Special Olympics Winterspiele: Skitalent will nach Turin

    Special Winter Olympics:Skitalent will über Thüringen nach Turin

    von Susanne Rohlfing
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    Rund 900 Athletinnen und Athleten mit geistiger und mehrfacher Beeinträchtigung treffen sich bei den Special Winter Olympics. Mit dabei: die 16-jährige Helena Klintschar.

    Die Skifahrerin Helena Klintschar
    Skifahrerin Helena Klintschar hat sich Großes vorgenommen.
    Quelle: Patrizia Klintschar

    Es hat viel Durchhaltevermögen gekostet, bis Helena Klintschar das Skifahren nicht mehr bei jedem Skiurlaub neu lernen musste. Doch ihre Hartnäckigkeit und die Geduld ihrer Eltern haben sich gelohnt:
    Bei den Special Olympics Nationalen Winterspielen in Thüringen tritt die 16-Jährige aus Göttingen nicht nur als Medaillenanwärterin an, sondern wird auch bei der Eröffnungsfeier am Montagabend die Flagge von Special Olympics Deutschland tragen.
    Philip Kühnst liebt skifahren.
    In Thüringen beginnen die nationalen Winterspiele der Special Olympics. Mehr als 800 Athleten mit geistiger und mehrfacher Behinderung sind am Start. 29.01.2024 | 4:30 min

    Sport und Teilhabe

    Rund 900 Athletinnen und Athleten mit geistiger und mehrfacher Beeinträchtigung gehen bis Freitag in zehn Sportarten an den Start. Die Wettbewerbe werden in Oberhof, Erfurt und Weimar ausgetragen.
    Klintschar absolviert die alpinen Disziplinen Slalom und Riesenslalom. Bei ihrem Wettkampf-Debüt im vergangenen Jahr bei den Special Olympics Bayern hatte sie Goldmedaillen im Super-G und im Riesenslalom gewonnen. Entsprechend groß ist die Freude der jungen Athletin auf die Wettbewerbe in Oberhof - sie will wieder zeigen, was in ihr steckt.
    Allerdings fiebert sie auch schon dem Abend mit der Athletendisco entgegen. Und der Abschlussfeier. In einem Interview des Dachverbandes Special Olympics Deutschland sagt Klintschar:

    Eigentlich freue ich mich auf jeden Moment in dieser Woche.

    Helena Klintschar, Skiläuferin

    Die Organisation nimmt für sich in Anspruch, kein reiner Sportverband zu sein, sondern eine Bewegung für mehr Gemeinschaft und Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung.

    Schub nach Special Olympics World Games in Berlin

    Dass Deutschland Special Olympics kann, hat eine breite Öffentlichkeit im vergangenen Sommer vorgeführt bekommen: Die Special Olympics World Games waren zu Gast in Berlin, rund 7.000 Athletinnen und Athleten aus aller Welt kamen zur ersten internationalen Veranstaltung von Special Olympics in Deutschland.
    Die Medienresonanz und die Begeisterung beim Publikum waren groß, der Bewegung hat das einen enormen Schub verpasst. Und der hält an. Für die Spiele in Thüringen hatten sich sehr viel mehr freiwillige Helfer gemeldet, als benötigt wurden.
    Andrea Eichner, Daniela Huhn und Lena Kesting (v.l.n.r.)
    Daniela Huhn und Andrea Eichner traten bei den Special Olympics im Badminton als Unified-Team an. Sie sprechen über ihre Erfolge, ihr Training und ihre Erlebnisse bei den Spielen.26.06.2023 | 3:41 min
    Carsten Schmidt, Vizepräsident Marketing, Kommunikation und Digitalisierung von Special Olympics Deutschland sagt dazu:

    Der Erfolg von Berlin 2023 beim Publikum hat gezeigt, dass Sport von Menschen mit Beeinträchtigung kein Randthema ist, sondern gewünscht und gefeiert wird.

    Carsten Schmidt, Special Olympics Deutschland

    Klintschar ein Vorbild

    Sprecher Jan Neubert ergänzt: "Die Offenheit für das Thema ist gestiegen, wir müssen nicht mehr erklären, dass es das gibt und dass es das braucht." Es gehe um mehr als Sport, der Menschen mit geistiger Behinderung eben nicht nur Erfolge verschaffe, sondern ihnen auch zu mehr Selbstbewusstsein, mehr Teilhabe, einem gesünderen Lebensstil verhelfen könne. Die Athleten der Spiele in Thüringen hätten da eine Vorbildfunktion, betont Neubert.
    Helena Klintschar ist eines dieser Vorbilder. Wegen eines Gendefektes fällt es ihr schwer, Bewegungsabläufe zu automatisieren. Ihre Eltern, gebürtige Österreicher, nahmen sie dennoch immer wieder mit in den Skiurlaub. Irgendwann schaffte Klintschar es, nicht immer wieder von vorn anzufangen - und die alpinen Abfahrten wurde ihre große Leidenschaft.

    Special-Olympics-Bewegung will Angebote schaffen

    Mit anderen Kindern ihres Alters konnte sie aber selten mithalten, erst bei Special Olympics entdeckte sie, wie gut sie eigentlich ist. Und dass es viele Menschen gibt, die mit ähnlichen Problemen kämpfen wie sie. Der Sport gibt Klintschar Kraft und Selbstbewusstsein. Sie ist auch im Klettern und Schwimmen aktiv und holte auch in diesen Sportarten schon Medaillen.
    Vereine, die es Menschen wie Helena Klintschar möglich machen, am Trainingsbetrieb teilzunehmen, sind enorm wichtig für die Special-Olympics-Bewegung. "Weitere Angebote zu schaffen, ist ein Brett, das wir in den nächsten Jahren weiter bohren müssen", sagt Neubert. Er blickt aber ebenso wie Klintschar hoffnungsfroh in die Zukunft.

    Mein nächstes großes Ziel ist Turin. Ich hoffe, für die Weltwinterspiele 2025 nominiert zu werden.

    Helena Klintschar

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