Spanien ist nach einem verdienten 2:1 gegen England jetzt Rekord-Europameister. Das spielstärkste Ensemble hat in Deutschlands Hauptstadt den Fußball-Thron erklommen.
Es mutete fast schon ein bisschen kitschig an, als das Dach des Berliner Olympiastadions in den spanischen Nationalfarben leuchtete. In Gelb und Rot strahlte die riesige Betonschüssel, die sich mit dieser Illuminierung symbolträchtig vor den neuen Königen in Fußball-Europa verneigte.
Kaum hatte Spaniens Kapitän Alvara Morata die begehrte Trophäe aus den Händen von Uefa-Präsident Aleksander Ceferin erhalten, spazierte der Mittelstürmer zu seinen bereits jubelnden Mitspielern. Goldenes Konfetti regnete um 23.16 Uhr auf die Gemeinschaft herab.
Ein letztes Feuerwerk, dann hatten die Edelkicker am Sonntagabend die offiziellen Prozeduren nach dem EM-Finalsieg gegen England (2:1) hinter sich. Niemand zweifelt daran, dass die Nationalmannschaft mit dem höchsten Unterhaltungsfaktor dieses Turnier verdient gewann.
1960 in Frankreich: 1. UdSSR, 2. Jugoslawien, 3. CSSR
1964 in Spanien: 1. Spanien, UdSSR, 3. Ungarn
1968 in Italien: 1. Italien, 2. Jugoslawien, 3. England
1972 in Belgien: BR Deutschland, 2. UdSSR, 3. Belgien
1976 in Jugoslawien: CSSR, 2. BR Deutschland, 3. Niederlande
1980 in Italien: 1. BR Deutschland, Belgien, 3. CSSR
1984 in Frankreich: 1. Frankreich, 2. Spanien
1988 in BR Deutschland: 1. Niederlande, 2. UdSSR
1992 in Schweden: 1. Dänemark, 2. Deutschland
1996 in England: 1. Deutschland, 2. Tschechien
2000 in Belgien und Niederlande: 1. Frankreich, 2. Italien
2004 in Portugal: 1.Griechenland, 2. Portugal
2008 in Österreich und der Schweiz: 1. Spanien, 2. Deutschland
2012 in Polen und der Ukraine: 1. Spanien, 2. Italien
2016 in Frankreich: 1. Portugal, 2. Frankreich
2020 in Europa: 1. Italien, 2. England
2024 in Deutschland: 1. Spanien, 2. England
Hart für den Erfolg gekämpft
"Ich könnte nicht glücklicher sein, wenn ich die Fans sehe, das Publikum, die Spieler. Es ist ein wunderbarer Tag für uns. Meine Mannschaft hat verdient gewonnen", erklärte der ergriffene Nationaltrainer Luis de la Fuente.
Jeder Schritt war richtig, den wir gemacht haben. Niemand hat uns etwas geschenkt - deshalb bin ich stolz, wie hart wir für diesen Erfolg gekämpft haben.
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Luis de la Fuente, Spaniens Nationaltrainer
Der 63-Jährige kündigte in der Pressekonferenz zu nächtlicher Stunde an, seinen Vertrag im spanischen Verband verlängern zu wollen. "Meine Fußballer sind ein gutes Beispiel für die Gesellschaft. Das sind Jungs, die alles auf dem Platz geben. Ich glaube, ich habe die 26 besten Spieler der Welt!"
De la Fuente ist für viele ein väterlicher Förderer, der etliche Protagonisten bereits seit dem Nachwuchs gefördert hat. Er hat die "Seleccion" taktisch variabler und diverser gemacht. Vielleicht nicht umsonst sind unter ihm Toptalente wie Nico Williams und Lamine Yamal - Jungstars mit afrikanischen Wurzeln - bei der EM durchgestartet.
Hinter der Familie Williams liegt eine bewegende Geschichte. Heute kann sie Spaniens Rechtsaußen Nico mit dem EM-Titel abrunden. Sein spektakuläres Flügelspiel weckt Interesse.
von Florian Haupt
mit Video
Eine Koproduktion der Flügelzange mit Zahnspange führte zum 1:0 (47.). Der seit Freitag 22-jährige Williams war vom am Samstag 17 Jahre alt gewordenen Yamal mustergültig bedient worden. "Wir haben wie Tiere gelitten, haben am Ende aber gewonnen", sagte der zum "man of the match" gewählte Flügelmann Williams.
Ich glaube, dass wir Geschichte geschrieben haben. Jeder Spieler träumt von solchen Momenten.
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Nico Williams, Stürmer der spanischen Nationalmannschaft
Sein Kumpel Yamal heimste derweil Auszeichnung zum besten jungen Spieler ein.
Den Siegtreffer besorgte mit Mikel Oyarzabal ein Einwechselspieler, den Linksverteidiger Marc Cucurella passgenau bediente (86.). Der von deutschen Ticketinhabern wegen seines angeblichen Handspiels gegen Deutschland erneut ausgepfiffene Lockenkopf stand exemplarisch für die Lust und Leidenschaft dieses Ensembles.
1. Cody Gakpo (Niederlande), Harry Kane (England), Georges Mikautadze (Georgien), Jamal Musiala (Deutschland), Dani Olmo (Spanien), Ivan Schranz (Slowakei) alle 3 Tore
Englands Teamchef Gareth Southgate gab sich als fairer Verlierer zu erkennen, auch wenn seine "Three Lions" im zweiten EM-Finale binnen drei Jahren erneut unglücklich scheiterten: "Ich bin sehr stolz auf meine Spieler, wir haben gegen die bessere Mannschaft verloren."
Der Schlüssel wäre Ballbesitz gewesen, aber wir hatten nicht genug Kontrolle.
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Gareth Southgate, Englands Nationaltrainer
Spanien ist auch deshalb ein würdiger Titelträger, weil es den verletzungsbedingten Ausfall von Anführer Rodri - richtigerweise zum besten Spieler der EM gekürt - zur Pause ebenso wegsteckte wie den zwischenzeitlichen Ausgleich von Cole Palmer für die tapferen Engländer (73.).
Die Spanier haben nun sowohl mit ihren Vereinsteams als auch der Nationalmannschaft seit 2001 kein Finale mehr verloren und sind mit vier Titeln auch Rekord-Europameister.
Dani Olmo rettet auf der Linie
Sieben Siege in sieben EM-Spielen hat nicht mal die Generation um Xavi Hernandez geschafft. Der heutige Stil führt viele Elemente zusammen. Niemand ist sich zu schade, auch ganz hinten auszuhelfen. Als England bei einer Dreifachchance am 2:2 schnupperte, war es der Filigrantechniker Dani Olmo, der die Kugel in der 90. Minute von der Linie köpfte.
"Wir haben in Berlin begonnen und wollten es in Berlin beenden und so ist es auch", sagte der Offensivallrounder von RB Leipzig.
Deutschland ist für mich eine zweite Heimat. Es ist schön, das Turnier hier gespielt zu haben, im Land, das ich mag.
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Dani Olmo, Stürmer der spanischen Nationalmannschaft
Dennoch könnte es sein, dass einer der Torschützenkönige der EM demnächst von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch macht, um womöglich in seine Heimat zurückzukehren.
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