in Blankenhain das Sondereinsatzkommando der Polizei (SEK) seine Spieler unterrichtet hat. Vorgeschlagen hatte die Aktion eben Hermann. "Eine gute Idee", meinte der Bundestrainer, aus der seine Spieler "viel rausziehen" konnten.
Der Experte für die Kopfarbeit spürt wie ein Seismograph die Schwingungen im Binnengefüge - und es ist deutlich herauszuhören, dass er jetzt ein gutes Gefühl hat. Anders als vor der WM 2022 in Katar, als viel zu viel Ballast auf der gesamten Mission lastete.
Die ausufernde Symbolik mit der Binde, aber auch die gesellschaftspolitischen Debatten, die auf den sportlichen Auftrag abstrahlten - das konnte aus seiner Sicht gar nicht gutgehen. Ganz gleich wie es jetzt übrigens ausgeht: Für Hermann könnte es das letzte Turnier sein.
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